Hotellerie
Im Paradies wartet viel Arbeit
von Katja Gußmann
PARAJURU. Traumhaftes Klima, schier endlose Strände und freundliche Menschen fand die Österreicherin Gisela Wisniewski im 6000-Seelen-Ort Parajuru im Nordosten Brasiliens vor, als sie 2004 erstmals dort ankam. Ein Ferienhaus in der Sonne suchte sie, dort wollte sie sich erholen von der anstrengenden Arbeit in ihrem Familienhotel Appelhof in der Steiermark. Sie kaufte ihr Traumhaus.
Schnell wurde der 60-jährigen Unternehmerin jedoch klar, dass sie, wenn sie die Sonne Brasiliens genießen wollte, auch etwas für diejenigen tun musste, die nur die Schattenseiten des Lebens kennen. „Ich kann gar nicht anders. Wo ich bin, muss ich auch etwas tun und ich wollte mich schon immer sozial engagieren“, begründet sie ihre Aktivitäten im fernen Brasilien.
Ausbildung im Hotelfach
Bildung ist dabei für Gisela Wisniewski der Schlüssel zum Erfolg. So organisierte sie zunächst Schulunterricht für die Kinder und Jugendlichen des Ortes – der Zufall wollte es, dass ihre Hausnachbarin im Ort eine pensionierte Lehrerin ist. Ein weiterer Zufall brachte den Verkauf einer Bungalow-Hotelanlage in Parajuru mit sich. Wisniewski fand in ihrem Freundeskreis genügend Menschen, die in die Anlage und damit in eine gute Sache investieren wollten.
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Sie erwarb mit deren Hilfe das heutige Paraíso do Sol – Sonnenparadies – und investierte noch einmal 500.000 Euro in die Modernisierung der 24 Chalets der knapp 20 Jahre alten Anlage. Im August 2007 konnte Eröffnung gefeiert werden. Hotelmanagerin vor Ort ist Daniela Schwarzenegger, die zuvor im Appelhof gearbeitet hat. In Brasilien kennt man keine Lehrberufe mit geregelter Ausbildung. Deshalb werden im Paraíso do Sol junge Brasilianer im Hotelfach ausgebildet. Ein Schwerpunkt ist zusätzlicher Deutsch- und Englischunterricht. Gisela Wisniewski ist daher ständig auf der Suche nach guten Fachkräften, die bereit sind, für drei Monate in ihrem Sozialprojekt mitzuarbeiten.
Die Österreicherin setzt in Parajuru auf sanften Tourismus in, damit sich der ganze Ort weiterentwickeln kann. In ihrer Schule werden inzwischen – zusätzlich zum staatlichen Unterricht – 120 Kinder unterrichtet, inbegriffen ist eine kostenfreie Mittagsverpflegung. Auch einen Kindergarten hat die Österreicherin gegründet. Und Kinder des Ortes kommen ins Hotel zum Zirkusunterricht. Er wird auf einem überdachten Platz abgehalten, wo die Kids unter anderem Jonglieren und Trapezkünste erlernen. Wie 2008, wird vom Appelhof auch in diesem Jahr eine Gruppe von 14 Kindern mit Lehrern für drei Monate eingeladen.
Noch trägt das Hotel finanziell weder sich selbst noch das Sozialprojekt. „Im Moment schieße ich immer noch vom Appelhof etwas zu“, sagt Wisniewski. Doch ihr Geschäftsmodell geht über den Hotelbetrieb hinaus. Mit Grundstücken lässt sich in Brasilien noch Geld verdienen. So kauft Wisniewski alle Grundstücke in Parajuru, die zum Verkauf stehen, baut mit ihrer eigenen Baufirma Häuser darauf und verkauft sie an Europäer weiter, die sie als Feriendomizil nutzen. Wisniewski übernimmt für die neuen Hausbesitzer auch die Vermietung der Immobilien in den Zeiten, in denen die Häuser frei stehen. Auch eine Sicherheitsfirma hat die findige Unternehmerin ins Leben gerufen, deren Mitarbeiter Hotel und Ferienhäuser bewachen.
Gäste aus Europa
Ziel ist es, dass sich das Sozialprojekt selbst trägt, um von Spenden unabhängig zu sein. Wisniewski hofft, die bislang noch schwache Auslastung des Hotels 2009 steigern zu können. Das Konzept ruht auf zwei Säulen: Kitesurfen während der windstarken Monate August bis Dezember, den Rest der Jahres will man Gäste mit Wellnesspaketen locken. Einige Appelhof-Stammgäste haben bereits Urlaub im Sonnenparadies gebucht, auch über Reiseveranstalter und das Internet finden Gäste aus dem deutschsprachigen Raum den Weg nach Parajuru. Wenn Gisela Wisniewski heute den Flieger besteigt, ist an Ferienfreuden nicht mehr zu denken – im Paradies wartet jede Menge Arbeit auf sie.
reception@appelhof.at





Steuerflüchtling
02.03.2010 um 00:33
Betreff: Gekaufter Thread, alles klar!
Hier die Doku auf Deutsch: http://www.dailymotion.com/video/xaslev_eine-woche-in-parajuru_travel