Hotellerie
Frauen wünschen mehr als Bett und Bad
Oft sind es nur Kleinigkeiten, die ein Hotel frauenfreundlicher machen und bewirken, dass weibliche Gäste es in guter Erinnerung behalten. Dabei geht es nicht um Blümchentapete oder Frauenzeitschriften, sondern um nutzwertige Services oder Extras.
Jede vierte Geschäftsreise wird von einer Frau unternommen. Tendenz steigend. Frauen benutzen ein Hotel anders als Männer, sagt, wie berichtet, Ute Brandes. Die Professorin der Köln International School of Design hat mit Studenten „Frauenzimmer – wie Businessfrauen sich Hotels wünschen“ untersucht und 100 vielreisende Frauen befragt.
Zimmer ohne Teppichböden
Ergebnisse: Frauen nutzen lieber den Roomservice als die Minibar zu plündern. Sie schauen so gut wie nie Pay-TV. Lieblose und überteuerte Wellness-Angebote im Spa stoßen auf wenig Interesse. Frauen wünschen sich, dass ihnen das Parken in dunklen Tiefgaragen erspart bleibt und: Statt am Katzentisch zu landen, suchen sie sich lieber ein Restaurants in der Umgebung oder essen auf dem Zimmer.
Wert legt das weibliche Geschlecht auf Reisen auf „Sinnlichkeit, Behaglichkeit und Sicherheit“ in der „Burg auf Zeit“, sagt Brandes. Hotelzimmer sollen frisch riechen, viel Ablagefläche haben, einen Rockbügel, frisches Obst, Kosmetikspiegel, einen Fön mit Power, viel Mineralwasser, einen Wasserkocher und hochwertige Kosmetikprodukte offerieren. Darüber hinaus träumen weibliche Hotelgäste vom kostenlosen Zutritt zu Sauna- und Fitnessbereichen, Zimmern ohne Teppichböden, nicht zu weichen Matratzen und großen Handtüchern. Was Frauen vermissen: frische Snacks und Getränke in der Minibar und vom Roomservice.
„Frauen wollen keine Extrawurst wie Blumen oder Damenmagazine auf dem Zimmer“, berichtet Gitta Brückmann, General Managerin des Münchner Marriott-Hotels. Ähnlich sieht man das bei den Lindner Hotels: „Hosenbügler funktionieren auch mit Röcken.“ Zudem wurde bei Lindner Hotels das Lichtkonzept in Garagen und auf den Zimmeretagen optimiert.
Das Grand Hotel in Oslo ließ Hotelzimmer für Frauen von Künstlerinnen und Architektinnen gestalten. Heraus kamen geräumige Zimmer mit Queen-Size-Betten, großen Spiegeln und sanftem Licht im Bad. Statt Burger, Pommes und Club Sandwich serviert der Roomservice Fitnessdrinks, Salate und frische Früchte.
Diskretion gehört dazu
Zu einem frauenfreundlichen Hotel gehört Diskretion. So wird etwa in allen Hotels der Rezidor-Gruppe die Zimmernummer beim Check-In nur auf dem Zimmerpass gezeigt und nicht laut durch die Halle posaunt. Und: Frauen haben gerne die Wahl, etwa wenn ein Hotel verschiedene Zimmerstile bietet.
Frauen bevorzugen viel Stauraum und Ablagefläche und freuen sich wie im Hotel H10 Marina in Barcelona über begehbare Kleiderschränke und Schuhregale. Im Peninsula Tokyo reicht die frauenfreundliche Servicepalette vom Nagellacktrockner bis hin zum „Spa-Knopf“: Er dämpft im Bad die Beleuchtung, lässt Musik erklingen und aktiviert das „Bitte nicht stören“-Signal.
„Große Schminkspiegel, malvefarbenen Tapeten“ sind einige Punkte, mit denen die 19 „Women's friendly rooms“ im neuen Leonardo Royal Hotel Berlin ab Juli bei der weiblichen Klientel punkten wollen. Die spanischen NH Hoteles dagegen haben ihre speziellen Frauen-Zimmer abgeschafft. Ob krisenbedingt oder mangels Nachfrage bleibt unkommentiert.
