Industrie
Billig kann ganz schön teuer werden
Schummeleien beim Fassbier sind für Brauereien mehr als ärgerlich / Bitburger will Ehrlichkeit der Wirte überprüfen / Markenanbieter unter Preisdruck
DÜSSELDORF „Die Dunkelziffer ist hoch“, heißt es beim Deutschen Brauer-Bund in Berlin. Schätzungen von Gastronomieexperten, dass bundesweit 20 Prozent „Schwarz-Bier“ durch die Zapfhähne fließen, will Pressesprecherin Birte Kleppien allerdings nicht bestätigen. Zum Verständnis: Mit „Schwarz-Bier“ ist nicht die Sorte gemeint, sondern Bier, das die Wirte nicht über ihre Vertragsbrauerei beziehen, sondern anderweitig. Dieses Bier kostet oft weniger als die Hälfte. Eine Verlockung, der man aber als Wirt nicht nachgeben sollte. Die Konsequenzen können schmerzhaft sein.
betrügt seine Brauerei und die Gäste
Obwohl Königshof-Bier billiger ist als die großen Marken, lehnt Tichelkamp den Begriff „Billigbier“ im Sinne von schlechter Qualität ab. Die Königshof-Brauerei in der ehemaligen Braustätte von Rhenania Alt agiert seit zweieinhalb Jahren am Markt als Dienstleister – für so renommierte Marken wie Carlsberg, Gaffel Kölsch, Hannen, Urfels oder Frankenheim. „Wir beliefern Handelsmarken und Brauerkollegen.“ Mit rund 700.000 Hektolitern Ausstoß hat Königshof lokale Brauer wie Frankenheim in Düsseldorf und Reissdorf in Köln bereits überrundet. Zum Vergleich: Die Oettinger Brauerei ist mit 6,4 Mio. Hektoliter pro Jahr der größte Produzent von billigem Bier, spielt aber in der Gastronomie kaum eine Rolle. „Zu 80 Prozent sind wir auf den Lebensmitteleinzelhandel ausgerichtet“, erklärt Pia Kollmar, Chefin der Oettinger Brauerei.
Den großen Marken-Brauereien bereitet der Ausschank von „Schwarz-Bier“ einen dicken Kopf. Offiziell wird das Problem jedoch „nicht kommuniziert“, wie es bei Warsteiner heißt. „Die Kontrolle ist schwer“, sagt Franz Weihrauch von Krombacher. „Das sind Einzelfälle. Derartige Fälle von Warenbetrug sind uns eigentlich nur aus dem Ausland bekannt“, relativiert Veltins-Pressechef Ulrich Biene die Sachlage. Kämpferisch gibt sich indessen Heinrich Wurster. „Das ist Vertragsbruch, dem wir demnächst auf die Spur kommen. Wer erwischt wird, bei dem machen wir Schadenersatzforderungen geltend“, sagt der Bitburger-Vertriebschef. Wurster meint auch, dass das Überprüfen der Fässer im Keller als Kontrolle eigentlich nicht ausreicht. „Aus Tschechien kommen Billig-Biere in Original-Fässern“, weiß Wurster. „Der Gast merkt es erst, wenn er einen dicken Kopf bekommt.“ Bitburger will deshalb mit einem neu entwickelten Gerät vor Ort testen, ob die Vertragspartner tatsächlich Bitburger zapfen.
Den Tatbestand des Vertragsbruchs nehmen viele Wirte wegen des eklatanten Preisunterschieds auf sich. Ein 100-Liter-Fass kostet im Handel rund 80 Euro, bei der Brauerei doppelt so viel. Wolfgang Goldbach, Hotelier und DEHOGA-Vorsitzender in Köln, rät deshalb: „Holt euch das Bier selbst im Fachgroßhandel ab!“ Dieser Rat kann allerdings nur für Objekte ohne Brauereibindung gelten. „Vor allem junge Seiteneinsteiger und Existenzgründer machen heute gute Geschäfte und lassen sich keinen Brauereivertrag aufdrücken“, berichtet Goldbach und rät zum Feilschen. „Brauereien sind heute grundsätzlich gesprächsbereiter als vor einigen Jahren.“
nicht nur, sondern geben auch
Einen handfesten Ratschlag für die Gastronomie hat der Billigbrauer auch parat: „Schenkt preiswertes Bier nicht als Schwarz-Bier aus, sondern bietet es als Aktion an, in einem neutralen Glas zum günstigen Preis. Das freut den Gast und erspart Ärger.“
