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Aus der Branche

Deutschland will den Titel

Lokale mit Live-Übertragungen haben die Nase vorn / Branche will auch künftig von „kollektiven Sporterlebnissen“ profitieren

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/26 vom 1. Juli 2006
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STUTTGART Herrliches Wetter und spannende Fußballspiele treiben die Fans nach draußen – je mehr sich die WM ihrem Ende nähert. Überall Rekorde: In Berlin feierten am 24. Juni während des Deutschlandspiels eine Million Menschen auf der größten Fan-Meile zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule. Wegen Überfüllung mussten die Fanfeste in München, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Stuttgart, Gelsenkirchen und Kaiserslautern lange vor Anpfiff geschlossen werden.

Die Gastronomie sieht die Massenveranstaltungen weiterhin mit gemischten Gefühlen (AHGZ vom 17. und 24. Juni). Die Wirte in der Leipziger Innenstadt profitierten von den fünf WM-Spielen. An den Spieltagen seien die Kneipen überfüllt gewesen, lautet das Ergebnis einer Befragung der Wirte. Mittlerweile bietet fast jeder Gastronom eine Leinwand oder einen Fernseher. Auch Gaststätten abseits der Public-Viewing Areas haben aufgerüstet. In Stuttgart machen jene Gastronomen Gewinne, die direkt in den Public-Viewing-Bereichen liegen, ebenso in München. Ein Wirt bringt es auf den Punkt: „Jede Dönerbude hat heute einen Beamer mit einem Bettlaken als Projektionsfläche – ohne geht’s nicht mehr.“

In Hamburg gleicht die Stimmung der Gastronomen dem Wetterbericht: mal heiter, dann wieder wolkig. Nach Angaben des Vorsitzenden des Hamburger DEHOGA-Kreisverbandes Mitte-West Jürgen Barlag sind viele Restaurants in der Innenstadt von einer WM-Flaute betroffen. Die normalen Fans gingen nicht in Restaurants. Barlag, der als Inhaber des Restaurants „Im Elsass“ selbst von der Besucherflaute betroffen ist, sagt: „Ich mache drei Kreuze, wenn die WM vorbei ist.“

Klare Gewinner der WM sind die Budenbesitzer auf dem Gelände der Fanfeste und die umliegenden Betriebe. Die Stuttgarter Szenegastronomin Liane Schmied berichtet indessen von erheblichen Umsatzeinbußen: „Vierzig Prozent weniger dürften es durch die WM schon sein.“ Die Inhaberin des Café Stella spricht auch für andere: In vielen Bars, so ihr Lagebericht, fehlten Gäste, selbst bei denjenigen in Top-Lagen.

Im Raum Osnabrück läuft es nicht anders. „Vom Umsatz her ist die Weltmeisterschaft für uns eher uninteressant“, betont der Vorsitzende des DEHOGA-Kreisverbandes Willage Friedrich-Wilhelm Asshorn. Mehr Gäste bringe die Weltmeisterschaft im ländlichen Raum nicht ins Haus, bestätigt ein regionaler Gastwirt. Die Fußballfreunde gingen entweder zu öffentlichen WM-Feiern oder schauten sich die Spiele vor dem heimischen Fernseher an. Der Gastronom Wolfgang Sperger, Inhaber des Münchner Hofbräuhauses, sprach bereits vor WM-Start vom Langzeiteffekt, den er sich für die Branche erhofft. Er rechnet damit, dass die Schönheiten Deutschlands und der Einblick in die Kultur im Nachhinein viele Fremde anziehen. Im Hofbräuhaus hätten bereits am ersten Spieltag zehn ausländische Fernsehteams gedreht.

Neben dem Image-Gewinn für den Gastgeber Deutschland hofft die Gastronomie, noch in einem weiteren Bereich von der WM zu profitieren: Man will sich das Phänomen Masseneuphorie weiterhin zunutze machen und kollektive Sporterlebnisse kultivieren. In den „Champions Sports Bars“ der Marriott Hotels, die mit elf Monitoren, zwei Flachbildschirmen und drei Großbildwänden bestückt sind, versucht man die Stammgäste bereits mit Hinweisen auf die kommende Tour de France, die Schützen-WM und die Schwimm-EM auf weitere große Sporterlebnisse heiß zu machen.

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