Unternehmen
Hoteliers halten Ägypten die Treue
Aufholjagd im Land am Nil: Ägypten verzeichnet 2011 rund 25 Prozent weniger Gäste als im Vorjahr / Hoteliers im Land sind jedoch zuversichtlich
SOMA BAY. Eine warme Brise kräuselt die Wellen des Roten Meeres. Entspannt liegen die Gäste des Hotels The Breakers auf ihren Liegen am Strand. Obwohl sein 4-Sterne-Hotel mit 173 Zimmern nicht voll ist, wirkt Direktor Stefan Reichl zufrieden. „In den Herbstmonaten waren wir komplett ausgebucht“, sagt er.
Mit Schrecken erinnert sich der Hoteldirektor noch an die Wochen nach Ausbruch der Arabischen Revolution in Ägypten am 25. Januar 2011. „Ich saß auf dem Flug nach Ägypten allein im Flieger“, erzählt er. In seinem Hotel logierten nur noch 20 Gäste. Auf dem Höhepunkt der Krise schickte er die meisten seiner 180 Mitarbeiter in den Urlaub und lieh sich Geld von dem Eigentümer des Hauses, der Abu Soma Development Co. Doch in den Folgemonaten kamen die Gäste des im Jahr 2010 eröffneten Hotels, das auf Kite-Surfer und Taucher spezialisiert ist, zurück. „Knapp zwei Jahre nach der Eröffnung haben wir schon 25 Prozent Wiederholer“, fügt Reichl hinzu.
Auch Bernard Meyer, Direktor des Hotels La Résidence des Cascades, blickt optimistisch in die Zukunft. „Es zieht wieder an“, sagt er. Er rechnet im Jahresschnitt mit einer um 30 Prozent geringeren Auslastung seines Hauses im Vergleich zum Vorjahr. Das 5-Sterne-Hotel mit 249 Zimmern und Suiten, das von einem Golfplatz umgeben ist, verfügt über einen der größten Wellness-Bereiche des Landes. „Wir haben ein sehr internationales Publikum“, sagt Meyer. Deutschland sei mit einem Anteil von rund 50 Prozent der Gäste aber der wichtigste Quellmarkt seines Hauses. Im Durchschnitt blieben die Gäste zehn Tage im Haus.
Meyer beschäftigt in seinem Hotel etwa 300 einheimische Mitarbeiter, davon mehr als 50 im Spa. Dazu kommen bis zu 80 Beschäftigte auf den beiden Golfplätzen des Hotels. Nach Angaben des Direktors ist das 45 Kilometer von Hurghada entfernte Feriengebiet von Soma Bay mit seinen insgesamt fünf Hotels und einer Kapazität von 2800 Betten eine Oase des Friedens. „Es ist eine eigene Welt, die weit von den Unruhen in Kairo entfernt ist.“ Außer den beiden genannten Häusern gibt es dort noch ein Sheraton und ein Kempinski-Hotel sowie einen Robinson-Club.
Auch die Auslastung der vier Steigenberger-Hotels in Ägypten hat sich nach Angaben von Sprecherin Angelika Heyer stabilisiert. Im Frühjahr 2011 musste die Gruppe, die sich im Besitz der ägyptischen Familie El Chiaty befindet, mit einer Stornoquote von mehr als 50 Prozent kämpfen. Bei allen Hotels, von denen sich drei am Roten Meer sowie eines in Luxor befindet, handelt es sich allerdings um Franchisebetriebe der Gruppe. „Wir gehen von einer stabilen Entwicklung aus“, sagt Angelika Heyer.
Maritim betreibt in Ägypten fünf Hotels, davon drei in Sharm el Sheik sowie jeweils eines in Alexandria und Luxor. Nach Angaben von Sprecherin Britt Winter haben sich die Gästezahlen nach den Unruhen vor einem Jahr relativ schnell erholt und sind fast wieder auf normalem Niveau.
„Für uns ist das Land wichtig, und wir rechnen mit steigendem Business“, sagt Patricia Dürst, Sprecherin der Rezidor Hotel Group. Die Gruppe betreibt im Land am Nil insgesamt sechs Häuser: ein Park Inn by Radisson in Sharm el Sheik sowie fünf Radisson-Blu-Betriebe in Alexandria, El Quseir, Kairo, Sharm el Sheik und Taba. Dürst propezeit: „Ägypten wird mittel- und langfristig vom Arabischen Frühling profitieren und als Markt gewinnen.“
Auch Hisham Zaazoo rechnet mit einer schnellen Wiederbelebung des Tourismus. Nach Angaben des Senior Assistant des ägyptischen Tourismusministers verzeichnete das Land 2010 mit 14,2 Millionen Gästen einen Besucherrekord. Deutschland war mit 1,2 Millionen Gästen nach Russland und Großbritannien der drittwichtigste Quellmarkt. Bis November machten 900.000 Deutsche im Jahr 2011 Urlaub in Ägypten – ein Rückgang von rund 25 Prozent zum Vorjahr. Derzeit verfüge Ägypten über eine Hotelkapazität von rund 225.000 Zimmern. In Planung seien weitere 209.000 Zimmer, davon 70 Prozent am Roten Meer und auf der Sinai-Halbinsel.
Laut Zaazoo soll man die Wahlerfolge der Moslembrüder und der Salafisten nicht überbewerten. Schließlich sei der Tourismus mit einem Anteil von rund 12 Prozent am Bruttosozialprodukt einer der wichtigsten Wirtschaftszweige, und eine neue Regierung müsse 800.000 junge Ägypter in den Arbeitsmarkt integrieren. Zaazoo: „Jeder Regierung wird den Tourismus unterstützen.“ Helmut Heigert

