Erfolgreiche Hotellerie
Alltagsstress bleibt vor der Tür
Hagnau. Christine und Holger Erbguth definieren Gastfreundschaft auf ganz eigene Weise. Ihre Villa an der Hagnauer Uferpromenade führen die beiden als offenes Haus, Privat- und Gästebereich gehen fließend ineinander über. Früher war der Frühstücksraum sogar ins private Wohnzimmer integriert, bevor das Ehepaar vor rund zwei Jahren einen Frühstückspavillon baute. „Wir brauchen den direkten Kontakt zu unseren Gästen. Wir wollen eben nicht nur Unterkunft bieten, sondern ganz persönliche Gastfreundschaft“, so das Credo der beiden. Dazu gehören ein ausgesprochen herzlicher Service, ein ausgesuchtes Ambiente und – nicht zuletzt – ein exquisites Frühstücksangebot mit einer Vielzahl an frischen Produkten.
Rendezvous am Obststand
„Wir sind beide Seiteneinsteiger, und genau das ist vielleicht unser Vorteil“, sagt Holger Erbguth, der von Beruf Tanzlehrer ist. Seine Ehefrau Christine hat eine Ausbildung als Kauffrau für Groß- und Einzelhandel sowie als Dekorateurin absolviert. „Meinen Mann habe ich am Obststand kennengelernt, als ich in einem Feinkostladen in Meersburg gearbeitet habe. Er hat mich gleich zum Essen eingeladen – der Rest ist Geschichte“, berichtet Christine Erbguth, die kurz darauf noch eine Ausbildung zur Tanzlehrer-assistentin machte.
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„Zur Gastronomie kamen wir wie die Jungfrau zum Kind“, erinnert sich Holger Erbguth an den Beginn der ungewöhnlichen Laufbahn. Da es in der beschaulichen Ufergemeinde Hagnau zu jener Zeit keine Eisdiele gab, beschloss er, dies zu ändern. „Mit quasi null Geld“ sei es allerdings ein herber Anfang gewesen. Als man „mit Schnitzel und Bier expandiert“ habe, flatterte prompt eine Anzeige ins Haus. „Weil wir keine entsprechende Konzession hatten“, sagt der Mann mit dem Zopf.
Dass sie mehr wollten, als schnelle, simple Küche, war damals schon klar. Erbguth belegte also Kochkurse bei renommierten Köchen. Seine Frau drückte die Schulbank in der Hotelfachschule, legte die Ausbilderprüfung ab und saß im Prüfungsausschuss der Berufsschule. Der Grundstein für den eigenen Betrieb war gelegt. „Meine Frau musste das Haus mit zwölf Mitarbeitern meist alleine führen, da ich damals als Berater weltweit unterwegs war“, schildert Holger Erbguth die nicht ganz einfachen Anfangsjahre. Dennoch schaffte es Christine Erbguth, in dieser Zeit 20 Fachkräfte auszubilden, darunter eine der beiden Töchter. Die wollte den Betrieb aber nicht übernehmen, und so entschlossen sich die Erbguths zum Verkauf und zum Erwerb eines schönen, alten Hauses an der Hagnauer Uferpromenade. Zunächst waren nur Umbau und Renovierung geplant. Bei näherem Hinsehen stellte sich das Gebäude aber als ziemlich altersschwach dar. „Als die Abrissbirne das Haus einmal sanft angetippt hat, ist es zusammengefallen wie ein Kartenhaus“, erinnert sich Erbguth. Es blieb also nichts anderes übrig, als neu zu bauen. Das neue Haus sollte ursprünglich nur eigenen Wohnzwecken dienen. Doch es kam anders, das Gastgeber-Gen erwies sich als ausgesprochen standhaft. Außer dem privaten Bereich entstanden sechs Suiten. Hochwertig und stilsicher eingerichtet, könnten sie sich auch in einem mediterranen Landhaus der gehobenen Kategorie befinden.
Wellness und Ayurveda
„Für uns ist es ganz wichtig, dass die Gäste sich heimisch und geborgen fühlen, sich aus der Stressspirale fallen lassen können und hier im Haus aufgefangen werden“, fasst Christine Erbguth die Philosophie zusammen. Ein Anspruch, dem man nur in einem kleinen Haus mit privatem Charakter genügen könne. Den spüren Gäste schon beim Betreten der Villa am See. Statt eines wuchtigen Empfangsbereichs steht hier das Rezeptionsschild mit kleinen goldenen Lettern auf einem zierlichen Stehpult. Das Motto „klein, dafür aber umso feiner“ zieht sich konsequent durchs ganze Haus, einschließlich Wellnessbereich. Seit 2005 gibt es hier Ayurveda-Anwendungen unter Leitung eines indischen Ayurveda-Arztes.
„Heutzutage ist es ein Geschenk, sich Zeit für sich selbst nehmen zu können und diese auch auch in vollen Zügen zu genießen. Dieses Geschenk möchten wir unseren Gästen machen“, sagt Christine Erbguth und blickt auf den Bodensee, der vor der Villa in der Abendsonne glitzert.



