Gastgewerbe International
Investoren greifen bei günstigen Konditionen zu
Der deutsche Hotelinvestmarkt steht vor einem Rekordjahr / Volumen beträgt zur Jahresmitte bereits 682 Mio. Euro
MÜNCHEN „2006 werden wir in Deutschland ein Rekordjahr auf dem Hotelinvestmarkt erleben“, sagt Jürgen Baurmann, Leiter Jones Lang LaSalle Hotels Deutschland. Es sei momentan sehr viel Bewegung auf dem Markt, so der Immobilien- und Finanzexperte. Baurmann rechnet für 2006 mit einem Investitionsvolumen von zirka 1,2 Mrd. Euro.
Bereits in den ersten sechs Monaten 2006 erreichte das Hotelinvestmentvolumen mit bundesweit 682 Mio. Euro ein sehr hohes Niveau. Es liegt damit 22 Prozent über dem Durchschnittsvolumen der Jahre 2001 bis 2005 (560 Mio. Euro). Bereits zur Jahresmitte wurden damit 86 Prozent des Transaktionsvolumens des gesamten Vorjahres erzielt ( 792 Mio. Euro).
Neun einzelne Hotelimmobilien sowie zwei Hotels als Teil von europäischen Portfolios und drei deutschlandweite Portfolios wechselten in Deutschland im ersten Halbjahr den Eigentümer. Mit einem Anteil von 92 Prozent am Volumen dominierten auf der Käuferseite internationale Investoren. Baurmann: „Damit haben sie ihren Anteil am deutschen Hotelinvestmentvolumen von rund 60 Prozent 2004 und 70 Prozent im Jahr 2005 (Gesamtjahre) noch mal deutlich erhöht.“
Abgeschlossene Einzeltransaktionen im ersten Halbjahr 2006: Der israelische Investor Ron Ben Haim erwarb im Juni das Steigenberger Mannheim von der Hotelgesellschaft Steigenberger Hotels AG. Die österreichische Immofinanz Immobilien Anlagen AG kaufte im ersten Quartal 2006 das Hotelprojekt Rocco Forte als Teil der Lenbach Gärten. Das Luxushotel Rocco Forte soll im Frühjahr 2007 eröffnet werden.
Als Teil einer europäischen Portfolio-Transaktion wechselten zwei Hotels in Deutschland den Eigentümer: Das Private Equity Unternehmen Blackstone erwarb im Juni 2006 das Sheraton Frankfurt Hotel & Towers als Teil des Hospitality Europe Portfolios (insgesamt acht Hotels in Europa). Und das Courtyard by Marriott Düsseldorf war Teil eines europäischen Portfolios mit vier Marriott Hotels, das im Mai 2006 verkauft wurde. Blackstone kaufte auch das Berliner Hotel Esplanade. Ein rein deutsches Hotelportfolio mit neun Hotels hat Blackstone im Rahmen seines Joint Ventures mit der Event-Hotelgruppe im April (
Charakteristisch für die seit 2005 zu beobachtende Entwicklung seien die vielen unterschiedlichen Investorentypen auf dem Hotelinvestmentmarkt Deutschland, sagte Baurmann. Mit dem wachsenden Interesse von internationalen Investoren habe sich
die Hotelinvestmentlandschaft in Deutschland deutlich verändert. Noch in den Jahren 2000 bis 2003 hatten deutsche Investoren einen Anteil von mindestens 70 Prozent am deutschen Hotelinvestmentvolumen. „Es gibt im Grunde genommen eine neue Eigentümergeneration. Die heute agierenden Investoren haben eine deutlich kürzere Haltedauer – teilweise nur bis zu vier Jahren – als die Investoren, die noch vor zwei oder drei Jahren den Markt dominierten“, so Baurmann. Und weiter: „Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Hotelgesellschaften und Banken, die sich mit dieser neuen Eigentümergeneration auseinander setzen müssen.“
