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Klimawandel begünstigt den Norden

Tourismus-Studie: Der Übernachtungsanteil ausländischer Gäste wird weiter zunehmen / Die Saisonzeiten an der See weiten sich deutlich aus

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/13 vom 22. März 2008

BERLIN. Die Verschiebung der Klimazonen kommt vor allem den nordeuropäischen Ländern sowie Kanada und Russland zugute. Zu den Gewinnern gehören Deutschland, Dänemark und die Belelux-Länder. Dort steigen die Temperaturen, mehr Reisende werden künftig ihren Urlaub im eigenen Land verbringen. Dies ist ein Ergebnis der bei der ITB 2008 vorgestellte Tourismus-Studie von Deutsche Bank Research. Sie analysierte 66 Länder hinsichtlich der Auswirkungen der erwarteten Wetterveränderungen und der Bedeutung, die der Tourismus in der jeweiligen Volkswirtschaft einnimmt.

Sommersaison wird länger

Sowohl für Aktiv- als auch Bade- und Strandurlaub an den deutschen Küsten werden keine negativen Auswirkungen des Klimawandels erwartet – im Gegenteil: Es dürften sich positive Effekte aufgrund einer längeren Sommersaison einstellen. Die Nord- und Ostseeküste wird durch den Klimawandel begünstigt. Eine Verbesserung der Badebedingungen (höhere Temperaturen, weniger Niederschläge) wird die Risiken des Klimawandels wie häufigere Wetterextreme oder Küstenerosion überkompensieren. Der Übernachtungsanteil ausländischer Touristen (derzeit 15 %) wird aus Sicht der Experten zunehmen, da es gelingen dürfte, ausländische Urlauber aus der heißen Mittelmeerregion in den Sommermonaten nach Norddeutschland zu locken; für Inländer gilt dies allemal. Positiv ist, dass der wachsende und derzeit bei 15 Prozent liegende Anteil von Städtereisen vom Klimawandel ebenso unbeeinflusst bleibt wie der Kur- und Gesundheitstourismus.

Beim Thema Wintersport werden jedoch die deutschen Mittelgebirge aufgrund ausbleibender Schneefälle getroffen. Schon bis 2030 könnten viele Gebiete wie Harz, Hochsauerland, Schwarzwald und Thüringer Wald schneefrei bleiben, zumindest aber mit einer kürzeren Saison zu kämpfen haben. Die Winter der Jahre 2006/07 und 2007/08 geben hier womöglich einen Vorgeschmack. Diesem generellen Trend dürften sich auch in den Alpen nur die wenigen höher gelegenen Wintersportorte entziehen.

Unter dem Strich kann für Deutschland aber mit positiven Folgen des Klimawandels für den Tourismus gerechnet werden. Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung erwartet einen langfristigen Nachfragezuwachs bedingt durch den Klimawandel in der Größenordnung von 30 Prozent. Positiv ist für das Land, dass die Entfernungen zum Urlaubsort für die Deutschen, aber auch für Skandinavier und Einwohner der Benelux-Staaten sehr gering sind. Besonders negativ betroffen vom Klimawandel in Europa werden laut Studie die Mittelmeeranrainer sein. Sie werden besonders zur Hauptreisezeit unter deutlich höheren Temperaturen und Wassermangel leiden. Eine hohe wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tourismus besteht dabei in den Ländern Malta, Zypern, Spanien, Griechenland und Österreich, das zwar nicht am Meer liegt, aber mittelfristig unter dem Wegbleiben der Deutschen leiden dürfte. Dies gilt sowohl im Sommer als auch im Winter, denn auch viele der österreichischen Skigebiete liegen zu tief. Bis zum Jahr 2030 wird nach Schätzungen von Experten die Schneefallgrenze um rund 300 Meter steigen. Viele Skifahrer werden deswegen in die Schweiz oder nach Frankreich ausweichen.

Karibik bei den Verlierern

Außerhalb Europas werden fast alle Destinationen unter dem Klimawandel leiden. Die Verlierer sind unter anderem Ziele in der Karibik, im Südpazifik und im Indischen Ozean. Sie liegen von Quellmärkten weit entfernt, haben eine hohe wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tourismus und werden häufig von Wirbelstürmen heimgesucht. Insgesamt wird die Nord-Süd-Wanderung nachlassen, die Bewegung von Nord- nach Südamerika, von Nord- nach Südostasien und von Nord- nach Südeuropa.

Dennoch: Global gesehen bleibt der Tourismus ein Wachstumsmarkt, so die Deutsche Bank. Aber: „Der Klimawandel wird die touristische Weltkarte neu zeichnen: Neue Hochburgen entstehen, alte vergehen,“ so Chefvolkswirt Norbert Walter. (Seite 8) Susanne Stauß

www.dbresearch.de

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