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Hoffen auf König Fußball
Hotellerie rechnet im Verlauf der Fußball-WM mit Last-Minute-Buchungen und setzt auf die Zeit danach
STUTTGART Ganz Deutschland ist eine riesige Fankurve. Bis zum Finale in Berlin gilt: Fußball satt. 3 Mio. WM-Touristen – darunter 1 Mio. aus dem Ausland – werden in den nächsten Tagen das Land in einen Ausnahmezustand versetzen.
Für Stephanie Heckel, Pressesprecherin des DEHOGA Bundesverbandes, ist die WM schon jetzt ein Erfolg: „Die Hotellerie zeigt sich insgesamt recht zufrieden, gleichwohl gibt es noch freie Zimmer. Wir hoffen natürlich noch auf Last-Minute-Buchungen und auf positive Effekte nach den Spielen“, sagt Heckel, die einräumt, „dass die Erwartungen der Branche unterschiedlich ausfallen.“
Helmut Otto, Präsident des DEHOGA Gastgewerbe NRW, zieht bereits bei Anpfiff des größten globalen Sportereignisses ein erstes und eher nüchternes Resümee: „Die WM wird vielerorts nur halb gebuchte Hotels zurücklassen.“
Nicht nur an Rhein und Ruhr herrscht bei Hoteliers gedämpfte Stimmung. Ein Nord-Süd-Gefälle der Erwartungen zeigt sich: Die vom Oktoberfest verwöhnten Bayern hatten sich ohnedies kaum WM-Sondereffekte ausgerechnet. „Wenn ein Nullsummenspiel herauskommt, ist es gut“, so Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayrischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Von Vollauslastung ist auch in München und Nürnberg keine Rede. „Wir liegen knapp unter dem Juni 2004. Nach unseren Erfahrungen mit der Wiesn-Zeit, wo in 16 Tagen 6,8 Mio. Gäste kommen, haben wir nicht mit mehr gerechnet. Unsere Hoteliers haben sich vielmehr im Vorfeld stark um ihre Stammgäste bemüht, die sich durch solch ein Mega-Event erfahrungsgemäß eher abschrecken lassen.“
Realistisch fallen auch die Erwartungen im „Ländle“ aus. „Es läuft schlechter als erwartet, aber besser als befürchtet“, so Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg. „Wir sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Tickets sind alle verkauft – da wird sich kaum noch was bewegen“, meint Karl Schlichting, Direktor des Steigenberger Hotels in Hamburg. Auch er klagt – wie übrigens das Gros seiner Kollegen – über das ausgebliebene Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft im Juni. „Nicht ausgebucht“, aber dennoch zufrieden ist man bei Inter-Conti. Spezielle Fußballangebote für Geschäftsleute, die in Hotels trotz WM ihre Tagungen im Juni abhalten, laufen nach Angaben von Regional-Manager Karl-Heinz Pawlizki „sehr gut.“
„Zimmer frei“ meldet zu Spielbeginn auch die Hauptstadt. Berlins Tourismus-Chef Hans Peter Nerger kritisiert die Fifa, zu wenig Werbung gemacht zu haben.
Die Auslastung an der Spree liegt laut Verbandsgeschäftsführer Peter Vogl aktuell zwischen 60 und 65 Prozent. Willy Weiland, Chef des Berliner Hotels Inter-Continental und Verbandspräsident, ist froh über die 70 Prozent Auslastung in seinem Haus.
Spielstädten gut ausgelastet
Die Blitzumfrage des Verbandes zeichnet ein nüchternes Bild: 53 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit den Buchungen. Nur 4 Prozent sind zwischen 80 und 100 Prozent gebucht, was im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung von einem Prozentpunkt entspricht. Mehr als jedes vierte Hotel meldete eine Auslastung von unter 40 Prozent, während in den Juni-Monaten der Vorjahre nur 10 Prozent mit einer solch geringen Auslastung zu leben hatten.
Mit 70 Prozent Auslastung sind die Kölner Hoteliers besonders unzufrieden. „Der gesamte Tagungs- sowie der Urlaubs- und Städtetourismus kamen ab Ende Mai fast zum Erliegen“, so Christoph Becker vom DEHOGA Köln. Sorgen macht der Rückgang der Belegung von 58 Prozent während der WM-Wochen auf 40 Prozent zwischen den fünf Spieltagen in Köln.
Im Gegensatz zu ihren Berliner Kollegen sind die Kölner Hoteliers mit dem „völlig normalen“ Preisgefüge von im Schnitt 165 Euro pro Zimmer zufrieden. In Berlin (126 Euro im Schnitt) rechnet man mit einem weiteren Preisverfall. Aber auch in Nordrhein-Westfalen ist ein Viertel der Betriebe zu Preisnachlässen bereit, wenn dadurch die Belegung verbessert werden kann. „In allen Kategorien haben wir noch Zimmer frei“, gibt Horst Mayer, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Hofs in Frankfurt, die Situation der Kollegen weiter, die noch auf das kurzfristige Buchungsverhalten der Gäste setzen. Und auch in Stuttgart sieht es ähnlich aus, wenngleich man in den Genuss von sechs Spielen kommt.
„Es liegen leider keine längeren Buchungen über zwei bis drei Tage vor“, berichtet Daniel Ohl auf Anfrage. „Wir hoffen auf die Zeit nach der WM. Wenn die Gäste gesehen haben, wie schön es hier ist, kommen sie bestimmt wieder.“
für das Reiseland Deutschland