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Nicht viel los an der Theke: Der Bierdurst sinkt Foto: Deutscher Brauer-Bund

Industrie

Die Biertheken bleiben leer

Der Durst der Deutschen auf Pils geht seit zehn Jahren zurück / Hoffnung schöpfen jetzt die regionalen Brauereien

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/12 vom 25. März 2006

STUTTGART Den deutschen Bierbrauern stehen die Sorgenfalten auf der Stirn: Seit zehn Jahren geht der Durst auf den Gerstensaft zurück. Lag der Verbrauch 1994 noch bei 138 Litern je Einwohner, sank er bis 2004 nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes auf 115 Liter. Während vor allem große Brauereien den abnehmenden Appetit mit einem Schrumpfen der klassischen Biertrinker-Generation im Alter von 35 bis 45 Jahren erklären, stellen kleinere zudem eine Abkehr von Massenbieren hin zu regionalen Angeboten fest. So erhöhte sich beispielsweise der Ausstoß der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 100 Prozent auf 917.000 Hektoliter.

Negativtrend in der Gastronomie

verlangsamt sich

Betroffen von dem insgesamt sinkenden Verbrauch sind auch die Biertheken. Nach einer Umfrage der Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft KPMG unter 260 Brauereien wird die Gastronomie weiter Marktanteile verlieren. Allerdings sieht der DEHOGA eine Verlangsamung des Negativtrends im Fassbier-Bereich. Das Minus belief sich 2005 auf 1,9 Prozent, 2004 waren es noch 3,9 Prozent und 2003 sogar 6,4 Prozent. Die Brauereien reagieren mit unterschiedlichen Konzepten. Während einige Unternehmen Innovationen wie Biermixgetränke anbieten, wollen andere ihre Marken stärken. „Der Bierkonsum wird weiterhin rückläufig sein. Um so wichtiger ist es, durch eine Premium-Politik das Vertrauen der Verbraucher in die Marke zu stärken“, sagt Franz-J. Weihrauch, Sprecher der Krombacher Brauerei. Darüber hinaus führte Krombacher Spezial-Sorten wie Radler und jüngst das Cab Lemon & Beer in den Markt ein. Die Strategie zahlte sich aus: Insgesamt hat die Brauerei laut Weihrauch 2005 ein leichtes Plus von 0,8 Prozent erzielt. Das lässt sich allerdings nur auf die Produktneutheiten zurückführen. Denn obwohl Krombacher seine Marktanteile beim Pils von 9 auf 9,1 Prozent ausbaute, sank der Ausstoß 2005 um 148.000 Hektoliter. Dennoch bleibt Krombacher das meistgetrunkene Pils vor der Marke Warsteiner.

Angesichts der Entwicklung auf dem klassischen Biermarkt will auch die Holsten-Brauerei AG ihre Position mit neuen Produkten ausbauen. „Unsere Markterhebungen spiegeln wider, dass der Verbraucher an Innovationen interessiert ist. Will die Brauerei die Gefahr von Verzettelungen gering halten, bringt sie Innovationen in Form von Line Extensions auf den Markt. Das stärkt dann wenigstens die Dachmarke“, betont Sprecher Udo Franke.

Einig sind sich die Brauereien in der Erwartung, dass der Bierkonsum weiter zurückgeht. Die Fußball-Weltmeisterschaft bringe zwar vorübergehend einen Schub, werde aber die Konsumflaute nicht aufhalten. „Die beste Marketingkampagne kann große gesellschaftliche Veränderungen wie den demografischen Wandel nicht aufheben. Auch die wirtschaftliche Situation der Konsumenten kann eine Brauerei selbst mit den innovativsten Marketingideen nicht ändern“, sagt Birte Kleppien vom Deutschen Brauer-Bund. Wenn der Verbraucher weniger Geld in der Tasche habe, bleibe der Konsum davon nicht unberührt. Dies spüre nicht zuletzt die Gastronomie.

Allerdings trifft der sinkende Bier-Absatz nicht alle Brauereien. „Selbst in einem insgesamt schrumpfenden Markt gibt es Brauereien, die wachsen. Dazu gehören auch regionale Brauereien“, meint Christoph Barre von der Privatbrauerei Barre und Sprecher der Initiative „Die freien Brauer“. Regionalität erlebe eine Renaissance. Kleinere Brauereien stellten charaktervolle Biere her, die sich nicht am Massengeschmack orientierten. Damit würden sie neue Kundengruppen gewinnen.

Kleine Brauereien setzen

auf Spezialitätenstrategie

„Die Konzentration auf dem Markt eröffnet den kleinen Brauereien Chancen“, sagt Thomas Stauder von der Privatbrauerei Jacob Stauder in Essen. Innovationen retteten nur die Mengenstatistik. Für kleine Brauereien rechne sich dagegen die Spezialitätenstrategie mit einer konsequent geführten Marke. Stauder ist damit zufrieden: „Wir haben im laufenden Jahr ein leichtes Plus.“

Darauf hoffen auch die 80 oberfränkischen Brauereien, die sich zu „Slow Bier“ zusammengeschlossen haben und sich jüngst auf der Hoga München (Seiten 6, 8) vorstellten. Ihr Ziel ist die Förderung des Kulturgutes Bier. Sie hoffen, dass es zum Kultobjekt wird. Erreicht hat diesen Status das „Tannenzäpfle“ aus der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, die ihren Absatz von 1965 bis heute von 87.000 auf 917.000 Hektoliter erhöhte.

Der Biermarkt bleibt dennoch schwierig. Zwar ist die Zunahme
der Billiganbieter gestoppt, aber die Konsumschwäche macht den Unternehmen weiter zu schaffen. Verschärft wird die Situation noch durch
die gestiegenen Energiekosten. „Wir bräuchten eigentlich eine Preiserhöhung“, meint Thomas Stauder. Der Markt werde noch geprüft. Auch die Barre-Brauerei hat noch keine Entscheidung getroffen. Anders Krombacher. Die Brauerei plant keine Preiserhöhung.Cornelia Küsel

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