Vorhang auf für das Waldhaus
Luxus wird im Waldhaus Sils schon immer ein bisschen anders definiert als heute in der Spitzenhotellerie üblich. Deshalb haben Sie sich zum Hotel-Geburtstag statt eines Promi-Events oder Feuerwerks eine eigene Theater-Inszenierung durch den Starregisseur Christoph Marthaler gegönnt. Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen?
Dietrich: Auf den ersten Blick könnte man das vielleicht so sehen, aber wir wollten auf eine wirksame und gleichzeitig niveauvolle Weise Aufmerksamkeit erregen. Uns war es nämlich nicht minder wichtig, dass wir uns mit dem Theaterprojekt finanziell nicht übernehmen. Wir waren ja immer bescheiden und haben innerhalb unserer Familie nie sinnlos Geld für irgendwelche verrückten Dinge ausgegeben. Alles, was wir mit unserem Hotel verdienen, wird immer ins Hotel reinvestiert.
Das Stück „Das Theater mit dem Waldhaus" wurde zwölf Mal in Ihrem Hotel aufgeführt. Worum geht es in dem Stück?
Dietrich: Es gibt eine Collage verschiedener Szenen, die so im Waldhaus auch vorkommen könnten. Es geht um Menschen im Hotel, um das Leben und um Komik und Tragik. Das Ganze ist gespickt mit den Texten berühmter Autoren wie Nietzsche, Walser oder Kafka und mit Musik von Bach, Mozart, Wagner sowie vielen anderen.
Durften Sie, was den Inhalt angeht, auch ein Wort mitreden?
Dietrich: Inhaltlich haben wir überhaupt keinen Einfluss genommen. Wir standen jedoch die ganze Zeit für Rückfragen zur Verfügung. Natürlich haben wir bei der Planung des Ablaufs mitgewirkt. Wichtig war mir, dass die benötigten Requisiten für das Stück aus unserem Hause kommen und diese nicht erst eingekauft werden mussten. Das Ganze sollte ja auch nach Waldhaus aussehen.
Während der Vorbereitungen und der Inszenierung war Christoph Marthaler mit seiner Truppe über Tage in Ihrem Haus unterwegs. Hat Ihnen das nicht auch ein bisschen Angst gemacht?
Dietrich: Natürlich ist es immer mit einem gewissen Risiko verbunden, eine Theatertruppe und dann auch noch so einen außergewöhnlichen Regisseur wie Marthaler einzuladen. Angst hat es mir nicht gemacht, aber Respekt hatte ich schon davor. Wir waren ja mitten im Umbau der Küche und der Ökonomie-Räume: Beides nebeneinander geschehen zu lassen, das war schon ein wenig verrückt. Die Truppe und Marthaler waren insgesamt sechs Wochen im Waldhaus und haben hier geprobt. Der eine oder andere hatte sicher auch einen Koller, weil er es nicht gewohnt war, so lange mit seinem Theater-Kollegen an einem Ort zu sein. Es war für alle Beteiligten eine spannende Erfahrung, denke ich.
Waren Sie überrascht von dem Ergebnis?
Dietrich: Ich war lange Zeit sehr gespannt, wusste aber bereits aus den Proben, die ich beobachtet hatte, dass etwas sehr Schönes dabei herauskommen würde. Das Stück wurde ja durchweg improvisiert, denn Marthaler hat die besondere Gabe, mit seinen Schauspielern zusammen etwas frei zu entwickeln. Als ich das erste Mal bei der Hauptprobe dabei war, lief es mir kalt den Rücken herunter. Mittlerweile habe ich das Stück zwölf Mal gesehen – und ich würde es immer wieder tun.
Die Inszenierung und die anderen Projekte zu Ihrem Hotel-Jubiläum haben Sie rund 600.000 Schweizer Franken gekostet. Konnten Sie einen Teil mit Eintrittsgeldern und den Jubiläumsarrangements refinanzieren?
Dietrich: Nun, die Kosten wären sicher viel höher gewesen, wenn die Inszenierung nicht ein Geschenk von Christoph Marthaler an uns gewesen wäre. Mit seiner 14-köpfigen Truppe haben wir Gagen ausgehandelt, die alle unter dem marktüblichen Tarif lagen. Einen Teil der Gagen haben wir zudem als Hotel-Gutscheine ausgezahlt. Von einer Refinanzierung kann keine Rede sein, aber ich bin mir sicher, dass sich die Freude, die wir unseren alten und neuen Gästen mit dem Stück bereiten konnten, langfristig auch finanziell auszahlen wird. Wir hatten sehr positive Medienreaktionen.
Das Stück, das nur in Ihrem Hotel aufgeführt werden darf, wurde kürzlich für das Berliner Theatertreffen nominiert. Einige halten diese Entscheidung für einen Skandal, weil es in Berlin nur als Film gezeigt werden durfte. Wie stehen Sie dazu?
Dietrich: Ich hätte sicher nichts dagegen gehabt, wenn das Stück nicht ausdrücklich für das Waldhaus geschrieben worden wäre. Es war aber von Anfang an klar, dass wir mit der Aufführung nicht auf Tournee gehen würden. Das Waldhaus allein sollte die Bühne sein.
Sie haben das Stück zwölf Mal und zuletzt im März 2009 aufführen lassen. Sind weitere Termine geplant?
Dietrich: Nein, es wird keine weiteren Aufführungen geben. Das Jubiläum ist ja nun auch vorbei und das normale Leben im Waldhaus geht weiter.
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