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Schlicht ausgestattet: East Seven Hostel Foto: Blumenthal

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Hostel-Markt in Berlin boomt

Das East Seven in Prenzlauer Berg gehört weltweit bereits zu den Top Ten

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/15 vom 15. April 2006
von

BERLIN Vor einem Jahr haben sich der Architekt Pierre Ammon und der Geograf Jörg Schöpfel mit einem Hostel in Berlin selbstständig gemacht. Und bereits im November und Dezember 2005 beurkundet ihnen der Online-Dienstleister hostelworld.com, dass ihre Herberge East Seven im Szenebezirk Prenzlauer Berg weltweit zu den Top Ten gehört. Insgesamt sechs Bewertungskriterien sind ausschlaggebend für die Verleihung des Hostels Award: Character, Security, Location, Staff, Fun and Cleanliness.

Die beiden Männer, die sich in einer GbR zusammengetan haben, freuen sich über ihren Senkrechtstart. Der Markt sei stark im Wachsen begriffen, sagt der 39-jährige Jörg Schöpfel, der in der Welt ein bisschen herumgekommen ist und weiß, was wahre Globetrotter schätzen: ein ordentliches Bett, eine Dusche, gute Verkehrsanbindung für wenig Geld. Letzteres wollen viele Touristen lieber für Kultur, Sightseeing und Events ausgeben.

Bevor die Existenzgründer von der Wohnungsbaugesellschaft im Prenzlauer Berg (WiP) sich im sanierten Haus Schwedter Straße 7 (daher der Name East Seven) mit begrüntem Innenhof für ihre Zwecke einmieteten, hatten sie sich auf dem Markt ein wenig umgeschaut.

Allein in der Hauptstadt gibt es mehr als 40 Hostels und ähnliche Low-Budget-Herbergen mit annähernd 10.000 Betten ganz unterschiedlicher Qualität. Die Berlin Tourismus Marketinggesellschaft (BTM) weist in ihrem aktuellen Buchungskatalog „Berlin Live 2006“ 21 Jugendgästehäuser aus. Weitere Hostels, Pensionen und Appartementanlagen, beispielsweise die Häuser Hotel Transit und Hotel Transit Loft, lassen die Anzahl der von der BTM aufgelisteten Häuser auf 30 steigen. Außerdem vertreibt die Marketinggesellschaft die Broschüre „Bock auf Berlin“, die sich speziell an jugendliche Zielgruppen wendet und 14 Beherbergungsbetriebe aufführt. Pierre Ammon und Jörg Schöpfel haben ein paar Prinzipien: Unter 18 Jahren nehmen sie keinen Gast auf. Schulklassen und Gruppen sind in ihrem 60-Betten Haus (25 Zimmer auf drei Etagen ohne Aufzug) nicht erwünscht. Das Durchschnittsalter ihrer Gäste (60 Prozent davon sind Globetrotter aus den USA, Australien, England) liegt zwischen 18 und 30 Jahre, was nicht bedeutet, dass nicht auch mal Senioren darunter sind. Schöpfel nennt die immer stärker auf den Markt drängenden Easy-Jet-Linien einen Glücksfall für sein Gewerbe. Die brächten mehr und mehr Low-Budget-Reisende in die Stadt.

Beide Männer sprechen gut Englisch und geben via Internet Ausgehtipps und dergleichen mehr. An der kleinen Rezeption wird auch Kaffee verkauft. Ansonsten gibt es eine SB-Küche und einen wohnzimmerartigen Aufenthaltsraum ohne Fernseher. Die Rezeption ist die ganze Nacht besetzt. Das ist in Hostels nicht unbedingt selbstverständlich. All das und Bettenpreise je nach Saison zwischen 12 und 35 Euro (Fußball-WM 2006) lassen die Touristen das East Seven stets weiterempfehlen, und so nehmen die Buchungen von Monat zu Monat zu.

Nichts ist so gut wie die Mundpropaganda, sind sich die Seiteneinsteiger sicher. Im Reservierungssystem hostelworld.com sollte man jedoch schon sein, meinen Ammon und Schöpfel. Eines würden die Aufsteiger, die nach und nach in die Zimmerausstattung investieren wollen, nicht machen: Betten über einen Wiederverkäufer vermarkten. „In dem Moment hast du die Kontrolle verloren, die Sicherheit aus der Hand gegeben.“

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