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Kindermangel an Rhein und Ruhr

Neue Demografie-Studie des Berlin-Instituts: Schlechte Aussichten für NRW / Angebote für Best-Ager werden immer gefragter

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/12 vom 25. März 2006
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DÜSSELDORF „Kultur in Kombination mit Kulinarischem spricht vor allem Ältere an“, weiß Markus Bahde. Gemeinsam mit vier Gastronomen hat der Referent der DEHOGA-Geschäftsstelle Wuppertal ein viergängiges Stadtführungs-Menü entwickelt. Die geführte Wanderung wird jeweils durch die Einkehr in ein Restaurant zu einem der vier Gänge unterbrochen. Start für den ersten Durchgang ist bereits der 13. April.

Mit ihrer Fokussierung auf ältere Gäste liegen die Wuppertaler Wirte richtig. Kindermangel teilt Deutschland in Gewinner und Verlierer. Besonders bedenklich ist die Entwicklung in den nordrhein-westfälischen Großstädten. Das ist das Ergebnis der soeben erschienenen Demografie-Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Zu den Gewinnern zählen Bayern und Baden-Württemberg. Nordrhein-Westfalen und der Osten der Republik gehören zu den klaren Verlierern – mit stark sinkenden Bevölkerungszahlen. Jüngere Menschen wandern ab, die Alten bleiben.

Umso nachdrücklicher nehmen Hoteliers und Gastronomen die Zielgruppe der Senioren ins Visier. Quasi eine Überlebensstrategie. „Wir haben schon vor einem Jahr das Projekt 50plus entwickelt und beispielsweise nach besseren Begriffen für das Wort „Senioren“ gesucht“, berichtet Maria Mintrop, deren Eltern in Essen die Mintrops Stadt- und Landhotels betreiben. „Demnächst wollen wir mit der Umsetzungsphase beginnen“, so Mintrop weiter.

Auch Ingo Buddroweith, Direktor des Mercure Hotels Remscheid, hat das Problem erkannt. Mit seinem Nordic-Walking-Park hat er eine Idee entwickelt, die sich speziell für Ältere eignet: „Bei Accor sind wir federführend, was die ältere Generation anbelangt. Schon seit Jahren gibt es bei uns ein spezielles Angebot. Ist bei Paaren ein Partner älter als 55, übernachtet er umsonst. Mit Nordic-Walking-Packages, die auch einen Museumsbesuch beinhalten, will ich vor allem die Wochenenden besser auslasten.“ Doppelter Nutzen für den Hoteliers: Naturgemäß eignet sich das Package auch für jüngere, sportlich ambitionierte Wanderer.

Vor allem das Ruhrgebiet, so die Studie des Berlin-Instituts, wird trotz Strukturwandel regelrecht implodieren und bald völlig überaltert sein. Düsseldorf und Köln hingegen liegen im Aufwärtstrend. Köln ist mit einem Anteil von 40 Prozent bei den unter 35-Jährigen sogar eine der „jüngsten“ Großstädte. Verheerend ist die Lage dagegen in Wuppertal und Remscheid. Beide Städte gehören zu den Verlierern und werden in den nächsten 15 Jahren ein Bevölkerungs-Minus von mehr als 8 Prozent hinnehmen müssen – bei gleichzeitige Überalterung. Auch Bielefeld hat laut Demographie-Atlas besonders schlechte Aussichten.

Die mit der demografischen Entwicklung einhergehende Schließung vieler Kirchen nutzte indessen ein Wirt als Chance. Achim Fiolka, Gastronom des Jahres 2002 und seit 28 Jahren erfolgreich mit mehreren Lokalen, eröffnete vor vier Monaten in einer ehemaligen Kirche das „Glück-undseligkeit“ (siehe Seite 29). Mit seinem Ganztagskonzept will er möglichst alle Generationen ansprechen. „Ich weiß, dass viele Leute um die 50 nicht mehr gern ausgehen, weil sie kein passendes Konzept finden.“ Sein geschäftlicher Ansatz scheint ihm recht zu geben: „Der Anteil an älteren Gästen, die sich bei uns ausgesprochen wohlfühlen, ist höher als erwartet.“

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