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Seit 20 Jahren dabei: Karl Nüser zählt zum Gründungsteam der Selektion Deutscher Luxushotels. Die Leitung gibt er in Kürze an Ingo Peters ab (Seite 1) Foto: Harald Schröder

Interview Karl Nüser

„Wachstum nicht um jeden Preis“

Zur Selektion Deutscher Luxushotels gehören neun Mitglieder – darunter der Nassauer Hof in Wiesbaden mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Karl Nüser

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/48 vom 1. Dezember 2007

Die Reederei Deilmann gehört mit ihrer MS Deutschland als einziger Luxusliner auch zu Ihrer Selektion. Welchen Effekt hat dies?

Nüser: Wir haben die gleichen Synergien. Von der Kaufkraft her sind die Passagiere zum großen Teil auch unsere Gäste.

Werden Sie noch weitere Schiffe dieses Genres aufnehmen?

Nüser: Nein, eher nicht. Wir stehen loyal zu unseren Partnern, wurden zwar auch bereits von anderen Reedereien befragt. Aber es soll bei der MS Deutschland als einzigem Schiff bleiben.

Mit dem Luxusliner zählt die Selektion neun Mitglieder. Werden Sie diesen Kreis erweitern?

Nüser: Kein Wachstum um jeden Preis. Wenn wir die Möglichkeit haben, mit unseren Häusern die Deutschlandkarte abzudecken – es gibt noch etliche weiße Flecken im Lande – werden wir das tun. Im Visier sind die neuen Bundesländer. In den 20 Jahren unseres Bestehens hat es stets Variationen unserer Zusammenarbeit gegeben. Aber eines war immer Voraussetzung, dass nämlich Kollegen, die zu uns stoßen, und die bestehende „Mannschaft“ die Zusammenarbeit auch wollen.

Die Kollegialität ist Ihnen also mehr wert, als um jeden Preis neue Häuser dazu zu bekommen?

Nüser: Korrekt, die Zusammensetzung der Selektion muss in sich stimmig sein und bleiben. Die Zeiten haben sich auch geändert. Mittlerweile sind wir ja alle irgendwie gebunden. Früher gab es die Möglichkeit, Individualisten zusammenzuführen unter dem Schirm der Leading Hotels. Das ist alles anders geworden dadurch, dass ein Großteil der Kollegen internationalen Hotelketten angehört. Aber Sie sehen, dass unsere Zusammenarbeit weiterhin klappt. Wir geben einander immer wieder neue Impulse.

Könnten Sie das ein wenig präzisieren?

Nüser: Wir tun das im Marketing, im personellen Umfeld, im Austausch der Abteilungsleiter, auch im Front Office-Bereich. Es gibt eine Menge Synergien, die aufzuzählen wären, ohne dass wir dabei unsere eigene Identität verlieren. Jeder bleibt sich selbst am nächsten. Wir alle wollen Unverwechselbarkeit erreichen, jede Uniformität konsequent meiden. Wenn auch hier und da Anpassungen notwendig werden, denn: Nur wer sich ständig verändert, bleibt sich treu.

Hat die Selektion einen Vorsitzenden, einen Präsidenten?

Nüser: Nein, allerdings halte ich den Kreis zusammen, bin auch derjenige, der von Anfang an dabei ist. Künftig wird das ein Jüngerer, nämlich Ingo Peters vom Vier Jahreszeiten Hamburg, machen. Begonnen hatte es ja seinerzeit mit den Partnern Gert Prantner im Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg und Marco Torriani im Breidenbacher Hof in Düsseldorf und mir als geschäftsführendem Gesellschafter in Wiesbadens Nassauer Hof.

Da muss es aber doch einen Ansatz gegeben haben?

Nüser: Ja, ich wollte damals ein wenig Image vom Kollegen Prantner haben und versprach ihm, dass er dafür einen Teil meiner jungen Gäste bekommt. Das war 1987. Wir haben aber keinen Präsidenten, jeder hat auch nur eine Stimme, und die Zusammenarbeit ist nicht nur kollegial, sondern auch professionell.

Was ist für die Zugehörigkeit zur Selektion entscheidend, die Hotels oder deren Direktoren?

Nüser: Ganz allein die Personen sind entscheidend. Es hat aber auch schon Fälle gegeben, in denen Kollegen nicht mit uns kooperieren wollten. Das ist auch deren gutes Recht. Da verzichten wir auf den Standort und lassen die Zeit entscheiden.

Wie oft treffen Sie sich?

Nüser: Sechs bis acht Mal im Jahr. Wir versuchen, je ein Mal im Jahr in einem unserer Häuser zu sein und einen Empfang zu geben für Stammgäste und Presse und auf diese Weise natürlich ein bisschen Werbung zu machen. Auch unsere Verkäufer treffen sich vier oder sechs Mal jährlich.

Ein paar Worte bitte zur Philosophie der Selektion Deutscher Luxushotels.

Nüser: Die lässt sich mit einem Satz umschreiben. Wir verstehen uns als klassisch elegant. Das drückt auch unser Ambiente aus. Und wir praktizieren jeder für sich die Kultur der Gastlichkeit auf hohem Niveau.

Deutsche Hotelraten sind die niedrigsten europaweit. Wie wollen Sie neue Maßstäbe setzen?

Nüser: Da kann ich nur sagen, dass alle Kollegen der Selektion nicht unter Preis verkaufen. Jeder unserer Gäste versteht, dass ein Mercedes nicht zum Preis von einem VW zu haben ist. Wir wissen aber andererseits, dass Preise auch eine Frage des Standorts sind. Da muss jeder aufpassen, dass er nicht in Schönheit stirbt.

Aber der Name Ihrer kleinen Vereinigung signalisiert ja schon ...

Nüser: ... Luxus, richtig! Denn Luxus ist das nicht Alltägliche. Luxus bedeutet Zeit, die wir unseren Gästen durch unsere Dienstleistung verschönern – und Luxus ist auch Diskretion.

Die Fragen stellte Wolfgang Schmerfeld

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