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Dicht bevölkert: Die Salzburger Getreidegasse Foto: Hans Joachim Ballauff

Touristik

Erfolgsrezept um ein Lied

Mustergültige Vermarktung: Salzburg-Tourismus schnürt Angebots-Pakete um das Lied „Stille Nacht“ / Eindrucksvolles Ergebnis bei derHotelbelegung in der Region

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/2 vom 13. Januar 2007

SALZBURG. Auf das Rezept muss man erst einmal kommen: Man nehme die Orte, die mit dem Weihnachtslied „Stille Nacht. Heilige Nacht“ zu tun haben, ziehe etwas Salzburger Weihnachtsromantik unter, würze mit einer Prise Nostalgie und serviere das Produkt in Form fix und fertig vorbereiteter Package-Touren. Schöpfer dieser wohlschmeckenden Mahlzeit ist der Halleiner Wirt Ernst Kronreif – Gasthof Hohlwegwirt, 14 Gault-Millau-Punkte –, der zudem als Obmann des Tourismusverbands Hallein ständig auf der Suche nach Gästen für die Gastronomie im Umfeld des Tourismusmagneten Salzburg ist.

Gegenüber der AHGZ berichtete der innovative Wirt und Küchenchef, der seinen Familienbetrieb in der fünften Generation führt, von dem riesigen Schatten, den die nahe gelegene Kultur-Metropole Salzburg auf die Gastbetriebe der Umgebung wirft. Auf der Suche nach einer zugkräftigen ländlichen Attraktion sei ihm daher das bekannte Lied eingefallen. Dieses wurde im Land Salzburg 1818 von dem Lehrer und Komponisten Franz Xaver Gruber und dem Pfarrer Joseph Mohr (Text) geschrieben. Und es ist in fast allen Ländern der Erde bekannt.

Diese internationale Strahlkraft wollte Kronreif touristisch nutzbar machen und dabei die Lebens- und Schaffensorte der Autoren einbeziehen. Die Verantwortlichen in den Salzburger Tourismusorganisationen leisteten mit ihren Marketing-Experten der inzwischen gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Stille Nacht Land Salzburg“ Schützenhilfe.

Das Ziel der Aktion war und ist die bessere Vermarktung der „Stille Nacht“-Geschichte unter Einbindung des bäuerlichen Kulturguts. Voraussetzung hierzu: eine stärkere und breitere Angebotsentwicklung im Hinblick auf den Advent- und Weihnachtstourismus. So das Urteil Ernst Kronreifs.

Gesagt, getan. Wie gut die Idee, ein bekanntes Weihnachtslied als Tourismus-Magneten weltweit einzusetzen, auf dem hart umkämpften Tourismusmarkt angekommen ist, beweist der riesige Zuspruch für die von den Salzburger Experten entwickelten 3- bis 7-tägigen Package-Touren mit Übernachtungen in den Hotels Salzburgs und der Region. Salzburg verzeichnete für 2006 einen Besucherzuwachs von mehr als 18 Prozent. Die Auslastung auch der regionalen Hotels lag während der Advents- und Weihnachtszeit annähernd bei 100 Prozent. Und selbst die Hotels umliegender Orte wie Laufen oder Bad Reichenhall profitierten von dem Weihnachts-Boom der „Stillen Nacht“. In Oberndorf an der Salzach, wo eine romantische Kapelle an die Uraufführung des Liedes 1818 erinnert, gaben sich die Besucher die Klinke in die Hand – um danach die Orte Arnsdorf und Hallein mit ihren Stille-Nacht-Gedenkstätten zu besuchen.

Ein Modell mit Vorbildcharakter: Für Bayern stellt sich angesichts dieser Erfolge die Frage, warum noch niemand auf die Idee kam, das ebenso berühmte Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ auf die gleiche Weise zu vermarkten. Dieser „Weihnachts-Hit“ entstammt der Feder des Pfarrers und späteren Augsburger Domkapitulars Christoph von Schmid. Der als Jugenderzieher bekannt gewordene Geistliche schrieb das Lied während seiner Zeit im Unterallgäuer Dorf Tussenhausen nahe Mindelheim, wo es in einer romantischen Kapelle uraufgeführt wurde. Hans Joachim Ballauff

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