Hotellerie

Hotelkategorien lösen sich auf

25hours in Hamburg: Das Hotel verkörpert Individualität und modernen Chic (Foto: Hotel)

Bonn. Ob CitizenM, 25hours oder Hamburger Superbude – eine eigene Handschrift beim Bau oder bei der Gestaltung des Interieurs ist für Hotelbetreiber und Hoteliers entscheidend. „Wer bei der Konzeption eines Hotels zu den Trendsettern gehören will, wird sein Augenmerk auf größtmögliche Individualität richten“, so die Einschätzung von Corinna Kretschmar-Joehnk.

Beim ersten International Concept & Design Forum im Kameha Grand Bonn nahm die Innenarchitektin und Chefin der Ausstattungsfirma Joi-Design aktuelles und künftiges Hoteldesign unter die Lupe. Zudem zeigte sie, wie sich mit geschicktem Facelifting eine erstaunliche Wirkung erzielen lässt.

Intim statt steril

„Hotelräume brauchen Charakter, sie verwandeln sich immer mehr zum Pendant der Privatwohnung“, sagte Kretschmar-Joehnk auf dem Kongress, der von der Conference Group des Deutschen Fachverlags veranstaltet und von der AHGZ als Medienpartner unterstützt wurde.

Ohne ausgefeilte Optik haben es zumindest die Hotel-Newcomer schwer. „Ganz klar ist das Design auf dem Vormarsch“, weiß Kretschmar-Joehnk. Was junge Hotelkonzepte wie Motel One, CitizenM oder Meininger Hostel als Vorreiter angestoßen hätten, werde nun von den Design-Ablegern großer Ketten wie Indigo (InterContinental), Missoni (Rezidor) und Denizen (Hilton) aufgegriffen. Der neu geformte Begriff „Bleisure“, eine trendige Mixtur aus Business und Leisure, nehme gleichfalls eine Strömung auf. „Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind fließend, man telefoniert am Pool oder sitzt auf der grünen Wiese am Computer. Das wird die sterilen Business-Center in Hotels mehr und mehr verschwinden lassen.“

Immer schwieriger werde es zudem, so Kretschmar-Joehnk, den Gast der Zukunft klar zu definieren und in vermarktungstaugliche Schubladen zu stecken: „Man kann ihn nicht mehr greifen, er macht, was er will. Trägt Gucci und kauft bei Aldi, nimmt den Billigflug nach London und shoppt dann bei Harrods.“

Diese Durchmischung der Zielgruppen und Milieus bestätigt Vanessa Borkmann vom Fraunhofer Institut. In ihrem Referat „Hotel of the Future – wie sehen Hotels von morgen aus“ berichtete die Forscherin über das Projekt FutureHotel in Duisburg. Dort werden auf einer eigens eingerichteten Laborplattform Ideen für den Gast der Zukunft getestet.

Die Sinne ansprechen

Basierend auf einer Studie mit 3000 Teilnehmern wurden am Institut 15 Gästetypen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen und Wünschen charakterisiert. Eine anspruchsvolle Aufgabe für Hoteliers, zumal der demografische Wandel eine ungeahnte Herausforderung bedeute. Andere Aspekte kommen dazu: Wie lässt sich angesichts knapper Ressourcen und hoher Energiekosten vernünftig wirtschaften? Wie lockt man ökobewusste Gäste ins Haus? Welche Ansprüche haben Reisende an Sinnlichkeit, verkörpert etwa durch Licht, Raumgestaltung, Akustik, Material oder gar Aromen?

Manche Möglichkeiten, so Vanessa Borkmann, sind im Duisburger FutureHotel bereits umgesetzt, etwa die vollautomatische Steuerung sämtlicher Funktionen im Zimmer. Andere Ideen sind noch nicht bezahlbar oder allzu kühn – wie die transparente Hotelfassade, die sich blitzschnell mit Motiven aller Art neu gestalten lässt. Für eine technik-affine Zielgruppe stellte Vanessa Borkmann schließlich eine clevere Produktlösung vor: Die virtuelle Minibar. Geordert wird per Display, ein Roboter bringt Speisen und Getränke. Vorteil: Die klassische Minibar und deren Befüllung fallen zugunsten eines zentralen Lagers mit genauer Bestandskontrolle weg. Die Zukunft, so das Fazit, kann also auch ganz praktisch sein.

Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2009/49, Seite 7
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