Konjunktur-Optimismus nimmt zu
STUTTGART. Die Stimmungsaufhellung, die bereits im Juni zu spüren war, setzt sich im deutschen Gastgewerbe trotz verheerender Zahlen des Statistischen Bundesamtes weiter fort. Immer mehr Hoteliers und Gastronomen erwarten im Juli, dass ihre Umsätze steigen, während gleichzeitig die Gruppe der Pessimisten schrumpft. Damit setzen sich die Konjunktur-Optimisten in der Branche durch, die offenbar den Voraussagen führender Volkswirte Glauben schenken.
Das geht aus dem jüngsten AHGZ-Monitor hervor, den das internationale Marktforschungsinstitut CHD Expert aus Scheeßel bei Hamburg im Auftrag der AHGZ erstellt hat.
Nach dieser Befragung erwarten im Juli inzwischen 28 Prozent der Hoteliers und Gastronomen höhere Umsätze. Im Vormonat waren dies lediglich 23,5 Prozent. Und immerhin 45,9 Prozent gehen von gleichbleibenden Geschäften aus. Das sind deutlich mehr als im Juni, als nur 40,5 Prozent der Unternehmen mit einer Stagnation rechneten. Entsprechend ging die Zahl der Betriebe mit negativer Einschätzung deutlich zurück. Während im Juni noch 36 Prozent mit sinkenden Umsätzen rechneten, sind es im Juli nur noch 26,2 Prozent.
Dabei sehen Restaurants, Kneipen und Cafés deutlich zuversichtlicher in die Zukunft als die Hotellerie. So rechnen 37,5 Prozent der Gastronomen mit einem Umsatzplus, bei den Hotels mit Restaurant sind es nur 26,2 Prozent. Umgekehrt erwarten lediglich 20,8 Prozent der befragten Gastronomen Einbußen, während es bei den Hoteliers 27,2 Prozent sind.
Auch beim Blick auf die Istzahlen fällt auf, dass zumindest der Trend zu weiteren Verschlechterungen gestoppt ist. Denn klagten im Juni noch ganze 53,8 Prozent aller befragten Betriebe über Umsatzeinbußen, sinkt ihr Anteil im Juli deutlich auf 26,2 Prozent. Hier muss allerdings berücksichtigt werden, dass sich die Segmente unterschiedlich entwickeln. Während die Geschäftskunden zunehmend ausbleiben, freuen sich die Ferienhotels in der Sommersaison über volle Häuser. (AHGZ vom 8. August)
Insgesamt verbuchen 18,5 Prozent der Hoteliers und Gastronomen bei der Juli-Befragung gleichbleibende Umsätze, im Juni waren es nur 13,5 Prozent. Gesunken ist dagegen der Anteil der Betriebe mit höheren Umsätzen: von 32,7 Prozent im Juni auf 28 Prozent im Juli. Hier zeigt sich die gleiche Entwicklung wie bei den Erwartungen. Auch bei den tatsächlichen Zahlen stehen die Gastronomiebetriebe besser da als die Hotellerie.
Umsatz mit Alkoholfreiem
Parallel zu den insgesamt verbesserten Erwartungen rechnen auch wieder mehr Hoteliers mit positiveren Kennziffern. So gehen 27 Prozent der Hotelchefs mit Restaurant von steigenden Zimmerpreisen aus und 24,3 Prozent von einer höheren Belegung. Im Juni waren dies lediglich 15,4 Prozent und 20,3 Prozent. Dagegen befürchten aktuell 25,2 Prozent der befragten Hoteliers sinkende Zimmerpreise (Juni: 30,1 %) und 35,7 Prozent zurückgehende Belegung (Juni: 46,2 %). Unter den Angeboten in Restaurants und Kneipen sind nach wie vor alkoholfreie Getränke bei den Gästen beliebt. Ihnen schreiben 60,7 Prozent der Gastronomen einen wachsenden Umsatzanteil zu. Beim Partyservice sind es noch 38,5 Prozent. Verlierer sind alkoholische Getränke und das Frühstück.
Nun hat das Gastgewerbe aber nicht nur Einnahmen zu verzeichnen, sondern muss auch Ausgaben tätigen. Hier schlagen sowohl bei den Hotels als auch den Restaurants die Personalkosten besonders stark zu Buche. An zweiter Stelle steht der Wareneinsatz, an dritter Stelle die Energie.
Hotels ausgabefreudiger
Obwohl sich die Stimmung im Gastgewerbe weiter aufgehellt hat, bleibt die Investitionsbereitschaft im Juli auf Vormonatsniveau. Geld für die Renovierung, Erweiterung oder Modernisierung wollen 67,5 Prozent der Betriebe in den nächsten Monaten ausgeben. Obwohl die Hotels pessimistischer sind, ist ihr Anteil an den investitionsbereiten Unternehmen deutlich größer als in der Gastronomie.
Von denen, die Geld in die Hand nehmen wollen, haben die meisten vor, in ihre Gästezimmer zu investieren. In der Rangliste folgen die Einrichtung des Gastraums und die technische Ausrüstung. An letzter Stelle stehen der Wellness- und Fitnessbereich.
Zusammenfassend zeigt die Umfrage, dass die Zuversicht im Gastgewerbe langsam wächst. Hoteliers und Gastronomen scheinen davon auszugehen, dass die wirtschaftliche Talsohle erreicht ist. Gestützt wird ihre Auffassung von Finanzanalysten und institutionellen Investoren. Ihre Konjunkturerwartungen haben sich im August stark verbessert, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit. Die Börsenexperten seien so zuversichtlich wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.
Für den AHGZ-Monitor befragt CHDExpert monatlich online 5000 Betriebe des Gastgewerbes. Die Adressaten der repräsentativen Umfrage stellen den Querschnitt der Branche dar.
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