Märkte & Unternehmen
Deutschland ist Urlaubsland Nummer eins
von Marion Schlag
BERLIN. Die Reisebilanz für 2009 zeigt: Deutschland als Reiseziel hat sich im vergangenen Jahr relativ gut gehalten. Trotz Wirtschaftskrise behauptete sich Deutschland mit mehr als 345 Mio. Übernachtungen in gewerblichen Betrieben als Nummer eins in Europa.
Damit sind die Ferienregionen zwischen Zugspitze und Kap Arkona das zweite Jahr in Folge an Spanien und Italien vorbeigezogen. Dieses Ergebnis basiert auf dem Sparkassen-Tourismusbarometer Deutschland 2009. Das vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband zum zweiten Mal aufgelegte Positionspapier vergleicht die nationale Reisebranche mit den europäischen Mitbewerbern.
Demnach dominiert im Reiseland Deutschland die Binnennachfrage wie in keinem anderen Land. Trotz Wirtschaftskrise und kleinerer Budgets: Völliger Verzicht kommt für die reisefreudigen Bundesbürger nicht infrage. Stattdessen legen sie wieder mehr Wert auf Solidität und Sicherheit. Immer mehr machen Ferien in der Heimat. Während die Nachbarländer – mit Ausnahme der Niederlande – 2009 bei den Übernachtungen in Hotels und Pensionen Verluste bis in zweistelliger Höhe zu verkraften hatten, verzeichnete Deutschland nur einen minimalen Rückgang von 0,2 Prozent. Dabei waren alle Tourismussegmente – vom klassischen Urlaub über die Kurzreise bis zum Gesundheitstourismus – stark nachgefragt. Auch als Messestandort konnte Deutschland seine weltweit führende Stellung behaupten.
Ostsee statt Mallorca
Zu den Gewinnern zählen wieder die Städte sowie die Küstenländer an Nord- und Ostsee. Eine Spitzenposition erreichte Mecklenburg-Vorpommern mit plus 3,3 Prozent, gefolgt von Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen mit je plus 1,9 Prozent. Bei den Cityreisen hatten Metropolen wie Berlin und Hamburg mit Zuwächsen von plus 6,2 und 6,0 Prozent die Nase vorn. Beim Thema „Urlaub an und auf Seen“ zählt Deutschland in Europa nicht nur zu den dynamischsten, sondern hinsichtlich des Marktvolumens auch zu den führenden Destinationen. Deutliche Einbußen verzeichneten allerdings die heimischen Mittelgebirge. Sie blieben in den vergangenen neun Jahren deutlich unter ihrem Übernachtungsvolumen von 2000 (minus 5,9 Prozent), während der Deutschlandtourismus in diesem Zeitraum um 6,2 Prozent zulegen konnte.
Die weltweit schwierige Wirtschaftssituation hinterließ Spuren. Touristen und Geschäftsleute sind sparsamer geworden. So sank der Branchenumsatz gegenüber 2008 um minus 6,1 Prozent. Die Gastronomie musste einen Rückgang von minus 5,2 Prozent verkraften. Alarmierend ist der Umsatzverlust im Beherbergungssektor von minus 7,6 Prozent. Außerdem braucht Deutschland mehr internationale Gäste, denn der größten Binnennachfrage steht mit nur 15 Prozent der geringste Incoming-Anteil gegenüber. Alle anderen europäischen Staaten weisen bei den Übernachtungen eine Auslandsgästequote von 35 bis 90 Prozent auf.
„Wir wollen den Deutschlandtourismus weiter stärken. So können wir der internationalen Konkurrenz die entscheidende Nasenlänge voraus sein“, so Reinhard Meyer, der Präsident des Deutschen Tourismusverbands (DTV). Erstes Grundprinzip sei die Qualität. Handlungsbedarf sieht er noch in Sachen Innovation und Kreativität. Dazu will der DTV seine Aktivitäten auf der Grundlage des 2005 ins Leben gerufenen Deutschen Tourismuspreises künftig forcieren.
Fit für die Zukunft
Als erfolgversprechende Produkte nannte Meyer gesundheitsorientierte Urlaubangebote. Da Innovation und Qualität viel Geld kosten, richtete sich ein Appell an die Politik. Insbesondere für Klein -und Kleinstbetriebe forderte Reinhard Meyer mehr Bürokratieabbau, bessere Kredithilfen und eine intakte touristische Infrastruktur. Die Branche ist ein großer Wirtschaftsfaktor. Allein im Übernachtungstourismus werden Umsätze von rund 53 Mrd. Euro erzielt.

