Touristik
Der Branche fehlen die Leute
Studie des Sparkassenverbands: Fehlende Fachkräfte bremsen langfristig die touristische Entwicklung in Ostdeutschland
STUTTGART. Zwei Ergebnisse des Reisejahres 2007 geben Anlass zur Freude in Ostdeutschland: Das Übernachtungsplus lag mit 3,2 Prozent über dem Wachstum der alten Bundesländer von 3 Prozent, und die Gäste bleiben mit 3,1 Tagen gegenüber 2,7 Tagen in Westdeutschland fast einen halben Tag länger. Das konstatiert das Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbands, das bei der ITB in Berlin vorgestellt wurde.
Auf längere Sicht warnen die Verfasser der Studie jedoch vor einer bedrohlichen Entwicklung: Der demografische Wandel, bisher häufig allein über die Veränderung der Zielgruppen wahrgenommen, wirke sich gerade in Ostdeutschland auf Arbeitsmarkt und Infrastruktur aus. Fachkräftemangel und ausgedünnte Infrastruktur verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit als Urlaubsziel dramatisch (Seite 1).
Bei der Urlaubsnachfrage besteht nach wie vor ein Strukturunterschied: Im Westen fällt der boomende Städtetourismus viel stärker ins Gewicht. Daher liegt hier das Plus bei den Ankünften mit 3,9 Prozent deutlich über den 2,5 Prozent Zuwachs in Ostdeutschland.
Dresden verliert deutlich
Vom Reisewachstum im vergangenen Jahr konnten fast alle Bundesländer profitieren. Die einzige Ausnahme ist Sachsen mit minus 2 Prozent bei den Übernachtungen und sogar minus 2,4 Prozent bei den Ankünften. Die Großstädte Dresden, Leipzig und Chemnitz tragen ein gutes Drittel zum Übernachtungsvolumen im Freistaat bei und beeinflussen daher das Gesamtergebnis entscheidend. Deshalb fällt das Minus von 5 Prozent in Dresden besonders ins Gewicht. Dabei gehen die Verluste vor allem auf den Inlandsmarkt zurück, während die Auslandsnachfrage zulegte. Generell ist die Entwicklung der Nachfrage aber gegenläufig: Bei deutschen Urlaubern liegen die ostdeutschen Bundesländer stärker im Plus als die Ziele im Westen. Dagegen bleibt Ostdeutschland als Reiseziel ausländischer Gäste mit einem Plus von 3 Prozent weiter hinter Westdeutschland mit plus 3,5 Prozent zurück.
Spitzenreiter im Reisemarkt ist einmal mehr Berlin mit einem Plus von 8,6 Prozent bei den Übernachtungen. Auf dem zweiten Platz folgt Mecklenburg-Vorpommern, das mit plus 6,3 Prozent und mehr als 26,3 Mio. Übernachtungen das beste Ergebnis seit 1990 erreichte. Thüringen litt zwar in den ersten Monaten des Jahres 2007 unter dem zu milden Wetter, das die klassischen Winterurlauber abschreckte. Sommer und Herbst konnten jedoch die schwache Winternachfrage ausgleichen und sorgten unter dem Strich für einen Zuwachs von 4,7 Prozent. Brandenburg verzeichnete ein Plus von 4 Prozent, während Sachsen-Anhalt nach einem starken Zuwachs im Vorjahr (+ 6,7 %) etwas verhaltener um 1,7 Prozent zulegte.
Tagesbesucher bringen Geld
Im Durchschnitt hat sich im vergangenen Jahr die Auslastung der Betten im ostdeutschen Gastgewerbe leicht verbessert. Mit 34,8 Prozent liegt die durchschnittliche Belegung nur knapp unter der in Westdeutschland von 35,7 Prozent. Das liegt nicht nur an der gestiegenen Nachfrage, sondern auch an der Konsolidierung des Angebots: Nur in Mecklenburg-Vorpommern wächst die Zahl der Gästebetten weiterhin.
Wichtigste touristische Einnahmequelle für Ostdeutschland ist der Tagestourismus. Allerdings bleiben die neuen Länder bei der Dynamik im Tagestourismus deutlich hinter Westdeutschland zurück. Die Autoren der Studie betonen daher die Notwendigkeit, Tagesausflügler mit speziellen Marketing-Maßnahmen anzusprechen und zu umwerben.
Mittlerweile beteiligen sich zehn Bundesländer am Tourismusbarometer, das ursprünglich nur die Entwicklung in Ostdeutschland untersuchte. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat mit dem Forschungsinstitut dwif 2008 angefangen, ein deutschlandweites Barometer aufzubauen. Es soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Tourismuswirtschaft beleuchten und sich mit bundesweit wichtigen Tourismusthemen beschäftigen.Marina Behre
www.s-tourismusbarometer.de
www.dwif.de

Andrea Ruhland, Taufkirchen
03.04.2008 um 15:29
Betreff: Kommentar zum Artikel
Zu diesem Artikel kann ich nur sagen, wer nicht bereit ist, Fachkräfte zu fördern, und entsprechendes Gehalt zu zahlen wird die Zukunft in der Hotellerie nicht besser. 16 Stunden täglich zu arbeiten, ohne dass die Überstunden vergütet werden, Budgetdruck von oben(besonders in Kettenhotellerie) ist für niemanden motivierend. Ich selbst liebe die Hotellerie, nur die Entwicklung in Bezug auf Gehalt lässt uns keine andere Wahl als in andere Branchen einzusteigen.