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Eiszeit:  Viele geplante Hotelprojekte werden zurzeit nicht verwirklicht (Foto: Colourbox)

Hotellerie

Hotelprojekte liegen auf Eis

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/11 vom 6. März 2010

BERLIN. In Deutschland werden derzeit viele geplante nicht verwirklicht. Nur rund 50 bis 55 Prozent der Vorhaben werden umgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt das Treugast Trendgutachten Hospitality 2010/2011, das auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) vorgestellt wurde. Hauptgrund für die große Zurückhaltung an der Investmentfront sind die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die prekäre Lage spiegelt auch die Zahl der Insolvenzen wider. So verzeichnete das Statistische Bundesamt von Januar bis November 2009 eine Zunahme der Insolvenzen bei Hotels von 5,9 Prozent und bei Hotels garni sogar um 52,9 Prozent. Diese Zahlen zeigten, dass insbesondere bei den mittelständischen Betrieben die finanziellen Reserven sehr gering seien, der Nachfragerückgang sich unmittelbar auswirke, sagte Treugast-Chef Stephan Gerhard. Hinzu kommt die teilweise restriktive Politik der Banken. Die Kreditinstitute sind bei Not leidenden Betrieben – insbesondere in Krisenzeiten – nicht bereit, weitere finanzielle Mittel zu geben.

Sollte sich die Umsatzlage nicht verbessern, rechnet Gerhard damit, dass sich die zugespitzte Lage auf dem Hotelmarkt noch verschärfen wird. 2009 sind die Umsätze im Gastgewerbe gegenüber dem Vorjahr real um 6,1 Prozent gefallen (AHGZ vom 20. Februar). Es waren Umsatzrückgänge im dritten Jahr in Folge.

Stark betroffen war die Hotellerie: So ging die Zimmerbelegung 2009 auf 60,2 Prozent zurück (-4,3 %), der durchschnittliche Zimmerpreis erreichte nur 80,38 Euro (-5,8 %). Und der RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer) fiel auf 48,37 Euro (-9,8 %). Mit einer spürbaren Verbesserung ist nach Auffassung der Treugast erst 2011 zu rechnen. Gerhard: „Eine Stabilisierung der Ergebnisse könnte sich jedoch schon Ende 2010 abzeichnen.“

Für Hoffnung sorgen die Januarzahlen. Wie STR Global ermittelte, wuchs im ersten Monat des Jahres die Auslastung gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,2 Prozent auf 48 Prozent, die durchschnittliche Rate um 5,8 Prozent auf 87,61 Euro und der RevPar um 7,1 Prozent auf 42,04 Euro. Damit schneidet Deutschland im europäischen Vergleich noch am besten ab.

Trotz der angespannten Lage gibt es in Deutschland eine große Anzahl an Hotelprojekten. Mehr als 350 sind in den nächsten zwei Jahren geplant. Auffällig viele (286) im 3- und 4-Sterne-Segment. Damit expansionswillige Hotelgesellschaften, Investoren und Projektentwickler künftig besser wissen, welche Standorte renditeträchtig sind, haben Treugast und Colliers Hotel einen neuen Index eingeführt: den Hotelinvestment-Attraktivitäts-Index (HAI). Ein wichtiges Ergebnis: Deutsche Städte kommen auf einen Durchschnittsindex von 0,77 Punkten, was einer BBB-Bewertung entspricht. Das Fazit von Treugast: Städte in Deutschland haben ein hohes Potenzial für Hotelinvestitionen und sind für Projekte in der Zukunft attraktiv. Auf den ersten fünf Plätzen mit der Note A haben sich Frankfurt, München, Nürnberg, Hamburg und Ulm platziert.

Am Beispiel Ulm werde deutlich, dass nicht nur A-Standorte lohnend für Hotelinvestitionen sind. Rat, wie man erfolgreich arbeitet, gibt das Gutachen auch für das operative Geschäft: Hoteliers und Gastronomen sollen sich jetzt bemühen, ihre Produkt- und Servicequalität zu steigern, um sich am Markt besser zu profilieren.
Rüdiger Rüster / Holger Zwink

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