Editorial
Gehobene Herzlichkeit
Von Hendrik Markgraf, Chefredakteur
Zur Fotostrecke: 60 Jahre Hotel Bareiss
Es ist schon erstaunlich, was aus einem kleinen Kurhotel mit wenigen Zimmern werden kann. Dafür braucht es allerdings Mut, Energie und Innovationskraft. Hinzu kommen Neugierde und Wissensdurst. Und noch etwas Anderes: Die Kunst, Menschen zu führen, zu begeistern und mitzunehmen.
Die Rede ist hier vom Hotel Bareiss, das vor 60 Jahren als Kurhotel Mitteltal von Hermine Bareiss gegründet wurde und seit 1973 von ihrem Sohn Hermann geführt wird, der den Stab in einigen Jahren ganz an seinen Sohn Hannes weitergeben will.
Die Geschichte des Hauses ist die Geschichte ständiger, kostspieliger Erweiterung und Erneuerung. Erneuerung aus Weitsicht. Hotels ohne diesen Willen zur Weiterentwicklung ist es anders ergangen. Davon kündet manches einst exklusive Haus entlang der Schwarzwaldhochstraße.
Dass es in Baiersbronn anders kam, liegt auch am Wettbwerb vor Ort. Denn das Bareiss und die Traube Tonbach lieferten sich über die Jahre hinweg einen Wettkampf um Bestleistungen. Baute der eine ein Hallenbad, antwortete der andere mit einem Meerwasserbecken. So ging es Schlag auf Schlag, auch im gastronomischen Bereich, an dessen Ende zwei 3-Sterne-Köche stehen: Claus-Peter Lumpp im Bareiss und Harald Wohlfahrt in der Traube Tonbach. Mit Jörg Sackmann im gleichnamigen Hotel stellt Baiersbronn noch einen weiteren Sternekoch und ist zur Hochburg der Spitzenküche geworden.
Am Bareiss besticht vor allem auch eines: natürliche Herzlichkeit. Hier wird der Gast umgarnt, unaufdringlich. Hier erwarten ihn gute alte Tugenden wie Höflichkeit, Verlässlichkeit, Zuwendung. Wenn er will, kann er hier zur Besinnung kommen, ein echter Luxus. Kann die Natur neu entdecken. Kann sich weiterentwickeln. Das Bareiss als Kultivierungsort.

