Verbände
AG Mittelstand: "250.000 Jobs in Gefahr"
von Bernhard Brügger
BERLIN. Der deutsche Mittelstand ist besorgt: Mit zwei Prozent Umsatzrückgang im laufenden Jahr sehen die Prognosen der mittelständischen Unternehmen zwar günstiger aus als die Vorhersagen für die deutsche Gesamtwirtschaft, doch die fortdauernde Krise gefährde hierzulande 250.000 Arbeitsplätze. Darunter seien auch 70.000 Jobs in Gastronomie und Hotellerie betroffen, ist sich DEHOGA-Präsident Ernst Fischer sicher.
Die Beschäftigungszahlen im Mittelstand bleiben zwar deutlich über den Zahlen der Rezessionsjahre bis 2005, doch Entlastungen sind wichtiger denn je: „Wachstumskräfte stärken, Rezession überwinden“ heißt passenderweise der Titel des Jahresmittelstandsberichts 2009, den Ernst Fischer und Manfred Nüssel, Präsident des Raiffeisenverbandes, jetzt in Berlin der Öffentlichkeit vorstellten. Das 60-Seiten-Werk basiert auf aktuellen Umfragen unter den Mitgliedsbetrieben der neun Verbände, die sich in der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand engagieren.
„Eine wirtschaftliche Erholung kann es nur mit einem starken Mittelstand geben“, unterstreicht Ernst Fischer. Dieser sei das Fundament der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit Deutschlands. Die 4,5 Mio. Mittelständler repräsentierten fast die Hälfte aller Bruttoinvestitionen und der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Mehr als 70 Prozent aller Arbeitnehmer seien in mittelständischen Unternehmen beschäftigt und acht von zehn Auszubildenden erlernten hier ihren einen Beruf.
Konsequente Reformen fordert der DEHOGA-Chef für den Arbeitsmarkt, der mehr Flexibilität erhalten müsse. Weniger bürokratische Hemmnisse und Reglementierungen seien ebenso gefordert wie ein international wettbewerbsfähiges Steuersystem. So wirke zum Beispiel die Substanzbesteuerung in der Rezession krisenverschärfend, da ein Unternehmen selbst in einer Verlustsituation Ertragssteuern zahlen müsse.
Vor allem die Reduzierung der Mehrwertsteuer sei für das Gastgewerbe dringend notwendig. Frankreich habe dies bereits blitzschnell umgesetzt. Restaurantgäste würden diese Chance zum Sparen in grenznahen Feriengebieten nutzen. Denn während der Gastwirt im Elsass nur noch 5,5 Prozent Mehrwertsteuer für seine servierten Speisen abführen muss, sind es im benachbarten Baden weiterhin 19 Prozent.
Seit dem Jahr 2000 – mit Ausnahme des WM-Jahrs 2006 – leide die Branche unter einem kontinuierlichen Umsatzrückgang. Auch in den ersten vier Monaten diesen Jahres hätten die Gastwirte bis zu fünf Prozent weniger in den Kassen registriert. Fischer rechnet mit einer Besserung im Sommergeschäft – vorausgesetzt das Wetter spielt mit.

