Märkte & Unternehmen
Ketten schaffen 25.000 Zimmer
In der Europäischen Union werden immer mehr Hotels angeboten / Nachholbedarf besteht vor allem bei Economy-Häusern
PARIS. Die Zahl der Hotelzimmer in den Ländern der Europäischen Union steigt rasant an. Derzeit bieten die Hotelketten 1,3 Mio. Zimmer an. Das sind 31 Prozent mehr als im Jahr 2000. Im Jahresschnitt lag der Zuwachs bei 3,5 Prozent. In diesem Jahr wird sich das Angebot noch einmal um 2 Prozent gegenüber 2007 erhöhen, was 25.000 zusätzliche Zimmer ausmacht. Das geht aus einer Studie der MKG Group hervor, die kürzlich in Paris vorgestellt wurde.
Angst vor Überkapazitäten
Das Zimmerwachstum hat sich nach der Studie in den vergangenen Jahren allerdings etwas abgeflacht, weil die Ketten Überkapazitäten befürchteten. Insgesamt erlaube die Marktlage aber eine weitere Hotelentwicklung. Entsprechend sind die Expansionspläne der internationalen Ketten. So hat unter anderem Sheraton die größten Expansionspläne der Firmengeschichte angekündigt. Aber auch Rezidor und NH Hoteles streben eine weitere Ausweitung an (AHGZ vom 3. Mai).
Gemessen an der Zahl der Zimmer haben die 4-Sterne-Hotels am stärksten zugelegt. Und auch in diesem Jahr entfällt auf sie fast die Hälfte der neuen Zimmer. Den steilsten Zuwachs verzeichnen allerdings die Economy-Hotels, die auch den größten Nachholbearf haben. In diesem Jahr werden die 0- und 1-Sterne-Hotels mit ihrem Zimmerangebot um ganze 5 Prozent und die 2-Sterne-Hotels um 3,4 Prozent zulegen, die 4-Sterne-Hotels um 2,2 Prozent und die 3-Sterne-Hotels um 0,6 Prozent.
Absolute Zahlen für die Zahl der Zimmer, auf die es die Ketten-Hotels der verschiedenen Kategorien damit im laufenden Jahr europaweit bringen werden, wurden nicht gemacht, doch man kann sie abschätzen: weniger als 100.000 Zimmer bei 0- und 1-Sterne-Hotels, etwa 200.000 bei 2-Sterne-Hotels, 400.000 bei 3-Sterne-Hotels und mehr als 500.000 bei 4-Sterne-Hotels. Betrachtet man das gesamte Hotelzimmerangebot und nicht nur das der Ketten, so entfallen 70 Prozent auf die fünf Länder Italien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, in denen es jeweils mehr als 500.000 Zimmer gibt.
Hier ist der Anteil der Ketten allerdings unterschiedlich. In Italien liegt er bei lediglich 7,1 Prozent, in Deutschland bei 25,4 Prozent, in Frankreich gar bei 40,4 Prozent, in Großbritannien bei 39,9 Prozent und in Spanien bei 41 Prozent. Die großen Ketten sind besonders stark in ihren Herkunftsländern vertreten: Accor in Frankreich, Sol Meliá in Spanien, Whitbread in Großbritannien. Die nächste Gruppe von Ländern mit 100.000 bis 400.000 Zimmer sind Griechenland mit einem Anteil der Ketten von 8,1 Prozent, Österreich (7,9 %), Schweden (37,6 %) und die Tschechische Republik (16,7 %).
London an der Spitze
Die europäischen Hauptstädte mit dem größten Hotelzimmerangebot sind London (fast 85.000 Zimmer), Paris (etwa 80.000) und Rom (etwa 50.000), doch ist hier der Anteil der Ketten relativ bescheiden (London 55 %, Paris 45 %, Rom 20 %). Weit dahinter folgen Madrid mit lediglich 30.000 Zimmern sowie Amsterdam, Brüssel, Berlin, Dublin, Athen oder Lissabon mit jeweils weniger als 20.000 Zimmern. Dort aber ist der Anteil der Ketten mit 55 bis 80 Prozent hoch.Ralf Klingsieck
