Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Er gilt als bunter Hund in der Branche, nicht nur weil er bei seinen zahlreichen öffentlichen Auftritten Fantasieuniformen und grell gemusterte Sakkos trägt. Bekannt ist Claus-Dieter Hübsch für Sprüche wie: „Wer was wird, wird Wirt, wer’

Systemgastronomie

Er nennt sich auch „Kneipenflüsterer“

Mit provokanten Thesen, ungewöhnlichen Ideen und bühnenreifen Auftritten mischt Claus-Dieter Hübsch seit über 20 Jahren die Branche auf

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/26 vom 1. Juli 2006

Er gilt als Erfinder der Systemgastronomie und nennt sich selbst auch schon mal „Kneipenflüsterer“. Fakt ist: Der Unternehmensberater, Entertainer, Buchautor und zeitweise praktizierende Wirt Claus-Dieter Hübsch hat mit seinen provokanten Thesen schon so manchen Gastronomen irritiert und aus dem unternehmerischen Dornröschenschlaf gerissen.

„Ich habe die operative Gastronomie nie gelernt“, sagt der studierte Kommunikationswirt und Marketingexperte über sich. „Vor der Theke war ich immer sehr gut, hinter der Theke wusste ich nichts. Aber ich verstehe etwas von Menschen.“ Die Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte und Bedürfnisse seiner Gäste zu kennen, sei denn auch die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches gastronomisches Konzept.

Bis Hübsch allerdings entdeckte, was hinter der Theke abgeht, sollten noch ein paar Jahre verstreichen. 1969 machte sich der heute 59-jährige Querdenker in seiner Heimatstadt Goslar zunächst mit der wie er sagt kleinsten Werbeagentur der Welt (auf vier Quadratmetern) selbständig. Von den Gewinnen des langsam expandierenden Geschäftes habe er in Goslar ein historisches Haus gekauft. Als der Hauptmieter im Erdgeschoss auszog, sei ihm zum ersten Mal die Idee gekommen, eine Kneipe zu eröffnen. Ein Konzept hatte er bereits im Kopf. Sein Vorbild war das „Kuhdorf“ an der Joachimsthaler Straße in Berlin („Meine Stammkneipe damals“). So machte 1981 das erste „Pupasch“ in Goslar auf. Der Name der Kneipenkette, erklärt Hübsch, gehe auf ein mittelalterliches Süßbier aus der Region zurück, das wegen seiner blähenden Wirkung im Volksmund Pupasch genannt wurde.

„Der Erfolg war phänomenal“, erinnert sich der Gastronom, der schneller als gedacht das operative Geschäft gelernt hatte. „Wir haben auf einer Fläche von 100 Quadratmetern 100 Hektoliter Bier im Monat verkauft. Unser Spaß- und Erlebniskonzept mit Animateuren und verkleideten Kellnern, die mit den Gästen tanzten und Partys abfeierten, passte genau in die Zeit. Die Brauereien boten Geld an ohne Ende, um das Konzept zu multiplizieren.“

So hat Hübsch mit seinem Partner Jürgen Koch in den folgenden Jahren über 30 Pupasch-Betriebe in allen Teilen Deutschlands eröffnet. Dazu die Franchisekette Pflaumenbaum. „Mit über 100 Millionen Mark Umsatz standen wir Anfang der neunziger Jahre auf Platz 13 der größten deutschen Gastronomen, zwischen Block House und Maredo“, sagt Hübsch nicht ohne Stolz. Er war auf dem Höhepunkt seines Erfolges.

Doch dann musste der Erfolgsmensch, der als Unternehmensberater Anderen gute Ratschläge erteilt, mit ansehen, dass er selbst nicht in der Lage war, sein eigenes Unternehmen zu retten. Selbst das von ihm formulierte Gesetz der fünf „As“: Mache „alles anders als alle Anderen“ griff nicht mehr. 1995 verabschiedete sich der Gastronom aus dem operativen Geschäft.

