Hotellerie
Hotellerie sieht Aufwärtstrend
STUTTGART. Rückgänge bei wesentlichen Indikatoren wie Gästeankünfte, Auslastung und Zimmerpreis: 2009 war für die Hotellerie ein schwieriges Jahr. Und 2010? Die meisten Hoteliers äußern sich über die Geschäftsentwicklung zurückhaltend bis optimistisch.
In den ersten beiden Monaten 2010 haben die Buchungen spürbar angezogen, sie liegen über den Vorjahreswerten. Auch der für die Hotellerie so wichtige Geschäftsreiseverkehr und der Tagungsmarkt erfahren eine spürbare Belebung. Und um noch mehr Gäste zu gewinnen, operieren viele Einzelhotels und Ketten mit Aktionen und Rabatten, geben auf diese Weise die Vorteile der Mehrwertsteuerreduzierung an den Gast weiter.
Die Touristikbranche wird laut einer auf der ITB erstmals vorgestellten Studie des World Travel & Tourism Council (WTTC) weltweit noch Jahre brauchen, um sich von den Folgen der Wirtschaftskrise zu erholen Dem WTTC zufolge werden die weltweiten Reiseausgaben 2010 um 1 Prozent steigen. Dem Geschäftsreisesegment prognostiziert das WTTC sogar einen Rückgang von 2 Prozent. Erst 2011 werde die touristische Wirtschaftsleistung wieder signifikant ansteigen. Ähnlich schätzt Stephan Gerhard vom Münchner Beratungsunternehmen Treugast die Lage ein. Ihm bereitet die starke Zunahme der Insolvenzen Sorgen. Insbesondere die mittelständischen Betriebe hätten wenig finanzielle Reserven. Gerhard rechnet mit einer spürbaren Verbesserung erst 2011. Eine Stabilisierung könnte sich jedoch schon Ende 2010 abzeichnen.
Zurückhaltend äußert sich auch Kai Lamlé, neu bei Sol Meliá: „Mit großer Vorsicht traue ich mich zu sagen, dass wir Aufwind erhalten.“ Starwood-President Matthew Avril macht Mut: „In den USA kamen schon im vergangenen Sommer die Resort-Gäste zurück, es folgten die Reisegesellschaften. Jetzt kommen die Geschäftsreisen wieder. Wir haben keine Absagen mehr, wie das 2009 häufig geschah. Und es wird auch mehr gebucht.“ In schwierigen Zeiten verzichteten Menschen nur ungern auf Erlebnisse und Emotionen, die die Ferienhotellerie biete, sagt Karl Pojer, Bereichsvorstand Tui Hotels&Resorts, gegenüber der AHGZ. Das spiegele sich auch im Vergleich zur Businesshotellerie in den Belegungszahlen wider. Die Sommerbuchungen hätten in den vergangenen vier Wochen an Fahrt aufgenommen, berichtet Pojer. Sein Fazit: „All inclusive und Cluburlaub bleiben im Trend“, sagt er.
Auch Klaus-Peter Willhöft, Präsident der Flair-Hotels, differenziert zwischen Stadt- und Ferienhotellerie. Er befürchtet, dass die negative Entwicklung zeitversetzt die bisher stabile Ferienhotellerie noch treffen könnte. Generell werden Vorhersagen immer schwieriger, so Willhöft, da immer kurzfristiger gebucht werde. Mit ein Grund, dass vielen Hoteliers die Planungssicherheit fehle. Gut planen kann man im Gutshaus Stolpe bei Anklam. „Die Vorbuchungen liegen derzeit rund 10 Prozent über dem Vorjahreswert, und auch das Ostergeschäft läuft“, berichtet Direktor Alexander Stiller. Allerdings hat der lange Winter vielen Hoteliers im Norden Deutschlands, in den Städten und an der Küste, zu schaffen gemacht.
Bei Choice ist die Stimmung laut Managing Director Margit Hug „viel besser als im Vorjahr“. Die Vorbuchungen seien gut angelaufen. „Ich glaube, die Buchungen werden 2010 wieder steigen, aber die Zimmerraten brauchen wohl noch länger, um sich zu erholen“, fasst sie zusammen. Eine positive Grundstimmung hat Ringhotels-Geschäftsführerin Susanne Weiss auf der ITB festgestellt: „Wirtschaftlich geht es wieder bergauf. Das rechtfertigt wohl, wieder ein bisschen optimistischer in die Zukunft zu blicken.“ Nachdem bereits 2008 und 2009 für Travel Charme laut Geschäftsführer Walter Neumann „sehr starke Jahre“ waren, ist die Gruppe mit dem Fokus auf Ferienhotels auch für 2010 zuversichtlich. Vorsichtig optimistisch ist
Olivier Harnisch, Vice President International bei Hilton. „2010 hat gut angefangen, obwohl ich mir Ende vergangenen Jahres noch Sorgen gemacht habe“, sagt er. Insgesamt geht er von einer Stagnation im Vergleich zum Vorjahr aus. Hoffnung macht ihm vor allem das anziehende Geschäft bei Businessreisenden und Tagungen und die damit wieder steigenden Durchschnittspreise. Positiver als 2009 schätzt NH-Deutschlandchef Jan Hein Simons das laufende Jahr ein. „Wir erkennen ein Licht am Ende des Tunnels. Im ersten Quartal verzeichnen wir ein Plus, und der April wird sensationell.“ Bei Kempinski sehen die Anfragen im Konferenzbereich für dieses Jahr wieder so gut aus wie 2008. Auch die Steigenberger-Gruppe spricht von einem „deutlichen Auftrieb“ in den ersten Monaten. 2009 hätten die Resort-Hotels das Geschäft stabilisiert, während die Tagungshotels Einbußen verzeichneten. Dagegen hätten die InterCityHotels von der Verschiebung bei Geschäftsreisen zum Teil profitiert.
beh, brg, rr, sal, stau