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Ausland

Das Bettenwunder von Lourdes

In Frankreich hat nur die Hauptstadt Paris mehr Hotelbetten als der weltbekannte Wallfahrtsort in den Pyrenäen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/12 vom 22. März 2008

LOURDES. In dem bedeutenden französischen Wallfahrtsort hatte die 14-jährige Bernadette vor 150 Jahren mehrere Marienerscheinungen. Damals war Lourdes ein kleines Örtchen, heute verfügt das Pyrenäenstädtchen über die zweithöchste Zahl an Hotelbetten in Frankreich.

2007 zählte man nahezu 6 Mio. Übernachtungen, in diesem Jahr – dem Jubiläumsjahr – werden es sicher weit mehr sein. Die Touristiker rechnen mit 8 Mio. Pilgern und Besuchern. Dieses Jahr hat die Saison früher begonnen, in anderen Jahren wurden zwischen April und Oktober die meisten Gäste gezählt.

Unheiliger Preiskampf

Die erste Marienerscheinung soll sich am 11. Februar 1858 zugetragen haben. Damals hatte Lourdes seinen ersten großen Pilgeransturm zu bewältigen. Hunderttausende schoben sich durch den katholischen Wallfahrtsort, die unterirdische Kirche war bei der abendlichen Lichterprozession bis auf den letzten ihrer 25.000 Plätze gefüllt.

Die Pilger kommen aus der ganzen Welt, rund 27.000 Gästebetten stehen ihnen zur Verfügung. Nur die Hauptstadt Paris hat in Frankreich mehr Betten. Lourdes wird deshalb gerne mit Mekka verglichen, andere Wallfahrtsorte wie Fatima, Einsiedeln, Altötting, Mariazell, San Giovanni Rotondo, Tschentschochau und Loreto bleiben hinter diesen Pilgerzahlen weit zurück. Lourdes ist nach Rom das zweitgrößte katholische Glaubenszentrum der Welt, ein Drittel der Pilger kommt aus Frankreich, der Rest aus Europa und anderen Staaten. Lourdes hat 22 Kirchen und Kapellen, die Zahl der Andenken- und Souvenirstände, Bars, Restaurants und Cafes ist riesig. So riesig, dass alle zwei Wochen das Einbahnstraßensystem geändert wird, damit alle gleichermaßen vom Pilgerstrom profitieren.

Lourdes mit seinen rund 15.000 Einwohnern hat sich im Laufe der Jahre bestens auf seine „Kunden“ eingestellt. Das zeigt schon die Webseite in neun Sprachen. Über sie kann man direkt ein Zimmer zum Beispiel in einem der mehr als 230 Hotels, darunter auch 4-Sterne-Luxus-Hotels, buchen. Dennoch ist erstaunlich, dass in einem 2-Sterne-Hotel die Nacht für 35 Euro angeboten wird. Viele wollen am Wunder von Lourdes verdienen. Und so ist das Angebot an Gästebetten, darunter auch viele Ferienwohnungen und Privatzimmer, permanent gestiegen. Das führt zu einem Preiskampf. Dennoch ist der Ort keine Low-Cost-Destination, trotz seiner insgesamt elf Campingplätze und mehrerer Jugendherbergen. Mittlerweile gibt es spezielle Reiseanbieter für Pilgerreisen, nicht nur nach Lourdes.

Viele Kranke und Behinderte, teils auf Bahren und in Rollstühlen, kommen in den Pyrenäenort. Sie reisen oft in Bussen an und werden meist von freiwilligen Helfern begleitet und betreut. Rund 100.000 ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Wallfahrer. Das zahlt sich aus. Das bringt Spenden, viele Spenden. Lourdes soll dem Vernehmen nach einen Etat von 18 Mio. Euro haben, 90 Prozent davon Spenden. Viel davon fließt in die Infrastruktur des heiligen Ortes, behindertengerechte Zugänge und Rampen für Rollstühle und Parkplätze sind in den letzten Jahren entstanden. Krise ist ein Fremdwort in Lourdes: Das Geschäft mit dem Glauben blüht, in Lourdes und anderswo.

Ingrid Sachsenmaier

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