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Ort der Stille: In den zwölf Mönchshäuschen der Kartause Ittingen, sieben davon sind noch im Originalzustand, lebten im Mittelalter die Mönche. Heute beherbergen die Häuser Museen und Ateliers Bild: Agent

Ausland

Hightech in alten Mönchshäusern

Kartause Ittingen ist die beliebteste Tagungsstätte der Schweiz / Umbau- und Renovierungsarbeiten beginnen im Herbst

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/10 vom 8. März 2008

WARTH. Die Kartause Ittingen in Warth in der Schweizer Bodenseeregion ist ein außergewöhnlicher Ort der Begegnung: Hier treffen sich Industrielle, Banker und Führungskräfte zu Seminaren und Tagungen. Individualreisende kommen, um Kultur und Gaumenfreuden zu genießen.

Bereits zum dritten Mal in Folge wurde die Kartause Ittingen von Seminarleitern zur beliebtesten Tagungsstätte der Schweiz gekürt. Die Gäste schätzen das vielfältige Angebot. Darauf ist Markus Berger stolz: „Genau das unterscheidet uns von anderen Locations“, sagt der Marketing-Chef und studierte Betriebsökonom. Der Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart sei allgegenwärtig.

Die Kartause geht zurück auf ein im Jahr 1150 gegründetes Kloster. 1461 kauft der Kartäuser-Orden das Areal, die noch heute existierenden Mönchshäuschen entstehen. 1848 werden die Klöster im Kanton Thurgau aufgehoben. Es ist das Ende der Kartäuser-Gemeinschaft in Ittingen. 1867 gelangt die Anlage in Privatbesitz und wird gut 100 Jahre lang als landwirtschaftlicher Musterbetrieb bewirtschaftet. Doch die Gebäude verfallen.

Geld fließt über Stiftung

1977 wurde die Stiftung Kartause Ittingen gegründet. Kanton Thurgau, regionale Wirtschaft und Bevölkerung stellten 49 Mio. Schweizer Franken (30,6 Mio. Euro) für den Kauf und die Restaurierung bereit. Bis heute wurden in das Kulturdenkmal Kartause rund 80 Mio. Schweizer Franken (50 Mio. Euro) investiert und zwar nicht nur in die Gebäude: 1994 wurde ein Rosengarten fertig gestellt.

Für Herbst 2008 sind Umbau- und Renovierungsarbeiten geplant, die weitere 12 Mio. Schweizer Franken (7,5 Mio. Euro) verschlingen werden. „Im 26. Betriebsjahr müssen wir für die nächsten 20 Jahre investieren“, sagt Berger. Einbezogen werden auch bei den bevorstehenden Arbeiten immer die zentralen Werte des einstigen Klosters: Gastfreundschaft, Bildung und Begegnung, Fürsorge, Selbstversorgung, Spiritualität und Pflege der Kultur. Außer Seminarzentrum, Hotel und Restaurant gibt es einen Gutsbetrieb, einen Heim- und Werkbetrieb, das Kunstmuseum des Kantons Thurgau, das Ittinger Museum sowie ein evangelisches Begegnungs- und Bildungszentrum.

Auf einer Fläche von 65 Hektar betreibt die Stiftung „Landwirtschaft im ursprünglichen Sinn“: Kühe und Schweine werden artgerecht gehalten, Obst-, Wein-, Getreide- und Hopfenanbau sowie Waldwirtschaft erfolgen streng umweltschonend. Der Vorteil für die Gäste: Aus sechs Rebsorten werden zehn Weine gekeltert, die man auch auf den Karten renommierter Restaurants der Schweiz findet. Das Obst wird zu hochwertigen Spirituosen destilliert. Aus der hofeigenen Rohmilch entstehen in der Käserei fünf verschiedene Käsespezialitäten, die im Klosterladen, aber auch über Migros und Coop sowie in Käsefachgeschäften verkauft werden.

Auf 11.000 Quadratmetern gedeiht Hopfen, aus dem die Heineken-Brauerei in Chur das Ittinger Klosterbräu braut. Brot und Kuchen kommen aus der Hausbäckerei, Schinken und Wurst aus der eigenen Metzgerei. Der Heim- und Werkbetrieb bietet 60 Arbeitsplätze und 30 Wohnplätze für Menschen mit Behinderungen. „Das Hotel muss das Ambiente des Klosters zum Gast transportieren“, erläutert Markus Berger das Konzept.

Stilvoller Minimalismus

Die Flure sind Kreuzgängen nachempfunden. Den Kontrapunkt zum kühlen Weiß der Böden und Wände setzt rötliches Licht, das aus kleinen Nischen kommt. Die wiederum erinnern an die Luken in den Mönchshäuschen, durch die die Kartäuser ihre Mahlzeiten gereicht bekamen. Im Zimmer empfängt den Gast stilvoller Minimalismus. Dennoch muss man auf Komfort nicht verzichten. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine „normale“ Schrankkonstruktion, entpuppt sich als ein mitten im Raum installierter Holzkubus. Darin verbergen sich Kleiderschrank, Schubladen und Fächer sowie Dusche, Toilette und Waschbecken im Hightech-Design. Der Clou ist der Fernseher, der auf Berühren der Holzverkleidung nach außen fährt. Sylvia Herr

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