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Touristik

Aufbruch zu neuen Herausforderungen

Online-Plattformen wichtigste Informationsquellen der Urlauber von morgen / Internet als Vertriebsweg überschätzt / Studie Tourismus 2020: Teil vier der Serie

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/37 vom 16. September 2006

Internetbuchungen sind auf dem Vormarsch: Jeder sechste Urlauber buchte via Internet, so das Ergebnis der „Reiseanalyse“ der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) in Kiel. Somit bestellten im vergangenen Jahr 17 Prozent der Deutschen Flugticket, Hotelzimmer oder Eintrittskarte online. „Wir glauben weiterhin an eine stark steigende Tendenz im Online-Reiseverkehr“, kommentiert Claudia Brözel vom Verband Internet Reisevertrieb (VIR) das Ergebnis. Die Berliner Medienberatung Goldmedia geht sogar noch einen Schritt weiter und beziffert in der Studie „T-Commerce 2009“ Reiseshopping als wachstumsstärkstes Feld. Bis 2009 soll es jährlich um 20 Prozent zulegen. Im Jahr 2003 wurden Reisen im Wert von 300 Mio. Euro via TV verkauft, bis 2009 soll so fast 1 Mrd. Euro erwirtschaftet werden.

Reisefernsehen weckt Urlaubslust,

bringt aber kaum Buchungen

Die Experten gehen davon aus, dass der deutsche Markt Platz für drei bis fünf eigenständige Sender bieten wird, die auch zusätzlich noch weitere Nischensender betreiben könnten, beispielsweise mit Themen wie Wellness- oder Inlandsreisen. Trotz all dieser positiven Tendenzen scheint das Reise-TV mit dem Verkauf per Telefon dennoch ein schwieriges Geschäft mit fragwürdigen Zukunftschancen zu sein. Branchenexperten wie Karl Born, Professor an der Hochschule in Wernigerode und Ex-Tui-Vorstand, nennen die Entwicklung des Reiseshoppings im Fernsehen gar „eine Enttäuschung“. Born bringt es auf den Punkt: „Das Programm regt zwar ,irgendwie’ zum Reisen an, nicht aber zur Buchung direkt von der Couch.“ Reisen seien nun einmal beratungsintensive Produkte und erforderten individuelle Betreuung. Und genau das sei ein wichtiges Bedürfnis der Konsumenten von morgen.

Die Forscher des Zukunftsinstituts in Kelkheim stellten mit Blick auf den Tourismus bis 2020 fest: Der Hype um den Reisevertrieb im Internet und im TV muss relativiert werden. „Unsere Recherchen lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Reiseinteressierte nach wie vor nach seriöser Information suchen und deshalb immer wieder bei den guten alten Print-Produkten wie Magazinen und Tageszeitungen landen“, erläutert Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut die neue Bedeutung der klassischen Medien.

Internet dient mehr der Information als dem Verkauf

Die Experten des Kelkheimer Zukunftsinstituts sind sich sicher: Das Internet ist als Informationsmedium unverzichtbar, nicht aber als Vertriebs-Tool. Denn wenn einer eine Reise tut, dann ist er vorher mit großer Wahrscheinlichkeit durchs World Wide Web gesurft. Die repräsentative Onlinestudie „Das Internet als wichtige Komponente im Entscheidungsprozess bei der Buchung von Reisen“ von Overture Services Deutschland (heute Yahoo Seach Marketing) und comScore Networks zeigt, dass das Netz mittlerweile bei nahezu jeder Urlaubsplanung und -buchung im Spiel ist.

Die Yahoo-Tochter Seach Marketing und das Marktforschungsinstitut befragten 204 Deutsche, die ihre Reise online oder klassisch vorbereitet hatten. 94 Prozent von ihnen hatten das Netz für ihre Urlaubsplanung genutzt, 65 Prozent sogar ausschließlich. Vor allem Internet-Suchmaschinen wurden von 62 Prozent befragt. Gut die Hälfte, rund 51 Prozent, ging über Online-Reisebüros, 48 Prozent informierten sich auf Reise-Websites.

Bei der medialen Aufbereitung des Themas Reisen wird das Fernsehen in den kommenden Jahren kaum Impulse setzen. Eine vielschichtigere Rolle kommt im Vergleich dem Internet zu. Bei Reiseinformationen hat das weltweite Datennetz inzwischen die Zeitschriften abgehängt. Mittlerweile gehen 43 Prozent der Deutschen bei der Recherche zuerst online, um sich zu informieren. Doch neben seiner Hauptrolle als Vertriebskanal für Reise und Hotelbuchungen entwickelt das Web ein redaktionelles Eigenleben, das Printprodukte sinnvoll ergänzt: Nahezu alle Reisemagazine bieten mittlerweile eine Internetseite an, die Abonnenten und potenziellem Leserkreis gleichermaßen dient. Die Leser finden dabei aufwändig gestaltete Plattformen mit nutzwertigem Inhalt wie Hotel- oder Last-Minute-Guides, Reportagen aus dem gedruckten Heft oder gar Premium-Inhalte für Abonnenten. Gewinnspiele oder Newsletter sollen die Reiselustigen in der Markenwelt halten.

Print- und Onlineauftritt

ergänzen einander

Die Berliner Morgenpost folgt einem bereits erfolgreichen schwedischen Modell: Unter „berlin-bietet.de“ können die Leser in einer 14-tägigen Online-Auktion Traumreisen ersteigern. Vorteil für das Hotel: Die Bieter können erst ab 50 Prozent des Reisewertes einsteigen. Gleichzeitig präsentiert die Zeitung die Angebote in einer Printbeilage. Kurz: Die Verlage setzen mit ihren Angeboten auf die bewährte Crossmedia-Strategie. Auch die Buchverlage erschließen neue Erlösquellen. Mit Reiseführern als Hörbücher zum Herunterladen, wie „audible.de“ kommen sie der gewachsenen Mobilität und den verplanten Zeitbudgets der Konsumenten entgegen.Elke Birke

Im nächsten Teil der Serie geht es um das Thema Empfehlungsmarketing.

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