Märkte & Unternehmen
Ein Frauenzimmer auf dem Lande
Mintrops leiten mit Erfolg zwei Hotels / Themenräume für Ritter und Damen in dörflicher und städtischer Umgebung
ESSEN. Selten gelingt ein Spagat so überzeugend wie in den privaten „mm Hotels“ in Essen. Mintrops Land Hotel Burgaltendorf (mit dem grünen „m“ als Symbol) ist ein ländliches Refugium am Essener Stadtrand. Mintrops Stadt Hotel Margaretenhöhe (mit rotem „m“) ist in einem historischen Gebäude der Jugendstil-Kruppsiedlung untergebracht. Zusammen bilden sie ein 4-Sterne-Duett.
„Unsere Gäste sind überrascht, weil ihre Erwartungen auf den Kopf gestellt werden“, meint Harald Mintrop. „Das Business Hotel im Stadtkern ist eine stille Oase. Und doch befindet man sich mitten im Geschehen, hat es nicht weit zum Flughafen oder zur Messe. Im Landhotel dagegen ist Ruhe eine selbstverständliche Voraussetzung. Die Lebendigkeit und Frische, die das Haus ausstrahlt, erwartet man hier kaum.“
Verbunden sind die beiden Häuser durch die gleiche Philosophie. Mit der Formel „Begegnung von Mensch zu Mensch“ lässt sie sich am einfachsten erklären. „Begegnungen, die auf verschiedenen Ebenen stattfinden“, ergänzt Unternehmer Harald Mintrop. „Begegnung zwischen Führung und Mitarbeitern, zwischen Mitarbeitern und Gästen.“
Der Hotelier ist als studierter Elektrotechniker ein Quereinsteiger. Er weiß, dass sein Erfolgskonzept sehnsüchtig beobachtet wird. Und wundert sich bisweilen, dass ihm bisher alles so leicht von der Hand ging. Acht Jahre wohnte er bei beruflichen Abstechern ins Ruhrgebiet stets im damaligen Burghotel Mintrop. Heiratete Maria, die Tochter des Hoteliers, übernahm 1984 mit seiner Frau die Verantwortung für den Betrieb, erweiterte ihn 1989 um 20 Zimmer und benannte ihn um in Mintrops Land Hotel Burg Altendorf. So entstand eine der schmucksten Herbergen weit und breit, liebevoll ausstaffiert mit originellen Gästeräumen, darunter Frauen-Zimmer oder Turnierzelt-Zimmer mit verspieltem Ritter-Dekor.
„Wir wünschten uns eine avantgardistische Burg“, so Harald Mintrop, „daher gibt es überall verspielte historische Anmutungen wie Lanzen, Speere, Harnische. Die meisten Besucher sind erstaunt, auf dem platten Land ein solches Designhotel vorzufinden.“ Begehrt ist es auch bei Tagungsteilnehmern, die 54 Prozent der Gäste ausmachen. Gerade ergatterte das Haus wieder die Silber-Medaille unter den besten Tagungshotels zum Wohlfühlen 2007/2008.
In der Lobby und im Restaurant, das auch Nachbarn und Essener Feinschmecker anlockt, lebt das Hotelier-Ehepaar seine Affinität zu Kunst und Design aus. Damit, so könnte man meinen, seien selbst die umtriebigsten Gastronomen ausgelastet. Nicht so Maria und Harald Mintrop. Als ihnen das Hotel auf der Margaretenhöhe angeboten wurde, griffen sie zu. „Wir haben es geschafft, die Philosophie des einen auf das andere Haus zu übertagen“, sagt Harald Mintrop zufrieden. „Oft werden wir gefragt, wie uns das gelungen ist. Und manch einer hätte meine Frau gern für einen lukrativen Job abgeworben. Sie entwickelt bei unseren Mitarbeitern geradezu hellseherische Fähigkeiten, spürt genau, wem man eine Chance geben sollte.“
Woher kam sein Antrieb, ein zweites Hotel zu übernehmen? „Wenn jemand die Fähigkeit besitzt, ein guter Gastgeber zu sein – hat er dann nicht geradezu die Pflicht, dieses Talent zu nutzen?“ Ein glücklicher Schritt. „Die Margaretenhöhe läuft von allein, und sie läuft sehr erfolgreich“, sagt er. Allenfalls zwei Stunden pro Woche seien vor Ort aufzuwenden, alles andere regle sich über Telefonate, Mails und Meetings. Die 100 Mitarbeiter sind darauf eingeschworen, die Philosophie der Mintrops dem Gast gegenüber zu vertreten. „Wenn er hereinkommt, muss er sich willkommen fühlen. Dazu gehört, dass man mit offenen Armen auf ihn zugeht.“ Regina Goldlücke
