Lieferanten
Edelstahl teurer als je zuvor
Hersteller von professioneller Küchentechnik reagieren mit Preiserhöhungen, niedrigeren Rabatten und Materialeinsparungen auf die Entwicklung am Weltmarkt
STUTTGART. „Die Lage auf dem Markt für Edelstahl hat sich weiter verschärft.“ Hinter dieser Mitteilung des Industrieverbandes Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) steckt eine klare Botschaft. Rostfreier Edelstahl wird teurer – und damit auch die Produkte aus dem Werkstoff, beispielsweise Küchen-Großgeräte.
„Die Preise klettern seit Langem nur nach oben“, erklärt Dieter Knospe, Referent Wirtschaft beim HKI. Die Gründe dafür liegen nach seinen Angaben vor allem in der hohen Nachfrage in Asien und den USA, in den Spekulationen auf den Nickelpreis sowie in der Angebotsverknappung durch den folgenschweren Produktionsausfall im Thyssen-Werk Krefeld.
Auch wenn die Zulieferindustrie verstärkt nach Substituten sucht, sind Ersatzmaterialien kurzfristig nicht zu erwarten. Also müssen die Hersteller von Großküchentechnik und Zubehör Wege finden, um die enorm gestiegenen Herstellungskosten abzufangen. Zwei Varianten sind üblich: Preiserhöhungen oder geringere Rabatte in den Kundenverträgen mit Gastronomie und Hotellerie.
Innovationen als Lösung
Mareike Fischer, Marketingfachfrau bei Blanco in Oberderdingen, bestätigt: „Die für Edelstahl berechneten Legierungszuschläge haben sich seit Januar 2006 um 50 Prozent erhöht. Die weitere Preisentwicklung kann man nicht absehen. Diese Effekte können wir nicht mehr nur über innerbetriebliche Kosteneinsparungen auffangen. Trotzdem wollen wir auch steigende Rohstoffpreise so gut wie möglich auffangen.“
Einen anderen Weg weist Christian Kurtzke, Geschäftsleitung der Rieber GmbH & Co. KG, Reutlingen: „Im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung der Materialpreise haben wir damit begonnen, in unseren Innovationen den Bedarf an Edelstahl zu reduzieren.“ Als Beispiel, wie sich mit weniger Material höherer Mehrwert erzielen lässt, führt er die neue Varithek Servocuccina-Produktfamilie ins Feld: „Diese leichten Küchenstationen benötigen im Vergleich zu stationären Anlagen nur einen Bruchteil des Edelstahls.“
Eine andere Möglichkeit ist das so genannte Mehrschichtmaterial, bei dem ein Aluminiumkern von Edelstahl ummantelt wird. Aktuelles Beispiel dafür sind die Thermoplates von Rieber. Hier ist der Einsatz von Edelstahl deutlich reduziert, gleichzeitig verteilt sich nach Herstellerangaben die zugeführte Energie schneller als bei herkömmlichen Platten auf die Speisen.
Was bleibt Hoteliers und Gastronomen, die neu investieren wollen oder veraltete Geräte ersetzen müssen? Vor allem gewissenhafte Preis- und Leistungsvergleiche. „Die Entscheidung sollte aber nicht automatisch zugunsten eines vermeintlich günstigen Angebot fallen“, rät Dieter Knospe. Vielmehr sind Geräte-Eigenschaften und Leistungsparameter zu prüfen, Gesamtpakete der Anbieter, Service, Beratung und Wartungsverträge, Liefer- und Rabattkonditionen abzufragen. Der HKI-Referent verweist außerdem darauf, dass die Geräte normengerecht gebaut sein sollten und dass auf die Einhaltung bestimmter Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit zu achten ist.
„Wenn an der falschen Stelle am Material gespart wird, bleiben Arbeitssicherheit, Hygiene, Bedienerfreundlichkeit und Brandschutz auf der Strecke“, so Knospe. Und das ist weder im Sinne der Mitarbeiter in Küche und Service, noch der Hoteliers und Gastronomen. Petra Mewes
www.hki-online.de
