Gastgewerbe International
Dunkle Diamanten aus Down Under
Der gebürtige Aschaffenburger Nicholas Malajczuk gilt in Australien als Pionier der Trüffelzucht / Exporte sind interessant für deutsche Gastronomen
MANJIMUP Wäre er Italiener oder Franzose, würde wahrscheinlich kein Hahn danach krähen und hätten seine Nachbarn anfangs wohl kaum verständnislos den Kopf geschüttelt. Aber Nicholas Malajczuk lebt nun mal am anderen Ende der Welt und geht dort einer vermeintlich mediterranen Beschäftigung nach: der Trüffelzucht. Das ist nicht nur aus hiesiger Sicht ein ungewöhnliches Unterfangen, auch in Australien selber ist der gebürtige Aschaffenburger, der als Zweijähriger mit seinen Eltern auf den fünften Kontinent auswanderte, damit fast noch ein Exot.
Bei Manjimup im äußersten Südwesten Australiens liegt Malajczuks Pilzreich. Satte grüne Hügel, viele Seen und versprenkelte Dörfer bestimmen die etwa 300 Kilometer südlich von Perth, der einzigen Großstadt im Westen von Down Under, gelegene und auch für Wein und „Giant Trees“, prächtige Mammut-Bäume, bekannte Region. 13.000 Haselnussbäume und Eichen hat Nicholas Malajczuk vor sieben Jahren gepflanzt und an ihre Wurzeln französische Trüffelsporen gesetzt. Damit gehört er zu den Pionieren in der australischen Trüffelzucht und bis heute sind er und ein paar Gleichgesinnte in Tasmanien die einzigen ihrer Art in Australien. Allerdings versucht man sich auch in Neuseeland in kleinerem Rahmen ebenfalls an den edlen Pilzen.
uns im Sommer serviert werden
Auf Knien robbt sich Nicholas Malajczuk an einen stattlichen Haselnussbaum heran, die Nase im Laub. „Das wird ein prächtiger Bursche“, kommentiert er sein Schnüffeln an einer kleinen Bodenerhebung. 2003 hat er seinen ersten Trüffel geerntet, 169 Gramm brachte der auf die Waage. Im letzten Jahr waren es schön fünfzig Stück, Gesamtgewicht vier Kilo; in Tasmanien waren es zehn Kilo.
„Dieses Jahr rechnen wir mit 50 Kilo“, schätzt der Funghi-Mann und zeigt stolz ein über ein Kilogramm schweres Exemplar der laufenden Ernte. Kein schlechtes Ergebnis bisher, geschäftlich richtig interessant wird es jedoch erst mit der doppelten Menge, weshalb man sich auch schon mit Expansionsplänen beschäftigt. Immerhin aber werden schon Restaurants in Perth wie das „Fraser’s“ , einer der führenden westaustralischen Food-Tempel, mit den schwarzen Diamanten beliefert und auch der Vertrieb in Sydney läuft inzwischen gut an. 2500 australische Dollar, das sind rund 1500 Euro, bringt ein Kilo, Top-Qualitäten wechseln für rund 1800 Euro den Besitzer.
Mit Pilzen hatte Malajcuk schon immer etwas am Hut. Studierter Forstwirt mit Doktortitel ist er, sein Spezialgebiet sind Waldpilze. Seine Eltern waren Flüchtlinge aus dem Raum der ehemaligen Sowjet-Union, er selbst kam in Deutschland zur Welt und wanderte 1949, als er zwei Jahre alt war, mit seiner Familie nach Australien aus. In China – das Reich der Mitte baut auch Trüffel an, aber die seien „sch..“ meint er –, Frankreich und Tasmanien hat er in der Vergangenheit mit den wertvollen Knollen gearbeitet und sich zu dem australischen Exper-ten in Sachen „schwarzes Gold“ entwickelt. Irgendwann war die Zeit reif für eigene Trüffel. Kein einfaches Unterfangen in der südlichen Hemisphäre, meint Malajczuk. Man bräuchte Bedingungen wie in Frankreich, kalte Winter, warme Sommer und den richtigen Boden. Frankreich mag in Europa liegen, aber ähnliche Verhältnisse könne man auch auf der anderen Erdhalbkugel schaffen. Vor allem die klimatischen Bedingungen sind ideal. Manjimup erfreut sich ebenso wie das nahe gelegene Wein-Eldorado Margaret River eines fast idealen mediterranen Klimas; nur mit dem Regen hapert’s zuweilen, es wird künstlich gewässert. Weil die Verhältnisse so perfekt und Wein und Trüffel so ein hübsches Gespann sind, brachte auch Malajczuk beides zusammen und fand 20 Investoren, die in die „The Wine & Truffle Company“, eine Aktiengesellschaft, investierten.
Einer der jungen, aufstrebenden australischen Winemaker, Mark Aitken, wurde 2002 verpflichtet und kümmert sich seither um Riesling, Chardonnay, Merlot und Cabernet; 168.000 Flaschen werden pro Jahr abgefüllt, außerdem wird auch noch ein wenig Olivenöl produziert. Malacjzuk kümmert sich zur Zeit um rund 20 Hektar Trüffelgrund; bis vor anderthalb Jahrzehnten war die schmucke Farm von Eukalyptuswald bedeckt bevor sie zum Agrarland umfunktioniert wurde. „Rund 35 Sorten schwarzen Trüffel gibt es in Frankreich, nur zwei bis drei sind top, der Rest ist Mist“, analysiert der Funghi-Doktor. Wie in Australien üblich ging man das Investment mit großem Einsatz und strategisch geplant an und hat erst mal verschiedene Sporen per DNA-Test auf ihre Australientauglichkeit getestet und umfangreiche Bodenproben durchgeführt, um die Verhältnisse denen in Frankreich anzugleichen. Mit Erfolg: Letztes Jahr hätten Einkäufer aus Frankreich vorbeigeschaut, die hätten keine Geschmacksunterschiede festgestellt, sagt ein Mann, der bei weitem nicht alles in den Himmel lobt. Der Wine-and-Truffle-Riesling beispielsweise sei okay, aber natürlich längst nicht so gut wie deutscher.
Malajcuk bei der Knollensuche
Das ist vonnöten, will er nur einmal all seine in Reih und Glied stehenden Bäume abschreiten – ein Spaziergang von 40 Kilometern, der noch weit länger wird, wenn er in den nächsten Jahren schrittweise seinen Plan in die Tat umsetzt, bis zu fünfmal mehr Bäume zu pflanzen. Bis dahin muss er auch noch viel Aufklärungsarbeit bei seinen Landsleuten leisten. Malajczuk: „Die meisten denken, dass Trüffel Schokolade ist.“

