Konzepte: Lina’s in Paris/Frankreich
Fastfood für gehobene Ansprüche
PARIS. Das Sandwich, das man traditionell in Pariser Bistros bekommt und das wochentags für viele in der französischen Hauptstadt Arbeitende als Mittagsmahlzeit herhalten muss, zeugt von wenig Einfallsreichtum. Ein aufgeschnittenes, mehr oder weniger knuspriges Stück Baguette wird mit Butter bestrichen und mit gekochtem Schinken oder Käse, ferner einem nur zu oft welken Blatt Salat sowie ein paar Scheiben Tomate belegt und zugeklappt.
Das ist kein Ruhmesblatt für die Grande Nation der Gastronomie, fand vor rund 20 Jahren die in Paris lebende Libanesin Lina Ghosn. Damit würde man sich nicht gegen die internationalen Hamburger-Ketten behaupten können. Was ihr fehlte, war eine anspruchsvolle Alternative, wie man sie schon in London, New York oder Tokio finden konnte. Also machte Lina Ghosn 1989 ihre erste „Sandwicherie“ auf, die sie schlicht Lina’s nannte, und deren Konzept sich an den eigenen Ansprüchen orientierte. Dieses 180 Quadratmeter große Ecklokal in der Nähe des Pariser Victoire-Platzes gibt es noch heute, nur dass es inzwischen zu einer Kette von weltweit nahezu 100 Lina’a-Filialen gehört, davon allein fast 20 in Paris und Umgebung.
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Was macht den seit 20 Jahren anhaltenden Erfolg aus? Grundsätzlich werden nur frische Zutaten verwendet, die zumeist von Erzeugern kommen, die Lina’s exklusiv beliefern und ein gleichbleibend hohes Qualitätsniveau garantieren können. Die Zubereitung erfolgt unter den Augen des Gastes.
Mix zum Mitnehmen
Die Karte, die zweimal im Jahr wechselt und dabei die besonderen Speisegewohnheiten der Sommer- und Winterzeit berücksichtigt, umfasst etwa 40 Produkte aus einem Fundus von mehr als 140 selbstentwickelten Rezepten. Doch was die Köche erdacht und ausprobiert haben, muss erst noch durch einen Ernährungsfachmann geprüft werden, bevor es ins Menü aufgenommen wird. Denn bei Lina’s isst man besonders gesund und fettarm.
Im Mittelpunkt des breiten Angebots steht das „Sandwich nach Maß“, das sich der Gast nach Wunsch zubereiten lässt. Dazu kann er unter vier Brötchen oder Brotsorten wählen. Bestrichen wird das aufgeschnittene Sandwich mit Majonaise oder Senf, Tomaten- oder Artischockenpaste, Cocktailsause oder Weißkäse mit frischen Kräutern, alles hausgemacht. Für den Belag kann man unter verschiedenen Schinken- und Käsesorten, Roastbeef, Putenbrust, gebratenen Speckstreifen, Lachs, Crevetten mit Avocado, Thunfisch und gekochtem Ei wählen oder auch mehrere dieser Zutaten kombinieren.
Daneben werden auch bereits fertige Club-Sandwichs und Salatmischungen angeboten. An warmen Speisen gibt es französische Quiche, Nudelgerichte und Gemüsesuppen. Beim Dessert kann man unter Cookies, Brownies und anderen Gebäcksorten, Obstsalat, Weißkäse- und Joghurtspezialitäten oder Cremespeisen wählen. Dazu gibt es Fruchtsäfte, Kaffee- und Teespezialitäten, Tischwein, Bier und Mineralwasser. Alle Speisen und Getränke sind zum Mitnehmen.
Wer es besonders eilig hat, kann sein Menü vorab per Internet bestellen, mit der Geldkarte bezahlen und es dann ohne Zeitverzug zum vereinbarten Zeitpunkt in der von ihm gewählten Filiale abholen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich Sandwichs für ein Buffet ins Büro oder nach Hause liefern zu lassen. Per Internet kann man dafür einen oder mehrere Kartons mit jeweils 32 kleinen dreieckigen Sandwichs bestellen.
In der ältesten Filiale am Victoire-Platz werden täglich 50 bis 70 solcher Lieferungen vorbereitet und dann per Motorrad- oder Fahrradboten ausgefahren. „Wir haben einen großen Anteil Stammkundschaft“, sagt Laure Verdeau, die Marketing-Chefin von Lina’s Paris. „In der Filiale am Victoire-Platz sind es viele Models oder Designer der Modefirmen, die in diesem Viertel besonders zahlreich sind. In der Filiale nahe des Champs-Elysées sind es viele Studenten einer benachbarten Hochschule.“ Von den Gästen sind 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer. „Das gehobene Niveau des Angebots und der große Anteil von Bio-Produkten bringt natürlich etwas höhere Preise mit sich, aber die werden von den Gästen akzeptiert“, sagt Verdeau. Die Preise liegen zwischen 4,20 und 9 Euro.
Marke mit Style
Seit die Investoren Michel und Jean-Luc Cohen die Kette vor eineinhalb Jahren übernommen haben, stehen bei Lina’s die Zeichen auf Erneuerung und Modernisierung. Heute konzentriert man sich mehr denn je auf die Prinzipien, die der Gründung der Kette 1989 durch Lina Ghosn zugrunde lagen. An erster Stelle steht die Spitzenqualität des Speiseangebots. Zweite Priorität ist die noch schnellere Abfertigung der Gäste. Drittens wird die Marke gegenwärtig einem gründlichen Facelift unterzogen, das Erscheinungsbild vereinheitlicht.
Bei den Fassaden ist man zum Dunkelgrün der Gründerjahre zurückgekehrt. Ansonsten dominieren beim Geschirr und der Raumgestaltung Weiß und Schwarz. Das Mobiliar ist minimalistisch, mit viel kühlem Stahl und warmen Birkenholzflächen. Das soll Modernität und Naturnähe demonstrieren.
Die ebenfalls betont schlicht gestalteten Verpackungen werden nur noch aus Recycling-Pappe und biologisch abbaubarem Bioplastik hergestellt. „Lina’s zeichnet sich durch frische, gesunde und fettarme Produkte aus“, betont Verdeau, „aber wir legen auch Wert auf nachhaltige Entwicklung – in puncto Natur, in den sozialen Beziehungen und im Verhältnis zu unseren Gästen.“ Ralf Klingsieck




