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Agriturismus-Betriebe wie das Borgo Montecucco in Umbrien besitzen zur Freude der Gäste einen Pool. Allerdings schlagen sich solche Einrichtungen auch auf die Preise nieder Foto: Sachsenmaier

Touristik

Gäste bleiben aus

Agriturismus verliert in Italien an Attraktivität

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2005/43 vom 29. Oktober 2005
von

ROM Viele Jahre gehörten die Agriturismen in Italien, die landwirtschaftlichen Beherbergungsbetriebe, zu den großen Gewinnern in der Tourismusindustrie des Bel Paese. Die Hochkonjunkturphase ist jetzt vorbei.

In der zu Ende gegangenen Sommersaison 2005 blieb in den Agriturismus-Betrieben jeder zehnte Gast aus. Während Hotels und Pensionen in Italien schon seit Jahren am Ende der Saison negative Bilanzen ziehen müssen, gehörten die Agriturismen bisher zu den strahlenden Gewinnern. Unabhängig vom Wetter. Vor allem, weil ihre Preise erschwinglich waren und das Umfeld familienfreundlich. Jetzt ist das Wehklagen groß. Der Ruf nach einer „Mappa“ (Agriturismus-Karte) für die einzelnen Regionen wird immer lauter. In ihr sollen die typischen Produkte der Region von der Politik festgelegt und auch die Charakteristiken der Landschaft beschrieben werden.

Am Feiertag schauen die

Italiener nicht aufs Geld

„Ausgebucht“ waren sämtliche Agriturismen in diesem Sommer nur ein einziges Mal – an Ferragosto, dem wichtigsten italienischen Fest im Sommerhalbjahr. Wer kann, verbringt den 15. August außerhalb der eigenen vier Wände, am liebsten im Kreise von Verwandten und Freunden bei einem guten Essen. Da schaut man nicht unbedingt auf den Preis.

Aber nicht nur die Italiener selbst kehrten den Agriturismen, die mittlerweile oft über ein eigenes Schwimmbad, über Tennisplätze oder gar den Anschluss an einen Golfplatz verfügen, den Rücken. Auch die Zahl der ausländischen Gäste ging zurück, an erster Stelle die der deutschen Urlauber. Dabei zeigte sich wie in den übrigen Beherbergungs- und Gastbetrieben des Landes, dass die Gäste sehr großen Wert auf ein ehrliches Preis-Leistungs-Verhältnis legen.

Investitionen

zahlen sich aus

Wer in seinem Betrieb investiert und das Angebot verbessert hat, so die Organisation Turismo-Verde, konnte die Vorjahreszahlen halten oder sogar noch steigern. Das machten vor allem die Zahlen der sogenannten „reichen Gäste“ deutlich, die aus der Schweiz, Belgien, Holland, Frankreich und England kamen. Erfreulich war die Rückkehr der Amerikaner.

Zu den klassischen Regionen des Agriturismus gehört das Piemont. Hier zeichnete sich schon im Frühjahr die Krise ab, nachdem selbst in der Gastronomie der Rückgang der Gäste über zehn Prozent lag. In der Region, wo Trüffel und Pilze den Herbst besonders appetitlich machen, setzt man noch auf ein verstärktes Gästeaufkommen – vor allem mit Feinschmeckern aus dem Ausland. Letztere haben Venetien in diesem Sommer die Treue gehalten. Hotels in Ligurien gehören zu den teuersten Italiens, davon profitierten – vor allem im August – die Agriturismen in dieser Region. Auch deshalb, weil sie ihre Preise im Vergleich zum Vorjahr nicht erhöht haben.

Zu den großen Verlierern dagegen gehören die Toskana und Umbrien. In der Gegend von Siena und Chianti beträgt der Rückgang zum Teil über 20 Prozent. Einzig am Wochenende und dank der kulturellen Sehenswürdigkeiten, die vor allem auf ausländische Gäste eine große Anziehungskraft ausüben, rutschten die Zahlen nicht noch weiter ab.

Bed & Breakfast

stark im Kommen

In dieser Region wählen die Urlauber mittlerweile auch gerne Bed & Breakfast, ein Angebot, das in Italien stark im Wachsen begriffen ist. Je weiter man gen Süden geht, um so mehr gleichen sich die Zahlen – ein relativ schlechter Juli wird durch einen besseren August relativiert, sofern der Agriturismus in unmittelbarer Nähe zum Meer liegt.

Allgemein festzustellen ist, dass die Italiener sehr kritisch geworden sind, was die Preise anbelangt. Sie haben in diesem Jahr deshalb auf ein paar Urlaubstage verzichtet. Da jedoch Agriturismen nicht nur Übernachtung anbieten, sondern vor allem die für die Region typische Küche pflegen, hofft man in einigen Regionen noch auf versöhnliche Ergebnisse im Herbst.

Das Beispiel Agriturismus zeigt, dass die Tourismuskrise, die Italien bereits seit vielen Jahren fest im Griff hat, nun auch dieses Urlaubssegment in voller Stärke erreicht hat.

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