Branchenbarometer
Hotels und Cafés sind Büros der Zukunft
Studie: Kreativarbeiter ohne Festanstellung brauchen Ruhe und Inspiration / Quadratisch-praktische Business-Hotelräume sind Energiekiller
KELKHEIM. Angesichts einer sich stark wandelnden Gesellschaft, die zunehmend auf Kreativität in der Arbeitswelt setzt, gehört pfiffigen Hoteliers und Gastronomen mehr denn je die Zukunft. Das geht aus der Studie „Creative Work“ der Zukunftsinstitut GmbH in Kelkheim hervor. Demnach verliert die Arbeit ihren Ort, befreit sich aus der Enge der Büros und sucht ihren Platz. Hier ist das Gastgewerbe mit neuen Ideen gefordert: Cafés mit Hotspot oder Hotels mit neuem, inspirierendem Design.
Bedürfnis nach Entspannung
Als gelungene, bereits erfolgreich am Markt operierende Unternehmen für die Zielgruppe Ðigitale Bohème stuft die Studie die Hotels 25hours und Gastwerk in Hamburg ein. „Sie spiegeln perfekt die Bedürfnisse nach Inspiration durch Design und die Möglichkeit für Rückzug und Entspannung wider“, heißt es. Im Ausland, nämlich im japanischen Tokio, hat erst kürzlich Conrad Hotels sein erstes Hotel für die „inspiration class“ eröffnet und positioniert sich damit deutlich als „Creative Hub“.
Wie die Studienautoren weiter betonen, entwickeln die kreativ tätigen Menschen eine besondere Sensibilität für die inspirierende und lähmende Kraft von Orten. Kreativität brauche Ruhe. „Die quadratisch-praktischen Business-Hotelräume im Einheitslook können echte Energiekiller sein. Eine neue Generation von Hotels passt sich genau dem Lebens- und Arbeitsstil der mobilen Kreativarbeiter an.“
Das versucht auch das Company Hotel in der Frankfurter Goethestraße. Nach Angaben des Zukunftsinstituts lautet sein Motto: Präsent sein, ohne sich zu verpflichten. Im Company Hotel mieten sich Menschen ein, die ein repräsentatives Umfeld ohne langfristige Verpflichtung und hohe Kapitalbindung durch Miete, Möbel und Management suchen.
An so genannte Business-Nomaden wendet sich auch das WG-Café in Düsseldorf. Es bietet frisch renovierte, leise Räume in unterschiedlichen Größen, eine Haushälterin, die tägliche Reinigung der Gemeinschaftsbäder und vor allem zahlreiche Gleichgesinnte. Mit diesem Konzept hat das Café die Idee der Wohngemeinschaften aufgegriffen und auf die heute Zeit übertragen. „Das WG-Café bietet abwechslungsreiches Privatleben für Menschen, die geschäftlich unterwegs sind“, schreiben die Autoren der Zukunfts-Studie.
Interessant für Kreativarbeiter ohne Festanstellung ist nach der Studie auch das St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte. Auf zwei Etagen wird dort gearbeitet, gemailt, gechattet und gemeetet. Dabei ist die Miete nutzungsabhängig. Stammgast Ben Pohl rechnet. „Dreimal die Woche je sechs Stunden bin ich dort, das Ganze mal vier, das sind 72 Stunden. Alle zwei Stunden ein neues Getränk, das macht bei einem Latte-Macchiato-Preis von 2,70 Euro knapp 100 Euro Monatsmiete.“ In den 20er Jahren war das damalige Aschinger Neunte Bierquelle Treffpunkt der Künstler- und Kreativszene, in Döblins „Berlin Alexanderplatz“ wurde die Gaststätte verewigt.
Relaxsuiten und Einzelbüro
In Kanada bekommt der mobile Beschäftigte laut Zukunftsinstitut bei Coffee-Office ein Ambiente, das sich ebenfalls auf die Businessbedürfnisse eingestellt hat: von der High-Tech-Meeting-Lounge über Konferenzräume und Relax-Suiten bis hin zum ruhigen Einzelbüro mit WLAN und Kafffee. Hier treffen arbeitende Menschen auch auf solche, die einfach nur ein nettes Café besuchen wollen. red
www.zukunftsinstitut.de
