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Das „Baur en Ville“ mit dem Zusatznamen Savoy ist das älteste Hotel Zürichs Foto: Berg

Gastgewerbe International

„Das Hotel braucht keine McKinseys“

Das Direktoren-Ehepaar Hörger pflegt im Züricher Savoy Baur en Ville einen eigenen Führungsstil: „Managing by wandering around“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/23 vom 10. Juni 2006
von Detlef Berg

ZÜRICH In der prächtigen Eingangshalle des Züricher Savoy Hotels hängt das Porträt des Hotelgründers Johannes Baur, auf das der heutige Hausherr Manfred Hörger gern hinweist. In der Tat hat das Hotel eine spannende Geschichte: Noch im Zeitalter der Postkutschen entstand beim Posthof am Paradeplatz, dort wo Kutschen aus allen Himmelsrichtungen eintrafen, Zürichs erstes Hotel.

Seit vielen Jahren leitet Manfred Hörger die 1976 abgetragene und sorgfältig wieder aufgebaute Nobelherberge zusammen mit seiner Frau Christina. „Wir versuchen das Haus als Familienhotel zu führen“, sagt Hörger. Zwar wisse er, dass man damit nicht im Trend der Zeit liege. Dennoch glaube er, dass gerade die individuelle Betreuung der Gäste und nicht Belegungszahlen im Vordergrund stehen müssen. „Das Hotel braucht auch keine McKinseys“, ist Hörger überzeugt. Für ihn sind Reklamationen der Gäste eine viel günstigere Variante für Verbesserungsvorschläge. Zum Stichwort ISO stellt der agile Hotelchef die Frage: „Was nützen die besten Normen, wenn die Mitarbeiter keinen Respekt vor Qualität haben?“

Seinen eigenen Führungsstil beschreibt er als „Managing by wandering around“. „Wir machen keine Personalversammlungen“, bekennt Hörger, „denn was interessiert den Oberkellner, wie die Kissen in den Zimmern zu drapieren sind?“ Die Hörgers sind stets und überall im Hotel anzutreffen. „Wir wohnen im Haus und haben die Zuständigkeiten zwischen mir und meiner Frau wie in einem guten Haushalt aufgeteilt.“ Nur selten nehmen die Hörgers ein paar Tage Urlaub und verreisen. Richtig lassen kann Manfred Hörger selbst dann nicht von „seinem“ Hotel. „Es herrscht totale Kommunikation“, sagt er. „Ich bekomme die Ankunftsliste und spreche alle Details mit dem Empfangschef durch. Natürlich telefoniere ich auch mit dem Oberkellner und gebe spezielle Hinweise zu unseren Gästen. „Es ist doch sehr schön, wenn der Gast einen Blumenstrauß in den Nationalfarben seines Landes vorfindet“, nennt der Perfektionist Hörger ein Beispiel. Viele Hoteliers hätten vergessen, dass sie mit Menschen arbeiten. Das gelte auch für Hotelschüler, die seiner Meinung nach zu technisch ausgebildet werden. Jeder Gast habe ein Anrecht auf eine erstklassige Dienstleistung.

Konsequent ist Manfred Hörger auch bei der Preispolitik: „Wir geben grundsätzlich keinen Rabatt und haben auch keine speziellen Wochenendtarife. Mit solchen Angeboten bekommt man nur die falschen Gäste.“ Hörger betont, dass jedes Jahr zehn Prozent des umbauten Raumes erneuert werden. Das ist in einem Beschluss des Verwaltungsrates ausdrücklich festgelegt. Im vergangenen Jahr wurden die meisten Suiten grundlegend modernisiert und mit stilvollen Möbeln und komfortablen Bädern ausgestattet. Auch in moderne Kommunikationstechnologie wurde investiert. In jedem Zimmer gibt es High-Speed-Internet-Anschlüsse für die Gäste, die Nutzung ist kostenlos.

„Stark sind wir auch in der Sicherheit“, unterstreicht Hörger. „Schließlich steigt bei uns viel Prominenz ab.“ Namen verrät er selbstverständlich nicht: „Wissen Sie, das sind Leute, die Sie auch alle kennen und die Diskretion zu schätzen wissen.“

Stolz können die Hörgers auch auf die Gastronomie des Hotels sein. „Die Qualität des Essens steht dem Interieur in nichts nach“, lobt der Gastrokritiker der Neuen Zürcher Zeitung das Restaurant Baur und betont, dass er selten so gepflegt gegessen habe. Man könne nur mutmaßen, weshalb dieses elegante Restaurant mit einer Spitzenküche von den Punkte- und Sterneverteilern nicht wahrgenommen wird. Zum einen ist es wohl die hausinterne Konkurrenz des ebenfalls hervorragenden „Orsini“, zum anderen legt Direktor Manfred Hörger dezidiert keinen Wert auf derartige Auszeichnungen: „Meine Köche sollen für die Gäste kochen, nicht für Punkte und Sterne.“ Verdienen würden sie Prädikate indessen allemal.

Bereits der Gründer des Hotels legte großen Wert auf Kundenorientierung. „Da ich den 24. Dezember 1838 mein neu errichtetes Hotel eröffne, so gebe ich mir die Ehre, unter dem Versprechen der besten und elegantesten Bedienung alle Reisenden des In- und Auslandes in dasselbe höflichst einzuladen; ich werde mich dann bestreben, alle Herrschaften jeden Ranges in meinem Gasthofe nach Wunsch zu befriedigen“, ließ der aus Vorarlberg stammende Hotelier Johannes Baur verkünden. Baur war als junger Bäckerknecht nach Zürich gekommen, betrieb zwei kleinere Speisewirtschaften und wagte dann den großen Wurf. Es war das erste Hotel der Stadt. Schon bald stiegen in der noblen Herberge Fürsten, Diplomaten und Künstler ab. Am Zürichsee ließ er später mit dem „Baur au Lac“ eine Dependance bauen, die sich zu einem eigenständigen 5-Sterne-Hotel entwickelt hat. Um Verwechslungen zu vermeiden, bekam das „Baur en Ville“ den Zusatz Savoy.

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