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Erfolg hat keine Nationalität
Im Gastgewerbe haben ausländische Jugendliche gute Chancen / Systemgastronomie ist begehrt
BERLIN Immer weniger ausländische Jugendliche finden einen Ausbildungsplatz. Das belegt eine Studie des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung. Demnach ist zwischen 1999 und 2004 ihr Anteil an allen Lehrlingen in den alten Bundesländern um 29,1 Prozent gesunken.
Rustam Mammadow hat es dennoch geschafft: Der 20-jährige Aserbaidschaner hat einen Ausbildungsplatz zum Restaurantfachmann im neuen Berliner Maritim-Hotel. Um die heiß begehrte Lehrstelle zu bekommen, stieg er vor zwei Jahren als Praktikant im Maritim Pro Arte Hotel ein. „Für das Praktikum habe ich mich in etwa fünf Häusern beworben“, so Mammadow. Die Zusage bei Maritim kam schnell.
„Die Chancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund im Gastgewerbe sind überdurchschnittlich gut“, sagt Sandra Warden, Geschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes. In der international orientierten Branche seien ihre besonderen Fähigkeiten wie sprachliche und interkulturelle Kompetenz sehr gefragt.
Doch die Zahlen des Statistischen Bundesamt können das nicht ganz belegen. So lag der Anteil ausländischer Jugendlicher bei den Auszubildenden im Gastgewerbe bei nur 3,57 Prozent.
Im Durchschnitt aller Branchen liegt der Anteil mit 4,6 Prozent deutlich höher. Nicht mitgerechnet sind in der Statistik allerdings Jugendliche mit Migrationshintergrund aber deutschem Pass.
Besonders hoch ist der Anteil der ausländischen Azubis in der Systemgastronomie. 8,6 Prozent derjenigen, die eine Lehre als Fachmann oder –frau machen, haben keinen deutschen Pass. Bei den Köchen sind es hingegen nur 2,4 Prozent. „Gerade Köche werden oft in traditionellen Betrieben ausgebildet“, berichtet die DEHOGA-Geschäftsführerin. Sie könne sich vorstellen, dass dort die Affinität zu ausländischen Jugendlichen und solchen mit Migrationshintergrund nicht immer so gegeben sei.
„Manchmal sind im Gastgewerbe aber auch fehlende Sprachkenntnisse eine Barriere“, weiß Warden. Wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) ergab, haben Bewerber mit Migrationshintergrund hier zum Teil tatsächlich Defizite. So hatten 26 Prozent der deutschen Bewerber im Jahr 2004 eine gute bis sehr gute Deutschnote im Abschlusszeugnis. Bei den Bewerbern mit Migrationshintergrund waren es nur 18 Prozent. Allerdings steigt die Zahl dieser Jugendlichen, für die Deutsch die erste erlernte Sprache ist. Insgesamt 52 Prozent geben in der BiBB-Untersuchung an, dass Deutsch ihre Muttersprache ist. Rund 80 Prozent davon haben noch eine zweite Muttersprache.
Gerade in dieser Zweisprachigkeit können im Gastgewerbe große Chancen liegen. „Wer Gästekontakt hat, sollte ein gewisses Maß an sprachlichem Talent mitbringen“, sagt Claus-Dieter Jandel, Generalbevollmächtigter Human Ressources bei Steigenberger. Mehrsprachigkeit sei da sehr nützlich. „Die Frage ist aber, welche Sprache zusätzlich gesprochen wird“, betont DEHOGA-Geschäftsführerin Warden. Während fundierte Englisch- oder Französischkenntnisse die Job-Aussichten in der Branche deutlich verbessern könnten, sei Türkisch weniger gefragt.
sind erlernbar
„Wichtig ist, dass die Leute begeistern können“, stellt Jandel fest. So wie der neue Kochazubi in der „Decksteiner Mühle“ in Köln-Lindenthal aus Venezuela. „Er wurde mir von der IHK empfohlen und hatte eine gute Ausstrahlung“, sagt Gastronomin Maria Fernandez. Insgesamt fünf Nationen sind derzeit in ihrer Küche vertreten – wie in den meisten international zusammengemischten Küchen gibt es auch dort kaum Verständigungsprobleme. „Ich bin mit seinen Leistungen sehr zu frieden“, sagt Fernandez.
Auch Daniela Algül hat die Fähigkeit, zu begeistern. Während eines Praktikums in London konnte sie ihre Kollegen für sich gewinnen. Beim Ausbildungsträger Kiezküchen in Berlin steht die Deutsche mit türkischen Wurzeln kurz vor dem Abschluss ihrer Lehre zur Restaurantfachfrau. „Wenn ich meine Prüfung bestehe, habe ich reelle Chancen, in London einen Job zu bekommen“, blickt sie nach vorn.
Doch nicht jeder Jugendliche und junge Erwachsene kann ausgeprägte „soft skills“ vorweisen. „Oft fehlt den Schulabgängern einfach die Ausbildungsreife“, sagt Sandra Warden.
Ob nun deutsch oder mit Migrationshintergrund: Pünktlichkeit, Höflichkeit und soziale Fähigkeiten seien bei manchen Bewerbern unterentwickelt. Manches könnten die Auszubildenden aber auch während der Lehre lernen. Umgangsformen, Rhetorik und Höflichkeit gehörten dazu, so Jandel. Persönlichkeit hingegen müssten sie schon haben. „Bei der Auswahl legen wir bei allen Auszubildenden, egal welcher Herkunft sie sind, die gleichen Maßstäbe an“, unterstreicht der Steigenberger-Manager. „Es ist ganz normal, dass Ausländer bei uns arbeiten.“ Daran kann sich die Branche ein Beispiel nehmen. Denn noch gibt es einigen Aufholbedarf, um wenigstens den branchenübergreifenden Durchschnitt zu erreichen. Damit viele junge Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance haben – so wie Rustam Mammadow.
