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Der Tagungsmarkt wächst

Unternehmen investieren in Veranstaltungsangebote / Heide-Park baut für 20 Millionen Euro neues Hotel

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/26 vom 1. Juli 2006

STUTTGART Deutschland steht im Tagungs- und Kongressgeschäft europaweit an der Spitze, weltweit nach den USA an zweiter Stelle. Und trotz zunehmender Konkurrenz auch durch Destinationen im Ausland bleibt das Land für Tagungen, Kongresse und Incentives ein führender Markt (Seite 8).

Das spiegelt sich in den Investitionen der Unternehmen in Hotelneubauten wider. Jüngstes Beispiel: Der Heide-Park in Soltau wird im Juni kommenden Jahres ein rund 20 Mio. Euro teures Haus mit Konferenzräumen eröffnen. „Wir wollen der Eventpark in Norddeutschland für Unternehmen werden“, beschreibt Geschäftsführer Hannes W. Mairinger sein Ziel (Seite 2).

Dass es nicht zu ehrgeizig ist, bestätigt Professor Georg Bleile von der Hotel- und Tourismusberatung in Bad Krozingen: „Es gibt zwar einen Hang zu Überkapazitäten, wer aber über einen guten Standort verfügt und professionell arbeitet, hat auch in Zukunft gute Chancen.“

Weiterer Erfolgsfaktor ist nach Auffassung von Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), neben der Qualität das im internationalen Vergleich attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. Der RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer) lag nach dem HotelBenchmark Survey von Deloitte im vergangenen Jahr nur bei 50 Euro. Damit bildet Deutschland das europäische Schlusslicht.

Wie Luthe ausführt, finden jährlich in Deutschland mehr als 1 Mio. Kongresse und Tagungen mit 70 Mio. Teilnehmern statt. Die Hotellerie stellt mit mehr als 10.000 Veranstaltungsräumen den Großteil der rund 11.000 Tagungsstätten. Jeder dritte Hotelgast sei Tagungs- oder Kongressteilnehmer. Investoren setzen auf diesen Markt. Allein Berlin verzeichnete 2005 89.200 Veranstaltungen, 12 Prozent mehr als 2004. Die Teilnehmerzahl stieg um 11 Prozent auf 6,9 Mio., heißt es in der Statistik der International Congress & Convention Association (ICCA).

Wie sich die Nachfrage auswirkt, zeigt sich am Beispiel Frankfurts. Dort wurden seit 2005 zahlreiche neue Hotels eröffnet, darunter das 4-Sterne-IB-Hotel, das Innside Premium, das Astrium Hotel, das Radisson SAS Hotel, das Rocco Forte Villa Kennedy, Fleming’s Hotel und das Mövenpick Hotel. Weitere Häuser wie das Hilton (Seite 9), das Mandarin Oriental, das Hotel am Oberforsthaus und das Hotel Plattform Fernbahnhof sind in Planung. Und das Steigenberger Airport Hotel strebt an, seinen Konferenzbereich auszubauen.

Nach Berechnungen der Imex-Messe besuchten im vergangenen Jahr 3,7 Mio. Teilnehmer und damit 9 Prozent mehr als im Vorjahr Frankfurt, was einen Umsatz von 451 Mio. Euro, plus 13 Prozent, für die Stadt bedeute.

(Fortsetzung Seite 2)

Fortsetzung von Seite 1

Chancen im Tagungs- und Kongress-Bereich sieht auch das Grand Elysée in Hamburg. Es wurde um einen 100 Mio. Euro teuren Anbau mit 15 Veranstaltungsräumen erweitert. In Berlin hat 2005 das 44. Maritim Hotel mit einer Veranstaltungskapazität für bis zu 5800 Personen eröffnet. Und in Dresden bietet seit dem Frühjahr das Hotel de Saxe Tagungsmöglichkeiten.

„Mit dem Fortschreiten der Internationalisierung der Märkte und deren Globalisierung sowie dem wirtschaftlichen Aufschwung auch im Inland wird der Tagungs- und Kongresstourismus weiter an Bedeutung gewinnen“, heißt es im Betriebsvergleich Hotellerie und Gastronomie des DEHOGA. So geht der Heide-Park-Geschäftsführer schon vor Fertigstellung des neuen Hotels Port-Royal von einem zweistelligen Wachstum bei Firmenveranstaltungen jährlich aus. Derzeit würden 60 bis 70 Tagungen und Incentives pro Jahr gebucht. „Neben Gastfreundschaft zeichnen sich die deutschen Anbieter durch Professionalität, gute Infrastruktur, erstklassigen Service und optimal ausgestattete Tagungsräume aus“, hebt das German Convention Bureau (GCB) hervor, das Deutschland für Kongresse und Tagungen vermarktet.

Doch erleben die Hotels zur Zeit bei Tagungen einen schmerzhaften Einbruch durch die Fußball-WM. Wie der Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM), Hanns Peter Nerger, sagt, laufe der Juni schlechter als sonst. Allerdings seien viele Veranstaltungen auf die Zeit vor und nach der WM verschoben worden. Ob dies zum Ausgleich führe, sei noch nicht sicher. Dagegen meint Günther Strube, Geschäftsführer der Seminaris Hotels & Meeting Resorts: „Die WM hat uns auch ein wenig Geschäft gebracht, was aber nicht zum Ausgleich der verschobenen Tagungen reicht.“ Der Bereich gebe insgesamt keinen Anlass zum Jubeln. Es laufe nur wenig besser als im Vorjahr.Cornelia Küsel

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