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Konzepte

Szenig und anders als andere: Das Monsieur Hu von Sam Hu (rechts) in München (Fotos: Karin Gabler/Restaurant)

Konzepte: Monsieur Hu in München

Dekodrachen sind passé

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/45 vom 7. November 2009
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MÜNCHEN. Ein chinesisches Restaurant? Na, das kennt man doch … Papierdrachen, bunte Lampions, Buddhastatuen und reich verzierte Reisschalen. Doch es geht auch ganz anders. Sam Hu hat in seinem Restaurant Monsieur Hu in mit der typischen Ausstattung eines China-Restaurants absolut nichts am Hut. Auch Ente süß-sauer & Co können ihn nicht begeistern. Der 24-jährige Chinese etablierte vor einem Jahr ein Lokal, das Schluss macht mit alten Klischees. Rund 150.000 Euro waren dazu nötig. Sam Hu hatte wenig Eigenkapital, dafür viel Verhandlungsgeschick – so gaben ihm die beteiligten Firmen den nötigen finanziellen Freiraum.

Dort, wo heute das Monsieur Hu ist, im Münchener Szeneviertel Glockenbach, war zuvor ein Lokal mit Kegelbahn. Hu entkernte den Raum, nutzt aber dessen längliche Form. Kreativ unterstützt von der jungen Innenarchitektin Natalie Nguyen-Ton entstand ein Mix aus Restaurant, Bar und Lounge. Jung, stylisch, cool und ungewöhnlich: mit einem ellipsenförmigen Lichttunnel, an dessen Wänden sich schwarze Scherenschnittfiguren vom rotem Hintergrund abheben.

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Ausgefallene Einrichtung

Auch die Tischdeko ist rot, mit weißem Geschirr als Kontrast. Und am Ende des Tunnels führt das Lokal hinein in eine wiederum ellipsenförmige Lounge mit hellgrün bemalten Wänden, weißer Ledercouch rundum und kleinen Tischen. Hier wird relaxed bei „gechillter Loungemusik“. Oft ziehen die Gäste, nachdem sie gegessen haben, in die Greenlounge um auf einen Drink, der zur Happy Hour ab 22 Uhr nur 4,90 Euro kostet. Auch für Partys ist dieser Teil des Restaurants beliebt.

Nicht nur das Ambiente fällt im Monsieur Hu aus dem Rahmen. Sam Hu setzt auch in der Küche andere Schwerpunkte. und seine regionale Esskultur steht für enorme Vielfalt. Hu konzentriert sich auf vietnamesische und kantonesische Gerichte: „Leichte Sachen, gewürzt mit sehr vielen Kräutern: Minze, Koriander, Basilikum, Stachelkoriande. Dazu viel frisches Gemüse.“ Berühmt sind die vietnamesischen Nudelsuppen, wie die Hanoi Suppe, die aus Rinderknochen stundenlang gekocht wird. Als weiterer Hauptbestandteil dieser Küche gilt die Fischsauce, natürlich selbstgemacht.

Hits im Monsieur Hu sind die gemischten Vorspeisenteller und vor allem das Süßkartoffel-Curry in Kokosmilch mit Hühnchen, Rind oder Ente. „Wir kochen ganz anders als man es von den Chinesen oder Asiaten hier in München kennt“, betont Sam Hu, der Spross einer Gastronomenfamilie ist. Seine Eltern betrieben gut 20 Jahre lang „typische Chinarestaurants“, zuletzt in Fürstenfeldbruck, wo der Sohn von klein auf gern mithalf. Das Learning by Doing im elterlichen Betrieb, den er auch mal eine Weile ganz allein führte, war für ihn die beste Schule. Er hat zwar die Ausbildung zum Hotelfachmann begonnen, aber nicht durchgehalten. Viel besser gefiel ihm da das Jahr an der Bar im P 1.

Die Resonanz auf das Asia-Restaurant war vom Start weg gut. Hauptklientel sind Leute zwischen 20 und 50 Jahren, auch Chinesen kommen, das Gros der Stammgäste ist allerdings deutsch. „Alles Szenegänger, die hier essen, chillen und dann noch weiterziehen.“ Viele bleiben. Auch weil das Restaurant – bei House-Loungemusik – so lange aufhat bis keine Gäste mehr da sind.

Partyort für Szenegänger

„Wir sind kein reines Esslokal“, sagt Hu, der selbst jeden Tag vor Ort arbeitet. Meist an der kleinen, aber professionellen Bar, manchmal im Service, zusammen oft mit seinem Bruder und seiner Cousine. „Wir haben eine große Familie!“, lacht der junge Unternehmer, der sich selbst nicht als Gastgeber, sondern mehr als Freund seiner Gäste sieht: locker und vor allem ohne aufgesetzte Freundlichkeit.

Mittlerweile gefällt das Monsieur Hu auch Sams Eltern, die anfangs gar nicht so begeistert von den Plänen des Juniors waren. Der hat unterdessen schon wieder neue Ideen im Kopf: eine Karaoke Bar, aber „eine richtige“, mit Live-Bühne, und wo man essen und trinken kann. „Ich möchte nichts machen, was andere schon haben – dann wär's ja nichts Besonderes“, meint der junge Unternehmer.

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