Tourismus
Griechenland: Urlauber dringend gesucht
von Detlef Berg
ATHEN. Blauer Himmel, liebliche Buchten Sonne satt – mehr als 18 Mio. Touristen strömten letztes Jahr nach Griechenland, darunter rund 2,3 Mio. Deutsche. Doch mit der Eurokrise sind zum Teil gewalttätigen Proteste und Streiks gegen die Sparpolitik ausgebrochen.
Umsatzeinbruch von 12 Prozent
Das hat viele Reisewillige - auch aus Deutschland - verunsichert. Der griechischen Tourismuswirtschaft hat die Eurokrise im ersten Halbjahr 2010 einen Umsatzrückgang von rund 12 Prozent beschert.
Das trifft das hoch verschuldete Land besonders hart – der Tourismus ist für Griechenland lebensnotwendig und trägt rund ein Fünftel zu den Steuereinnahmen bei. Chouchoutas Nikitas, der auf der Halbinsel Chaldikidi ein kleines Hotel betreibt, versteht die Welt nicht mehr. Er empört sich über die Berichterstattung in den Medien; „Da rufen Stammgäste aus Deutschland an, die seit 30 Jahren jedes Jahr hier ihren Urlaub verbringen. Sie wollen allen Ernstes wissen, ob ein Besuch in Griechenland jetzt gefährlich ist“, sagt der Hotelier.
Das Wasser sei so blau wie immer, antwortet er dann, und Panzer stehen hier auch nicht. Rund 20 Prozent weniger Gäste beklagt er bereits in der Vorsaison. Das schmerzt besonders, weil er im letzten Jahr einen Kredit aufgenommen und kräftig in die Modernisierung seines Hotels Virginia investiert hat. Um die fälligen Raten überweisen zu können, braucht er eine höhere Belegung. Auch vom Hilfsprogramm der Regierung ist er enttäuscht – das gilt nämlich nur für schuldenfreie Betriebe.
Kein Billig-Reiseland mehr
Aber es gibt auch strukturelle Probleme. Seit der Einführung des Euro ist Griechenland kein Billig-Reiseland mehr. Das Nachbarland Türkei ist weit günstiger und hat in die bei Deutschen beliebten All-Inclusive-Anlagen investiert. Schon 2009 verzeichnete Griechenland einen Rückgang der ankommenden Flugpassagiere aus Deutschland von rund 4,2 Prozent.
