Touristik
„Ruhrgebiet tritt für Deutschland an“
Trendkongress beleuchtet Tourismusperspektiven des Ruhrgebiets / Gemeinsame Vermarktung der Rhein- und Ruhrstädte
ESSEN. Die Zeche Zollverein ist ein Ort von symbolischer Bedeutung: Sie legt Zeugnis ab von einer blühenden industriellen Vergangenheit, spiegelt den nicht immer einfachen Strukturwandel des Ruhrgebiets und weist selbstbewusst in eine aufstrebende Zukunft. 500.000 Besucher pro Jahr lassen sich anziehen von dem aufregenden Mix aus Kunst, Kultur und Design. Zahlreiche Veranstaltungen holen Kreative und Meinungsmacher auf das historisch so reiche Gelände.
Vor Kurzem erst war das eigenwillige Industrie-Denkmal Tagungsort für den Trendkongress 2008. Er wurde ins Leben gerufen, um in Diskussionen und Experten-Vorträgen der Frage nachzuspüren: Wohin geht die Reise? Welche Chancen hat das Wechselspiel von Kultur, Tourismus und ökologischer Entwicklung in dieser Region?
Die Stadt Essen ist dabei ein Zugpferd, mit dem sich viele Hoffnungen verknüpfen. Die Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 werde einen gewaltigen Entwicklungs-Schub auslösen, glaubt etwa Fritz Pleitgen. Der ehemalige Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) hat als Geschäftsführer den Vorsitz in der Ruhr 2010 GmbH inne und gibt sich voller Optimismus: „Allein schon die Wahl war eine Sensation, die Essen kaum jemand zugetraut hätte. Es wurden bereits eine Menge Projekte auf den Weg gebracht. Dafür hat es sich eigentlich bereits gelohnt.“
Nachholbedarf beim Image
Die erwarteten Impulse für den Tourismus in der Region seien ein Anliegen von nationaler Bedeutung, bekräftigte Pleitgen. Denn: „In der Königsdisziplin Kultur tritt das Ruhrgebiet für ganz Deutschland an.“
Deshalb habe man auch nicht nur eine Person mit der künstlerischen Leitung des Projekts Kulturhauptstadt betraut. Stattdessen habe man vier Themenfelder geschaffen, um Essen optimal zu präsentieren – als Stadt der Künste, der Möglichkeiten, der kulturellen Vielfalt und nicht zuletzt der Kreativwirtschaft.
Noch gibt es viel nachzuholen, das ist Fritz Pleitgen und seinen Mitarbeitern sehr wohl bewusst: „Wir müssen das veraltete Image beseitigen, das noch immer existiert. Das Ruhrgebiet ist gerade nicht der Inbegriff einer niedergegangenen Montanindustrie und der abgewrackten Städte. Hier blüht das Leben, die Wirtschaft ist vital. Und wir haben eine der reichsten Burgen- und Schlösserlandschaften weit und breit. Auch das ist nicht überall im Land hinreichend bekannt.“
Auch die Touristiker der Region sind gefragt, wenn es darum geht, das Bild aufzupolieren, um Essen und seine Satelliten ins rechte Licht zu rücken, so Pleitgen. Dann kämen auch die Gäste und blieben endlich über Nacht – denn daran hapert es noch. Die Attraktionen der Gegend werden gern bereist, aber mehr als ein Tagesausflug ist für viele nicht drin. Diese leidige Erfahrung musste man sogar bei der ansonsten euphorisch umjubelten Fußball-WM 2006 machen. „Wir hatten uns damals vom Sport mehr erhofft“, gesteht Dieter Nellen ein, Geschäftsführer Ruhrgebiet Tourismus GmbH & Co. KG. „Aber dann sind die Fans mit ihren schnellen Autos angereist und nach den Spielen genauso schnell wieder abgefahren.“
Gäste sollen länger bleiben
Darum sollen künftig Pauschalen, etwa für Radler oder Kultur-Touristen, für eine längere Verweildauer sorgen – nirgendwo in Europa ist schließlich die Dichte der Museen und Theater größer als im Dunstkreis der Städte Düsseldorf, Köln, Essen, Oberhausen und Dortmund. Ihre berühmten Schwestern am Rhein wollen die Ruhrmetropolen zum Wohle aller in die Tourismus-Offensive einbinden. Ein Motto hat man schon gefunden: „Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel“. Regina Goldlücke
