Ausland
Glaskeil spaltet die Fassade
Prominente Architekten gestalten den Astoria-Erweiterungsbau / Im Umkreis von 300 Metern gehören Urs Karli drei Hotels
LUZERN. Wie ein großer Glassplitter steckt der Keil in der Häuserfront. Mal wirkt er wuchtig, dann wieder ist er kaum zu erkennen – je nach Blickwinkel. Einer Gletscherspalte ähneln sollte der Neubau des Hotels Astoria in Luzern – so wollten es die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Tatsächlich klemmt der spiegelnde Glasblock zwischen den beiden bisherigen Häusern des Hotels und überragt sie um einiges. Er reißt ein Sichtfenster über acht Etagen auf und bildet das neue Herzstück des 4-Sterne-plus-Hotels – hier liegen die schneeweiße Lobby und das Seminarzentrum des Astoria. Mitte Dezember werden die 88 neuen Designzimmer eröffnet. Mit insgesamt 470 hat sich die Bettenzahl des Hauses dann mehr als verdoppelt. Als das Grundstück, welches das Hotel bisher umschloss, zum Kauf angeboten wurde, nutzte Hotelier Urs Karli die Gelegenheit. „Es fehlte noch ein Gebäude“, fasst er zusammen. „Genau da, wo jetzt der Eingang steht.“
Gestalter der Allianz Arena
Passend zum 50-Jahre-Jubiläum des Astoria feiert Urs Karli jetzt die Erweiterung, gestaltet von den weltberühmten Architekten. Nicht zuletzt weil er schon ein Hotel mit Jean Nouvel gebaut hat, konnte er Herzog und de Meuron überzeugen.
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Die Architekten, die international bekannt wurden, als sie die Tate Modern in London erweiterten, entwarfen auch die Allianz Arena in München und planen derzeit in Hamburg die Elbphilharmonie in der Hafencity und das Nationalstadion für die Olympischen Sommerspiele in Peking.
„Wir brauchten eine spezielle Bewilligung, weil der Bau höher ist als alle anderen Gebäude in dieser Gegend“, erklärt Sales&Marketing Manager Reto Burkart. Die „städtebauliche Enge aufheben“ sollte der Bau, so war der Plan. Außen spiegelt die beschichtete Glasfassade die Begrenztheit einfach weg. Die Zimmer im Inneren sind schlicht in Weiß gehalten, mit Holzfußboden aus Eichenparkett, ohne Bilder, mit offenem Bad und mindestens einer Glaswand. Weil die Außenfassade leicht geneigt ist, laufen die Wassertropfen an ihr entlang, wenn es regnet.
Fällt Schnee, fällt er bis auf die Höhe der Lobby und verändert je nach Witterung die Atmosphäre: Vom achten Stock bis hinab zum Parterre zieht sich eine Glaswand zwischen den beiden alten Gebäuden hindurch und schafft, an die Lobby angrenzend, eine Art Innenhof. Durch Mehrfachspiegelungen von Glaswand und Himmel wirkt der Zwischenraum fast grenzenlos. Auch in allen zwölf Seminarräumen leuchtet so Tageslicht. Gleich an drei Seiten blickt der Gast aus dem größten Tagungsraum im achten Stock auf die Dächer der Stadt – und durch die sechs Meter hohe Decke in den Himmel. Von der Dachterrasse der erweiterten Penthouse Bar aus sieht der Gast die Alpen, den Pilatus und das Massiv der Rigi.
Volksabstimmung ausgelöst
Insgesamt 23 Mio. Franken hat Hotelier Urs Karli in den Neubau des Astoria investiert. Nicht von Beginn an waren Stadtväter und Nachbarn begeistert: Der Bauantrag löste eine Volksabstimmung aus. Doch mehr als drei Viertel der Luzerner unterstützte das Vorhaben schließlich.
Das Astoria ist auch nicht Karlis einziges Haus in der Stadt: Er besitzt außerdem das Hotel Schiller (82 Zimmer) und das von Jean Nouvel gestaltete Design-Boutiquehotel The Hotel (25 Suiten/Studios). Alle liegen im Zentrum der Stadt, in einem Radius von 300 Metern um dasAstoria – ebenso wie der Nachtclub, die fünf Bars und die insgesamt sechs Restaurants, die auch Urs Karli gehören.
„Mein Büro ist im Astoria“, erklärt Karli seinen Arbeitstag. „Ich pendle aber täglich mehrmals.“ Die Häuser sind untereinander vernetzt: So können Gäste im Hotel Schiller wohnen, im Astoria ihre Meetings abhalten und sich abends zum Dinner treffen im Bam Bou (14 Punkte Gault Millau, Fusion Cuisine), das zu The Hotel gehört. Eine Pauschale für Halb- oder Vollpension wird in den Häusern nicht angeboten.
Zum Hotel Astoria gehören drei Restaurants mit insgesamt 42 Punkten Gault Millau – der Thai Garden (15 Punkte, thailändische Küche), das Latino (15 Punkte, mediterrane Marktküche) und La Cucina (Pizza und Pasta). Im Thai Garden („Das beste Thai-Restaurant der Schweiz, sagt man“, so Reto Burkart) arbeiten ausschließlich Männer und Frauen thailändischer Herkunft – im La Cucina nur Angestellte aus Italien.
Ideen aus aller Welt
Urs Karli, Wirtesohn aus der Gegend um Solothurn, bringt seine Ideen von Reisen rund um die Welt mit und beschäftigt statt Inneneinrichtern auch schon mal Bühnenbildner, um seine Restaurants auszustatten. Angebote aus anderen Städten lehnte er bisher stets ab: „Ich bin kein Schreibtischtäter“, sagt der 60-Jährige. „Ich muss sehen, was an der Front läuft. In meinen drei Hotels habe ich den Überblick.“
Heike Schäfer


