Industrie
Die Biertheken bleiben leer
Der Durst der Deutschen auf Pils geht seit zehn Jahren zurück / Hoffnung schöpfen jetzt die regionalen Brauereien
STUTTGART Den deutschen Bierbrauern stehen die Sorgenfalten auf der Stirn: Seit zehn Jahren geht der Durst auf den Gerstensaft zurück. Lag der Verbrauch 1994 noch bei 138 Litern je Einwohner, sank er bis 2004 nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes auf 115 Liter. Während vor allem große Brauereien den abnehmenden Appetit mit einem Schrumpfen der klassischen Biertrinker-Generation im Alter von 35 bis 45 Jahren erklären, stellen kleinere zudem eine Abkehr von Massenbieren hin zu regionalen Angeboten fest. So erhöhte sich beispielsweise der Ausstoß der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 100 Prozent auf 917.000 Hektoliter.
verlangsamt sich
Angesichts der Entwicklung auf dem klassischen Biermarkt will auch die Holsten-Brauerei AG ihre Position mit neuen Produkten ausbauen. „Unsere Markterhebungen spiegeln wider, dass der Verbraucher an Innovationen interessiert ist. Will die Brauerei die Gefahr von Verzettelungen gering halten, bringt sie Innovationen in Form von Line Extensions auf den Markt. Das stärkt dann wenigstens die Dachmarke“, betont Sprecher Udo Franke.
Einig sind sich die Brauereien in der Erwartung, dass der Bierkonsum weiter zurückgeht. Die Fußball-Weltmeisterschaft bringe zwar vorübergehend einen Schub, werde aber die Konsumflaute nicht aufhalten. „Die beste Marketingkampagne kann große gesellschaftliche Veränderungen wie den demografischen Wandel nicht aufheben. Auch die wirtschaftliche Situation der Konsumenten kann eine Brauerei selbst mit den innovativsten Marketingideen nicht ändern“, sagt Birte Kleppien vom Deutschen Brauer-Bund. Wenn der Verbraucher weniger Geld in der Tasche habe, bleibe der Konsum davon nicht unberührt. Dies spüre nicht zuletzt die Gastronomie.
Allerdings trifft der sinkende Bier-Absatz nicht alle Brauereien. „Selbst in einem insgesamt schrumpfenden Markt gibt es Brauereien, die wachsen. Dazu gehören auch regionale Brauereien“, meint Christoph Barre von der Privatbrauerei Barre und Sprecher der Initiative „Die freien Brauer“. Regionalität erlebe eine Renaissance. Kleinere Brauereien stellten charaktervolle Biere her, die sich nicht am Massengeschmack orientierten. Damit würden sie neue Kundengruppen gewinnen.
auf Spezialitätenstrategie
Darauf hoffen auch die 80 oberfränkischen Brauereien, die sich zu „Slow Bier“ zusammengeschlossen haben und sich jüngst auf der Hoga München (
Der Biermarkt bleibt dennoch schwierig. Zwar ist die Zunahme
der Billiganbieter gestoppt, aber die Konsumschwäche macht den Unternehmen weiter zu schaffen. Verschärft wird die Situation noch durch
die gestiegenen Energiekosten. „Wir bräuchten eigentlich eine Preiserhöhung“, meint Thomas Stauder. Der Markt werde noch geprüft. Auch die Barre-Brauerei hat noch keine Entscheidung getroffen. Anders Krombacher. Die Brauerei plant keine Preiserhöhung.
