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Gastro-Konzept macht Schule: Die Cava-Importeure und Bar-Besitzer Olaf Nieder (l.) und Stefan Kuhl Foto: Gundula Marx

Konzepte

Großer Umsatz mit kleinen Preisen

Das „La Barra“ will Cava-Fans und Studenten ansprechen / Vorbilder für ihre Bar fanden die Kölner Betreiber in Barcelona / Fundierter Businessplan

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/45 vom 11. November 2006
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KÖLN. „Bei uns muss gesoffen werden.“ Mit dieser flapsigen Bemerkung formuliert der Betriebswirt Olaf Nieder treffend, wie sein getränkeorientiertes Konzept des „La Barra“ funktioniert. In Barcelona fand er die Idee für seine Existenzgründung. Der Absolvent der Cologne Business School (CBS) hat Barcelonas beliebteste Cava-Bar nach Deutschland importiert. Dem aktuellen Tapas-Trend in der Gastronomie fügten Nieder und sein Partner Stefan Kuhl damit eine neue Komponente hinzu. Das im Frühjahr eröffnete „La Barra – Cava y más“ bestand seine erste Feuerprobe während der Fußball-WM. Demnächst soll das „Champáneria“-Konzept per Franchising in Deutschland multipliziert werden. Erfolgreich ist es bereits in Antwerpen, Zürich und Oslo. Bevorzugte Standorte sind Universitätsstädte.

Nach seinem Studium arbeitete Nieder einige Monate in Barcelona und lernte dort eine der angesagtesten Locations der Stadt kennen: die Bar Can Paixano. „So voll wie eine Kölsch-Kneipe zu Karneval ist es dort jeden Tag“, erzählt Nieder lachend. „Die Gäste – Einheimische wie Touristen – stehen dicht gedrängt, trinken ihren Cupita de champán aus einer flachen Sektschale und essen dazu Bocadillos oder Tapas.“ Beides wird zu niedrigen Preisen verkauft. Das Glas gibt es schon ab 33 Cent. Das bedeutet Spaß für die Gäste und – durch entsprechende Masse – hohen Umsatz für den Betreiber. Spanische Lebensart und Gastro-Kultur nach Deutschland zu exportieren, darin sah Nieder als gastronomischer Seiteneinsteiger die Chance zur Selbstständigkeit. Mit seinem Konzept, eine Dependance von „Can Paixano“ in Köln zu eröffnen, überzeugte er deren Betreiber, die ausschließlich Cava des Herstellers Masia „El Mas“ aus dem Penedés ausschenken.

Nieder erhielt für Deutschland die Exklusivrechte als Importeur der Cavas. Sein Konzept, das er mit Stefan Kuhl als Partner entwickelte, stellte er auf zwei Beine. „Wir gründeten zwei Firmen: einen Handel mit Cava und die Champáneria, beide in einem Ladenlokal. So werden die Kosten aus zwei Quellen bezahlt.“

Das Konzept der doppelten Gründung und der Business-Plan, von Nieder und Kuhl in Kooperation mit ihren CBS-Dozenten erarbeitetet, überzeugte die Banken. Die beiden Jungunternehmer haben auch die Beratung von DEHOGA und IHK voll ausgeschöpft. „Viele Kontakte und Networking machten sich neben dem Wissen aus dem Studium für die langwierigen Prozesse der Baugenehmigung und der Konzessionserteilung bezahlt“, so Nieder.

Bei der Ausstattung, die mit rund 50.000 Euro veranschlagt wurde, hielten Nieder und Kuhl „den Ball extrem flach“. Mit einem Architekten und einem Schreiner ließen sie die Einrichtung bauen: mit schlichten Bar-Modulen, Stehtischen und Flaschenregalen, die gut zu variieren sind. Minimalistisch ist auch die Küchenausstattung, da die Zubereitung von Tapas und Bocadillos, den warmen, belegten kleinen Brötchen, wenig Equipment erfordert.

Schneller Umsatz im Stehen

„Die Leute sollen hier nicht den ganzen Abend sitzen. Unser getränkeorientiertes Konzept basiert auf dem schnellen Umsatz im Stehen. Laut Businessplan soll der Pro-Kopf-Umsatz bei 11 Euro, also einer Flasche Cava und zwei bis drei Bocadillos liegen“, so Nieder. Aktuell variiert er zwischen 8 und 15 Euro. Ein 0,1–l-Glas der fünf Cava-Sorten kostet ab 1,50 Euro. Ausgeschenkt wird in den original spanischen flachen „Cupitos“. Tapas oder Bocadillos gibt es ab 2 Euro. Cava oder Softdrink, lautet die Getränkeauswahl für den Gast. Als einziges Zugeständnis an lokale Trinkgewohnheiten gibt es im „La Barra“ Reissdorf-Kölsch und San Miguel-Bier.

Die spanische Lebensart, sich von früh bis spät mit einem Schluck Cava zu erfrischen, daran müssen die ansonsten lebenslustigen Kölner noch gewöhnt werden. Das „La Barra“ will hier mit zwei Mittagsmenüs zu 4,50 Euro (Cava oder Softdrink mit 1 Bocadillo) und 5,50 Euro (Cava mit 2 Tapas) Pionierarbeit leisten. „Die Hauptzeit ist für uns derzeit zwischen 19 und 23 Uhr. Ideal ist unser Standort am Barbarossaplatz, wo alle Straßenbahnen Halt machen, jede Menge Büros in der Umgebung sind und auch die Uni nicht weit ist. Immer mehr Leute entdecken uns, kommen auf ein Cupito oder nehmen ihre Lieblingssorte Cava mit.“

Beim Marketing für die neue Location für Spanien-Fans geht Olaf Nieder eher ungewöhnliche und vor allem preiswerte Wege. „Wir verteilen Flyer hier am Barbarossaplatz und in der Uni oder machen Promotion an anderen Orten, wo sich Studenten aufhalten.“ Außerdem hat Nieder Kontakte zu den örtlichen Medien wie WDR und Center-TV aufgebaut, die bereits über „La Barra“ berichteten.

Expansion im dritten Jahr

Schon vor der Eröffnung hatte es Anfragen von potenziellen Franchisenehmern aus Stuttgart und Hamburg gegeben. „Wir denken erst im dritten Geschäftsjahr an Expansion. Unser Ziel sind 30 bis 40 La-Barra-Standorte in Deutschland“, so Nieder. Von der europaweiten Expansion der Champáneria-Idee verspricht er sich in Deutschland sehr viel.

„Eine wichtige Zielgruppe sind für uns die Studenten. In Deutschland gibt es 80 Universitätsstädte. Dort sehen wir für das La-Barra-Konzept auch wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses echte Chancen.“ Gundula Marx

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