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Deutschlandurlaub liegt im Trend
Vor allem Ältere machen Ferien im eigenen Land / BAT-Stiftung für Zukunftsfragen sieht Talsohle bei Reisen durchschritten
HAMBURG. Die Reisebranche ist robust. Der Tourismus erholt sich nach jeder Krise. Ob Tsunami, Vogelgrippe oder Terroranschläge – nach jedem krisenbedingten Einbruch der Urlauberzahlen gingen die Zahlen im Folgejahr wieder nach oben. Diese Tendenz lässt sich auch 2010 wieder feststellen: „Die Reiselust der Bundesbürger ist ungebrochen und die Talsohle im Tourismus überwunden“, sagte Ulrich Reinhardt bei der Vorstellung der 26. Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg.
Positiver Aspekt für das Gastgewrbe hierzulande: In Krisenzeiten machen die Deutschen am liebsten Urlaub im eigenen Land. 37 Prozent der Reisen führten so auch im Vorjahr in Urlaubsorte zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen. Dabei konnte vor allem Baden-Württemberg mit seinen Reisezielen rund um den Schwarzwald und Bodensee seinen Anteil von 2,9 auf 3,7 Prozent steigern. Auf der anderen Seite mussten die bisherigen Spitzenreiter Bayern (8,1 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (6,8 Prozent) leichte Einbußen hinnehmen, während Niedersachsen und Schleswig-Holstein ihre Anteile im Vergleich zum Vorjahr halten konnten.
Der Trend zum Deutschlandurlaub wird nach Ansicht von Reinhardt auch durch den demografischen Wandel verstärkt.
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Vor allem Ruheständler bleiben in heimischen Gefilden. Die Best Ager zeigen ein großes Interesse an Medical Wellness und an Wanderurlaub. Sie reisen auch besonders gern mit Bussen an den Urlaubsort.
Allerdings wollen die Senioren von heute mehr als Sonne und Strand. Stattdessen beeinflussen weiche Faktoren wie Service und Qualität, Atmosphäre und Gemütlichkeit, Kommunikation und Geselligkeit die Reiseentscheidung der Älteren. „Der Urlaub muss ihnen vor allem einen Mehrwert bieten“, fügt der Tourismusexperte hinzu.
Die Ruheständler bleiben mit durchschnittlich 14 Tagen auch am längsten vor Ort. Die Zeiten des dreiwöchigen Erholungsurlaubs seien in Deutschland jedoch endgültig passé. Nach Angaben von Reinhardt pendelt sich die durchschnittliche Urlaubsdauer auf 13 Tage ein – ein Trend, der sich schon seit 10 Jahren abzeichnet. Lediglich jeder achte Urlauber verreist drei Wochen oder länger.
Die Ausgaben für einen Urlaub sind unterdessen mit im Durchschnitt
1038 Euro so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. In diesem Betrag sind nicht nur die Kosten für den Transport und die Unterkunft enthalten, sondern auch alle Nebenausgaben von Essengehen und Ausflügen bis zu Shopping und Trinkgeldern.
Das meiste Geld können im Urlaub kinderlose Paare mit durchschnittlich rund 1200 Euro pro Person ausgeben. Auch die Senioren verfügen im Durchschnitt mit 1095 Euro noch über ein ordentliches Reisebudget. Dagegen haben junge Erwachsene durchschnittlich nur 790 Euro im Urlaub zur Verfügung.
Insgesamt lässt sich die dramatische Spaltung der Gesellschaft auch beim Reiseverhalten ablesen. So konnten sich nach Angaben von Reinhardt im Vorjahr 80 Prozent aller Beamten eine Reise leisten; bei den Arbeitern waren es mit 41 Prozent nur noch halb so viele. Und während sich drei Viertel der Besserverdienenden mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3500 Euro eine Reise gönnten, konnte sich bei den Geringverdienern mit einem Einkommen von unter 1000 Euro nur noch jeder Fünfte den Traum von einer Urlaubsreise erfüllen.
„Es hat sich eine Zweiklassengesellschaft herausgebildet, die sich teilt in Mobile und Immobile“, so Reinhardt. Die einen machen sich mehr Gedanken um Reiseziele als um das Reisebudget, die anderen müssen immer öfter rechnen und sparen – und ihren Urlaub oftmals auf Balkonien oder in ihrem Garten verbringen.
www.stiftungfuerzukunftsfragen.de

