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Auf dem Vormarsch: Karten für Urlauber sind zunehmend gefragt Foto: Marlis Heinz

Touristik

Gute Karten für die Touristik

Hotellerie und Gastronomie mischen mit beim Spiel mit den lokalen und regionalen Angebotspaketen / Vorbehalte gegen Zusammenarbeit mit Wettbewerbern

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/47 vom 25. November 2006
von

STUTTGART. „Einmal zahlen, unbegrenzt erleben“ – so oder ähnlich lautet die Botschaft, mit denen Regionen, Kleinstädte und Metropolen für ihre touristischen Cards werben.

Mit deren Anzahl ist auch die Zahl der Ausgestaltungsvarianten gestiegen. Manchmal ist die beschriebene Leistung gratis, mal gibt es einen prozentualen Rabatt auf den offiziellen Preis oder eine Ermäßigung um einen bestimmten Betrag in Euro. Wie auch immer – im deutschen Tourismus liegen die Karten jetzt auf dem Tisch, wer mag, kann danach greifen. Das gilt auch für Hotellerie und Gastronomie, die sich als touristische Leistungsträger beteiligen können. In Thüringen beispielsweise tauchen gastgewerbliche Betriebe normalerweise nicht unter den Anbietern auf. „Das hängt mit unserem Herangehen zusammen“, so Marketing-Managerin Martina Maaß. „Wir wollen keine komplizierten Rabattsysteme konstruieren, sondern sagen ‚freie Fahrt und freier Eintritt’ und fassen vor allem Verkehrsmittel, Museen, Bäder und Stadtführungen zusammen. Rabatte bei Übernachtungen sind eine Ausnahme, die wir nicht ausbauen wollen.“ Der Grund liegt in der komplizierten Abrechnung. „Wenn viele Wirte Gerichte kostenlos auf den Tisch stellen würden, kämen wir vermutlich mit den Ausschüttungen nicht zurecht“, erläutert sie. Eine Ausnahme sei das laufende Jahr. Da 2006 unter dem Motto „Thüringen wirtuos“ steht, hat in diesem Jahr auch die Karte ein gastronomisches Special. „Ob wir das wieder wagen, werden wir am Ende des Jahres sehen, wenn wir die Ausschüttungen nachrechnen“, gibt sie sich abwartend.

Eines der beiden „wirtuosen“ Thüringen-Card-Angebote serviert das Hotel Holzland, Gasthof Zur Kanone in Tautenhain. „Den Inhabern der Karte servieren wir kostenlos Huhn ‚Marengo’, die Leibspeise Napoleons“, sagt Jana Sörgel, Geschäftsführerin des Hotels. Der Bezug: Vor 200 Jahren fand „vor der Tür“ die Schlacht von Jena und Auerstedt statt. Sörgel fasst zusammen: „Rund 100 Gäste kamen mit der Thüringen-Card zu uns. Natürlich hat uns das hundert Mal das Gericht gekostet. Dem gegenüber steht die Erwähnung im Marco-Polo-Reiseführer, dazu natürlich auch noch etwas Umsatz über das Gericht hinaus und die Rückerstattung eines Teilbetrags durch die TTG. Wenn es wieder so etwas gäbe, ich wäre dabei.“

Andere Cards enthalten aus Richtung Hotels und Restaurants nur Rabatt-Angebote, wobei die dann auch nicht in Rückvergütungen eingebunden sind. Auf Rügen gehen die betreffenden Häuser in der Regel um 10 Prozent mit dem Preis herunter. Was es den Wirten bringt? „Das kann ich nicht auf den Euro genau ausrechnen“, so Manfred Rakelmann vom Gasthof Drei Linden in Seedorf. „Es kommen schon einige mit der Karte und dem Reiseführer in der Hand und lassen sich nach dem Essen ihre 10 Prozent gutschreiben. Aber es wäre Spekulation, wenn ich ergründen wollte, wie viele davon ohnehin kommen würden. Ich mache jedenfalls mit, weil ich denke, unterm Strich bringt es vermutlich was.“

Ähnlich funktioniert auch die Leipzig-Card. Die meisten der 26 eingebundenen Gaststätten – zum Start 1995 waren es gerade mal vier – geben zehn Prozent Rabatt auf die Rechnungssumme. Rückvergütungen gibt es keine. „Außerdem zählen die Hotels zu unseren wichtigsten Verkäufern“, heißt es beim Leipzig Tourist Service. „Zunehmend binden sie die Card in ihre Pauschalen ein. Von über 9000 Karten, die wir 2005 verkauften, ging fast ein Drittel an Hotels.“

Noch auf der Suche nach dem passenden Modell zum Einbinden der Gastronomie ist man am Bodensee. Derzeit werden jährlich rund 48.000 Karten verkauft, rund ein Viertel davon über Beherbergungsbetriebe. „Als Anbieter ist das Gastgewerbe bislang kaum vertreten“, so Projektmanagerin Katharina Mutzke. „Allerdings werden wir künftig stärker auf die Betriebe zugehen. Wir sind offen für alle Modelle, also sowohl die Rabattlösungen als auch die Gratis-Angebote mit Rückvergütung.“ Marlis Heinz

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