Hübsch: „Seit 1991 haben wir auf bestehenden Flächen keinen Umsatzzuwachs mehr erzielt. Der Markt wollte das Konzept nicht mehr. Der gnadenlose Lebenszyklus, dem jedes Gastro-Konzept irgendwann einmal unterliegt, schlug erbarmungslos zu. Nach 15 Jahren war eine neue Generation junger Menschen mit neuen Bedürfnissen herangewachsen.“ Einige Pupaschs konnte Hübsch verkaufen, andere gingen in Insolvenz. „Diese Erfahrung war sehr schmerzhaft und hat meinem Ego stark zugesetzt. Pupasch war mein Lebenswerk“, sagt er offen.

Eigentlich wollte sich Hübsch jetzt ganz seiner Referenten- und Beratertätigkeit widmen. „Ich bin ein Mensch, der die Mission hat, Botschaften zu transportieren.“ Vor allem der richtige Umgang mit den Mitarbeitern liegt ihm am Herzen: „Der Millennium-Megatrend: Ich lobe meine Mitarbeiter.“ Doch dann kreuzte die „Ständige Vertretung“ oder kurz StäV, seinen Weg. Die Kölsch-Kneipe in Berlin, Treffpunkt der politischen Szene in der Hauptstadt und 1999 Gewinnerin des Herforder Preises, hatte es ihm angetan. Er exportierte das Konzept erfolgreich nach Hamburg und nach Hannover, der Heimatstadt des damaligen Bundeskanzlers. Allerdings begleitet er die Projekte nur noch als Teilzeit-Berater. Die Geschäfte führt seine Frau Gudrun. Wie im Plaza und in der Trude, zwei neuen Gastro-Konzepten in Hamburg, die so gut zu laufen scheinen wie die „Pupaschs“ zu ihren besten Zeiten. Und was sind die Erfolgsrezepte? „Speisequalität, Food-Optik, Atmosphäre, Freundlichkeit, Herzlichkeit und Aufmerksamkeit, sowie die Lage“, sagt Hübsch. „Wenn man es dann noch schafft, drei Generationen anzusprechen und das Konzept ganztagsfähig ist, ist der Erfolg nicht zu verhindern.“ Doch Hübsch wäre nicht Hübsch, wenn er neben seiner neuen Rolle als Berater seiner Frau nicht noch weitere Eisen im Feuer hätte.

Als Präsident der „Gastroholix“, einem lockeren Verbund Hamburger Gastronomen, plant er bereits die nächste Kneipe. Ein Ausbildungsrestaurant, das von rund 20 Gastronomen gemeinsam gegründet werden soll, um den Nachwuchs zu fördern. Der Nachwuchs genießt auch privat bei ihm zur Zeit höchste Priorität: „Mein dreijähriger Sohn Klingsor ist meine ganze Leidenschaft.“

Mathias Thurm

Kommentieren Drucken
Auch interessant

Für Pokaljäger

Wettbewerbe für die gastliche Branche gibt es zuhauf. mehr...

Weitere Artikel aus Märkte und Unternehmen vom 01.07.2006 :

Aus der Branche: Für Pokaljäger (01.07.2006)
Aus der Branche: Wettbewerbe fördern die Kreativität (01.07.2006)
Havelland Express: Trommelfisch-Premiere im Kempinski München (01.07.2006)
Gourmondo: Spezialitäten online bestellen (01.07.2006)
Frowein Group: Umfassendes Sortiment „made in Thüringen“ (01.07.2006)
MANK: Servietten für den kommenden Herbst (01.07.2006)
Marie Brizard: Curaçao Orange für tropische Drinks (01.07.2006)
Industrie: „Gastronomen sollten WLAN anbieten“ (01.07.2006)
Industrie: Vectron Systems wieder eigenständig (01.07.2006)
Aktuell: ZAHL DER WOCHE (01.07.2006)

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel