Hotellerie
Bühlerhöhe fällt in Dornröschenschlaf
BÜHL. Wimbledonsieger Boris Becker hat dort seine Hochzeitsnacht mit Barbara verbracht, der englischen Nationalmannschaft diente es als Domizil während der Fußball-WM 2006, Staatsmänner wie Konrad Adenauer, Nelson Mandela, Kofi Annan oder Bill Clinton und Stars wie Roger Moore oder Britney Spears genossen das Panorama hinunter ins Rheintal und das Ambiente im 18 Hektar großen Schlosspark.
Doch damit ist jetzt Schluss. Am 31. August wird der letzte Gast das 5-Sterne-Hotel an der Schwarzwaldhochstraße verlassen, zum 30. September gehen die spanische Gruppe NH Hoteles und die Eigentümerin – die BW Verwaltungsgesellschaft mbH – getrennte Wege.
Investitionen notwendig
Vorzeitig – denn der 2002 im Zuge der Übernahme der Astron Hotels übernommene Pachtvertrag wäre noch sechs Jahre lang gelaufen. „Wir haben den Vertrag einvernehmlich aufgehoben, weil die Situation für beide Seiten unbefriedigend war, so wie es bisher gelaufen ist“, sagte Berthold Wipfler, Steuerberater und Sprecher der Familie Hopp der AHGZ. Für NH sei die Bühlerhöhe immer „ein Exote“ im sonstigen Angebot gewesen und die Situation habe sich verschlechtert.
Was aus dem renommierten Haus wird, das Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) als „Flaggschiff“ für die Hotellerie und als „Vorzeigeobjekt“ im Genießerland bezeichnete, ist völlig offen.
Die Eigentümer, SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp und einer seiner Söhne, wollen in den nächsten Monaten neue Nutzungsmöglichkeiten prüfen und entwickeln. „Die Mode und der Geschmackswandel haben die Bühlerhöhe stark getroffen. Jetzt muss die Revitalisierung des Hauses angepackt werden“, erklärte Wipfler. In der jetzigen Ausprägung werde die Bühlerhöhe jedoch „nicht mehr auferstehen“.
„Gewinne hat das Hotel noch nie erzielt“, sagte NH-Geschäftsführer Deutschland, Jan Hein Simons, gegenüber der AHGZ. Die Verluste seien jetzt nicht mehr tragbar gewesen. Schlechte Aussichten für das 90-Zimmer-Hotel. Und auch für die rund 120 Mitarbeiter, die von der Entscheidung der Hotelgruppe erst kurz zuvor informiert worden waren.
Mit dem Betriebsrat werde über Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt, sagte Simons. Der NH-Geschäftsführer dementierte auch, dass es Streit oder Krach mit den Eigentümern gegeben habe. „Wir haben vor fünf Jahren ein einziges Mal gestritten – danach haben wir uns prima verstanden“, so Simons. Bei der Entlassung von Direktor Reto Schumacher hatte es große Meinungsverschiedenheiten gegeben.
Sicher ist, dass für die Anlage großer Sanierungsbedarf besteht. Die Spanier hatten noch im März verkündet, dass sie nach der Mehrwertsteuer-Reduzierung mehrere Millionen in ihre Häuser investieren wollen, auch in das Schlosshotel.
„Es laufen Verhandlungen zwischen der Eigentümerfamilie Hopp und dem Betreiber über Art und Anteile der Investitionen“, berichtete damals Schlosshotel-Direktor Heinz Imhof (AHGZ vom 28. März). Diese Verhandlungen brachten kein Ergebnis. Im Gegenteil: Gerüchten zufolge hatte NH überlegt, das Luxushotel in eine niedrigere Hotelklasse abzustufen, was die Hopps verhindern wollten.
Einbußen in der Krise
Die spanische Gruppe ist sonst hauptsächlich im 4-Sterne-Bereich und in urbanen Businesshotels unterwegs. Man habe bei der Übernahme der Astron Hotels den Pachtvertrag für das Schlosshotel „übernehmen müssen“, urteilte Simons.
Heinz Imhof übernahm die Position vor knapp zwei Jahren, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Finanz- und Wirtschaftskrise trafen das Schlosshotel danach voll. Unter dem Strich verbuchte das Hotel Einbußen von 15 Prozent, vorwiegend bei Firmenkunden, Tagungen und Kongressen, während die Zahl der Privatgäste leicht anstieg.

