Märkte & Unternehmen
Banken noch vorsichtig
STUTTGART. Hotelketten suchen nach Standorten, Projektentwickler haben Ideen, doch die Umsetzung scheitert derzeit häufig an der mangelnden Investitionsbereitschaft der Finanzinstitute. Dieses Problem konnte auch die Talkrunde „Ja, nein, vielleicht – Projektentwicklung in der Gunst der Banken“ auf der Expo Real nicht lösen.
„Es gibt in Deutschland drei bis fünf Finanzinstitute, die Ahnung von Hotels haben“, sagte Olaf Steinhage, Managing Director von HCB Hospitality Concepts in Berlin. Die Mitarbeiter dieser Institute hätten ein starkes Hotel-Know-how entwickelt, stimmte Rolf Seelige-Steinhoff von der Seetel-Gruppe auf Usedom zu. Sie stellten aber immer höhere Anforderungen an die Kreditvergabe. Dies betreffe insbesondere exaktes Zahlenmaterial über den zu erwartenden Geschäftsverlauf. „Zahlen sind maßgeblich entscheidend, ob Sie Geld bekommen“, so der Hotelier. „Heute zählen Lage, Konzept und Orientierung.“
Nachhaltige Rendite zählt
Da Finanzinstitute Projekte nur dann unterstützten, wenn ein nachhaltiger Return on Investment zu erwarten sei, setzten sie vor allem auf Budget- oder Lifestyle-Hotels, so Steinhage.
Entwicklerin Wilma Kellermann-Baans ist auf der Suche nach Standorten für ihre Kunden Steigenberger und Scandic. Für Steigenberger hält sie Ausschau nach A-Standorten im europäischen Ausland. Scandic sei an den deutschen Wirtschaftszentren wie Frankfurt, Köln, München und Düsseldorf, aber auch an B-Standorten interessiert. „Mein Schreibtisch ist voll, es gibt sehr viele Projekte“, erklärte sie in München. „Die Anforderungen an den Betreiber haben sich aber wieder verändert.“ Investoren versuchten Betreiber zunehmend in die Verantwortung zu nehmen, das Durchsetzen reiner Managementverträge sei durch die Krise erschwert worden.
Da Wirtschaftskrisen in immer kürzeren Abständen eintreten, sollte man über Risikoverteilung und Ausstiegsklauseln nachdenken, riet Kellermann-Baans. Zwischen dieser Forderung und der Realität liegen allerdings Welten. Laut Steinhage forderten Investoren in der Stadthotellerie verstärkt Pachten. Außerdem verlangten sie vom Betreiber mehr Sicherheiten.
Einen Vorschlag zu Vertragsgestaltungen der Zukunft machte Rolf Seelige-Steinhoff: Zwischen Investor und Betreiber sollten Mietverträge abgeschlossen werden, die dem Betreiber eine schnellere Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen im Gästeverhalten ermöglichten. stau
