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„Minijobber sind unverzichtbar“
Gastgewerbe kritisiert steigende finanzielle Belastungen / Gastronomen und Hoteliers fürchten Zunahme der Schwarzarbeit
BERLIN Minijobber sind in der deutschen Gastronomie und Hotellerie derzeit äußerst gefragt. Denn zur WM tummeln sich nicht nur Fußballbegeisterte und Frischluftfanatiker in Biergärten und vor „Public-Viewing-Leinwänden“, auch in den Hotels ist einiges los.
Mit der Standardbesetzung sind solche Nachfragespitzen kaum zu bewältigen. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit rund 50.000 zusätzlichen kurzfristigen Jobs zur WM. Davon entfällt laut einer aktuellen Erhebung der Agentur rund ein Drittel auf das Gastgewerbe, so Sprecher Heinz Oberlach. Für viele Wirte ist klar: Minijobber müssen her. „Für solche Fälle Festangestellte als Reserve vorzuhalten, kann sich kein Gastronom leisten“, sagt Helmut Kampka, Personaldirektor der Steakhaus-Kette Maredo.
Doch ab 1. Januar 2007 werden sich Gastronomen und Hoteliers gut überlegen müssen, ob sie sich die schnelle Hilfe noch leisten können. Denn am 16. Juni hat, wie berichtet, der Bundesrat die Erhöhung der Abgaben auf Minijobs von 25 auf 30 Prozent gebilligt. Der Anteil der Rentenversicherung erhöht sich damit künftig von 12 auf 15 Prozent, der Anteil der Krankenversicherung von 11 auf 13 Prozent. Die einheitliche Pauschalsteuer bleibt unverändert bei 2 Prozent. Damit kostet ein 400-Euro-Jobber den Arbeitgeber künftig 520 statt 500 Euro im Monat. Als Minijobber gelten Arbeitnehmer, die maximal 400 Euro im Monat verdienen.
„Wer die 400-Euro-Jobs in dieser Weise verteuert, riskiert den massenhaften Wegfall der Minijobs und provoziert die Flucht in die Schwarzarbeit“, sagt DEHOGA-Präsident Ernst Fischer.
Bei der Neuregelung der geringfügig entlohnten Beschäftigung im Jahr 2003 seien zahlreiche Beschäftigungsverhältnisse aus der Illegalität geholt worden, berichtet DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.
So hat gerade das Gastgewerbe in den vergangenen drei Jahren für ein massives Wachstum im Bereich der geringfügig Beschäftigten gesorgt. 300.000 Minijobs seien in der Zeit dazugekommen, ergänzt Pressesprecherin Stefanie Heckel. Heute sind gut 650.000 Minijobber in der Branche angestellt.
Damit arbeiten zehn Prozent der bundesweit rund 6,5 Mio. Minijobber in Gastronomie und Hotellerie. Zum Vergleich: Im ebenfalls sehr personalintensiven Sozial- und Gesundheitsbereich sind knapp 630.000 der 400-Euro-Kräfte beschäftigt.
Mit der Abgabenerhöhung für Minijobs droht nun wieder eine Zunahme der Schwarzarbeit. „Die Politik hat nichts gelernt“, kommentiert Hartges die erneute Richtungsänderung.
„Irgendwann muss mit der finanziellen Belastung der Hotelbranche endlich Schluss sein“, fordert Marc Schnerr, Pressesprecher von Accor Hotels. Bei 12.000 Angestellten in Deutschland beschäftigt die Hotelgruppe insgesamt 500 Minijobber. Die dauernden Kostensteigerungen würden die Branche sehr belasten. Zudem seien die Minijobber gute, flexible, motivierte und dienstleistungsbereite Mitarbeiter. „Wir würden nicht gern auf sie verzichten“, so Schnerr. Schließlich schränke das die Servicefähigkeit der Hotelkette ein.
Wie Accor setzt auch die Steakhauskette Maredo Minijobber in Zeiten von Nachfragespitzen im kompletten gewerblichen Bereich ein. „Außerdem entlasten sie unsere Festangestellten“, sagt Personaldirektor Kampka. Diese könnten sich durch den Einsatz der geringfügig Beschäftigten auch mal ein ganzes Wochenende frei nehmen.
Bei einer Verteuerung der Minijobs rechnet Kampka mit einer neuerlichen Zunahme der Schwarzarbeit im Gastgewerbe. „Gerade kleine Betriebe können sich die steigenden Kosten und Auflagen nicht mehr leisten“, so der Personalchef.