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<em>Jürgen Sperber</em> ist Küchenmeister und Hotelier. Er betreibt das Hotel Sperber in Abstatt und die „Sperber Lounge“ in Heilbronn

© Roberto Bulgrin

Kulinarium

Über den Tellerrand

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/51 vom 23. Dezember 2006

Wie war es doch früher einfach, als man den Gourmet und den Currywurstesser bequem in seine jeweilige Schublade stecken konnte. Sogar der gesellschaftliche Status war angekratzt, wenn man sich bei McDonald’s hat erwischen lassen. Die Zeiten haben sich geändert. Zum Glück. Das gilt auch für die Essgewohnheiten. Die Hochphase der „Italiener“, „Chinesen“ und „Griechen“, wie man diese ethnischen Lokale herzlich und allgemein verbindlich nennt, ist vorbei.

Nach Thai-Küche und Crossover ist jetzt die regionale Küche der neueste Trend. Die neue bürgerliche Mitte bedient sich bei allem, was sie in den letzten Jahrzehnten geprägt hat. Meines Erachtens werden wir in Zukunft zwei unterschiedliche Gruppen definieren. Die bewussten Esser und die unbewussten. Das so genannte Prekariat, das sich eher ungesund ernährt und vor allem zu viel isst, unterscheidet sich demnach von denjenigen, die es verstehen, ihre Ernährung zwischen Quantität und Qualität, Gesundheitsbewusstsein, Wellnesswahn und kultureller Vielfalt auszupendeln.

Ein hochinteressantes Thema, weil es voll gepackt ist mit Widersprüchen. Es passt somit ins Bild, heute im berühmten Tantris das große Menü zu bestellen, morgen in Eile und Hektik Burger zu essen, am dritten Tag ein Ayurveda-Gericht mit Freunden zu zelebrieren, am vierten Tag ganz zu verzichten, am fünften Tag mit den Sportfreunden eine Pizza essen zu gehen und am sechsten Tag die neuesten Gerichte von Lafer zu kochen (Cocooning ist ja auch ein Trend!). Am siebten Tag schließlich genießt man bei Oma den Schweinebraten. Auf den freut man sich schließlich schon die ganze Woche.


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