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Management

Wach sein durch Schlaf

Siesta für Herz und Leistung: Wie ein Nickerchen zur Mittagszeit die Motivation und Effektivität von Mitarbeitern stärken kann

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/23 vom 7. Juni 2008

STUTTGART. „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“, spottete einst Rainer Werner Fassbinder. Der exzentrische Filmemacher lebte stets aus dem Vollen. Neben seiner manischen Arbeitswut zog er nachts um die Häuser – missachtete sämtliche Warnsignale seines Körpers. Mittagsschlaf zu halten, hielt er für eine Zumutung, selbst seinen Mitarbeitern verbot er das Wegdösen am Set. Mit 37 Jahren bekam er von seinem Körper die Quittung: Diagnose Herzstillstand.

Siesta baut Stress ab

Auch heute erscheint vielen Unternehmern die Forderung von Schlafforschern, die Arbeit am Nachmittag mit einem Kurzschlaf zu unterbrechen, als Unding. Im Leistungswettbewerb darf es doch keine Auszeit geben. Mittagsschlaf wird nur Rentnern und Kleinkindern zugestanden.

Dabei liefern verschiedene internationale Studien eindeutige Ergebnisse: „Power-Napping“ – wie das kurze Wegsacken am Arbeitsplatz gern genannt wird – hat eine vorbeugende Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Haupttodesursache in Europa und den USA. Mehr noch: Ein Mittagsschlaf verlängert das Leben, vor allem von Männern. Ihr Risiko, durch Herzversagen plötzlich aus dem (Arbeits-)Leben zu scheiden, verringert sich signifikant, wenn sie sich täglich ein Nickerchen gönnen.

Schlafexperten der Universität Athen beobachteten sechs Jahre lang rund 24.000 griechische Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 86 Jahren. Mit dieser bisher größten Studie zum Kurzschlaf gelang es den Wissenschaftlern um Forschungsleiter Dimitrios Trichopoulos, dessen konkrete Auswirkungen präzise zu erforschen. Probanden, die sich drei Mal die Woche eine Siesta leisteten, senkten demnach ihr Risiko, an Herzversagen zu sterben, um 37 Prozent. Bei Berufstätigen belief sich die Risikobegrenzung sogar auf 64 Prozent.

„Wir denken, dass eine Siesta dabei hilft, Stress abzubauen. Das verringert die Wahrscheinlichkeit eines Herztodes“, erläutert Dimitrios Trichopoulos. Dass auch arbeitslose Männer, die regelmäßig ein Nickerchen halten, dadurch ein verringertes Risiko für eine Herzkrankheit haben, unterstütze seine These, sagt der Experte.

In den Mittelmeerländern ist die Siesta in der glutheißen Mittagszeit ohnehin weit verbreitet – doch auch im kälteren Mittel- und Nordeuropa macht es Sinn, sich zur Zeit des höchsten Sonnenstands mit geschlossenen Augen nach innen zu orientieren. Schließlich – das haben die Wissenschaftler um Dimitrios Trichopoulos mit ihrer Studie klar belegt – ist es nicht dem Genuss von Olivenöl, Fisch und Rotwein zu verdanken, dass in den Mittelmeerländern weniger Menschen an Herzinfarkten oder anderen Herzkrankheiten sterben. Vielmehr sei es das maximal halbstündige Absacken am Tag, bei dem der Körper spürbar entspannt. Dadurch erhöht der Mittagsschläfer nicht nur seine ProduktivitätVerhältnis zwischen dem, was produziert wird und den dafür beim Produktionsprozess eingesetzten Mitteln : Produktivität = Ausbringungsmenge / Einsatzmenge Es lässt sich beispielsweise die Arbeitsproduktivität unterschiedlicher Zimmermädchen miteinander vergleichen: Arbeitsproduktivität des Zimmermädchens = gereinigte Zimmer / Zeit
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, die nach einem Kurzschlaf messbar ansteigt. Er entlastet auch sein Herz, das durch die kurze Auszeit gekräftigt wird.

Doch wie funktioniert Power-Napping nun am besten? Schlafexperten empfehlen, sich nach dem Trinken eines Espressos hinzulegen, ein nach hinten kippbarer Sessel genügt. Nach etwa 20 Minuten geht der starke Kaffee ins Blut über, das weckt den Schläfer auf. Eine andere Methode, die bereits Preußens Alter Fritz anwendete: Der König, der viele Schlachten führte und ständig übermüdet war, setzte sich zur Mittagszeit in einen Stuhl. Dabei hielt er in beiden Händen einen Apfel. Glitten ihm diese aus den Fingern, wusste er, dass es mit dem Ausruhen genug war. Er befand sich kurz vor dem Eintritt in die Tiefschlafphase – ein Moment, in dem der Körper automatisch entspannt. Dadurch fällt der umklammerte Gegenstand zu Boden, der Schläfer schreckt auf – und fühlt sich erfrischt.

Ökonomischer Vorteil

Die Japaner bezeichnen diese kurze Ruhe als „inemuri“, was „schlafend präsent sein“ heißt. Beim Schlummer sackt man nicht unter die Tiefschlafgrenze, bei Bedarf ist man sofort wieder voll da. Deshalb ist es in Japan, aber auch in China ganz normal, sich das Schläfchen überall zu gönnen: Ob in Nahverkehrsmitteln, Restaurants, bei Meetings oder im Sessel am eigenen Schreibtisch.

In amerikanischen Unternehmen folgt man dem Beispiel bereits – so genannte „Metronap“-Räume, in die sich Arbeitnehmer zu einem Nickerchen zurückziehen, werden allmählich Standard. Früher oder später wird sich auch hierzulande der erquickende Kurzschlaf durchsetzen, obwohl es sich gegen die protestantische Leistungsethik richtet. Doch Gesundheit ist wichtiger als Ideologie. In diesem Sinne ist es für Arbeitgeber nicht zuletzt auch wirtschaftlich von großem Vorteil, ihren Angestellten während der Arbeitszeit das ein oder andere Schläfchen zuzugestehen.

Roland Mischke


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