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Traditionsreiches Haus im Herzen der Stadt: Das Hotel Pariz Foto: Barmwoldt

Gastgewerbe International

Der Prager Hotellerie bleibt nur wenig Geld in der Kasse

Hoteliers in der tschechischen Metropole müssen mit wachsendem Kostendruck und zunehmender Konkurrenz zurechtkommen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/35 vom 2. September 2006
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PRAG General Manager geben es in Prag ganz offen zu: „Die Situation auf unserem Hotelmarkt ist gut“, sagt Iva Nemcova, die seit 11 Jahren das traditionsreiche Hotel Pariz leitet und als Vize-Präsidentin des tschechischen Hotelverbands amtiert. „Die Lage ist sogar sehr gut“, meint Pasquale Baiguera, General Manager des Radisson SAS Alcron Hotels. Die Prager Altstadt sei ein Touristenmagnet, auch weil sie ein preisgünstiges Ziel sei – verglichen mit London, Paris oder Mailand. Und sie habe noch viel Potenzial.

„Der Prager Hotelmarkt wächst“, glaubt auch Alessandro Cresta. Er managt das 5-Sterne-Hotel Carlo IV der italienischen Boscolo-Gruppe, das sich im Palast der früheren Hypothekenbank befindet. Seine Kollegin Jarmila Migelova, General Manager des Pachtuv Palace, einem Boutique-Hotels der Luxemburger Orco-Gruppe, weist allerdings darauf hin, dass auf dem Prager Hotelmarkt ein sich ständig verschärfender Wettbewerb herrscht. Zahlen verdeutlichen, welches Volumen der Prager Hotelmarkt bereits hat. So gibt es dort 470 Hotels mit 23.000 Zimmern, davon zählen 97 Häuser zur 4- und 5-Sterne-Kategorie.

Die Stadt gilt als sechstbeliebtestes Reiseziel in Europa. Im Jahr 2005 verzeichnete sie 3,8 Mio. Gäste und etwa 11 Mio. Übernachtungen. In diesem Jahr werden 11,8 Prozent mehr Touristen in der Moldau-Metropole erwartet. Von den ausländischen Besuchern stellen deutsche Gäste mit 14 Prozent das größte Kontingent, die durchschnittliche Verweildauer beträgt 3,8 Tage.

Eines der beliebtesten

Reiseziele in Europa

Die Zimmerpreise stiegen in Prager Hotels nach Ermittlungen der Prüfungs- und Beratungsfirma Deloitte im ersten Halbjahr 2006 um 2,3 Prozent auf durchschnittlich 103,42 Euro. Iva Nemcova rechnet damit, dass die Zimmerpreise in diesem und im kommenden Jahr jeweils um 2,5 Prozent steigen. Trotzdem bleibt den Hoteliers kaum Geld in der Kasse. „Schuld daran ist der Wechselkurs. Denn die Tschechische Krone wird gegenüber dem Euro immer stärker“, beklagt Pasquale Baiguera vom Radisson SAS Alcron Hotel. Die Gäste zahlen in Euro, doch der Hotelier muss seine Lieferanten und Mitarbeiter in Kronen bezahlen. „Vor drei Jahren gab es für 100 Euro 3250 Kronen, in diesem Jahr gibt es nur noch 2800 Kronen“, rechnet Baiguera vor. Parallel steigen die Kosten – nicht zuletzt wegen Tschechiens Mitgliedschaft in der EU. „Besonders drastisch verteuern sich Elektrizität, Gas und Löhne“, sagt Iva Nemcova vom Hotel Pariz.

Mit der Abwanderung qualifizierter Fachkräfte, aber auch mit wachsender Konkurrenz hat die Prager Hotellerie außerdem zu kämpfen. Allein in diesem Jahr erhöht sich das Angebot um 3000 Zimmer, meldet die tschechische Wirtschaftszeitung Hospodarske Noviny. Im Jahr 2007 werden weitere 1500 Zimmer hinzukommen. Unter den Neuzugängen finden sich Mandarin Oriental (ab Herbst 2006), Le Méridien und Rocco Forte. Dem Vernehmen nach wollen auch Kempinski und Sheraton spätestens ab 2010 in Prag Flagge zeigen. Während anderswo für Hotels neue Gebäude hochgezogen werden, etablieren sich in Prag neue Hotels bevorzugt in Altbauten mit großem historischem Wert. „Bei 80 Prozent der Restaurierungsarbeiten in Prag handelt es sich um Hotelprojekte“, schätzt Pasquale Baiguera. Sein Radisson SAS Alcron Hotel entstand allerdings schon im Jahre 1932 als Luxushotel. Nach der Wende wurde es komplett renoviert. Hingegen firmiert das Hotel Carlo IV seit September 2003 in der früheren Hypothekenbank. Wie viel die Familie Boscolo für den maroden Palast bezahlt habe, wisse er nicht, sagt General Manager Alessandro Cresta. „Es war eine emotionale Investition.“ Die Restaurierung habe jedenfalls mehr als 80 Mio. Euro gekostet. Vor dem Hintergrund steigender Gebäudewerte und guter Auslastung lohnen sich nach Angaben der Orco-Gruppe solche Investitionen jedoch.

4500 weitere Zimmer

bis Ende kommenden Jahres

Die durchschnittliche Belegungsrate für das laufende Jahr liegt bei 67,4 Prozent. Die schwächste Geschäftsphase liegt im Januar und Februar. „Dann sind viele Hotels kaum zu 40 Prozent ausgelastet“, sagt Iva Nemcova. Selbst 5-Sterne-Hotels bieten dann nach ihrer Beobachtung Zimmer für 60 statt für 300 Euro an. Ihr Wunsch: „Prag bräuchte mehr Tagungsräume für große Kongresse, um im Winter die Hotelzimmer zu füllen.“

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